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Forschungsprojekt „LüneLütten“: Dreijährige unterstützen Forschung

22.06.2026 Mit einer kleinen Kamera in einer speziell entwickelten Weste zeichnen Kindern auf, wie sie spielen, essen und mit anderen Menschen interagieren. Die Aufnahmen sind Teil einer gerade anlaufenden internationalen Studie der Leuphana Universität Lüneburg, die für die Entwicklungsforschung erstmals die Perspektive der Kinder in den Blick nimmt.

©Franziska Albers
„Bislang kamen in der Entwicklungsforschung zwei Aspekte zu kurz: Der echte, ungefilterte Familienalltag und der Vergleich internationaler Daten, vor allem aus nicht-westlichen Ländern. Diese Forschungslücken wollen wir schließen“, erklärt Prof. Dr. Manuel Bohn.

Was machen Kinder über den Tag verteilt? Womit spielen sie, mit wem sprechen sie und was fordert sie heraus? Alltägliche Situationen haben großen Einfluss auf die soziale und kommunikative Entwicklung von Kindern. Das Problem: Für Forschende ist es schwer, Zugang zu echtem, ungefiltertem Familienalltag zu bekommen. Bisher müssen sie auf Elternbefragungen oder künstliche Beobachtungssituationen zurückgreifen. In der neuen, großen internationalen Studie „Kinderblick“ läuft es erstmals anders: Kinder dokumentieren ihren Familienalltag per Kamera selbst – ungestört und authentisch. Geleitet wird das Forschungsprojekt von Manuel Bohn, Professor für Entwicklungspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. 

„Bislang kamen in der Entwicklungsforschung zwei Aspekte zu kurz: Der echte, ungefilterte Familienalltag und der Vergleich internationaler Daten, vor allem aus nicht-westlichen Ländern. Diese Forschungslücken wollen wir schließen, um besser zu verstehen, wie Kinder Sprache und soziales Verhalten erlernen und wie sich das über kulturelle Grenzen hinweg ähnelt oder unterscheidet“, so Manuel Bohn, der vor seiner Professur in Lüneburg bereits an der Stanford University und am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie forschte. 

In der Türkei, Kenia und Deutschland werden über die nächsten zwei Jahre je 150 Familien mit dreijährigen Kindern begleitet. Für Deutschland können Familien aus Lüneburg und Region teilnehmen. Gerade erst hat das Forschungsteam damit begonnen Familien anzuschreiben und zur Teilnahme einzuladen. 

Am Anfang, rund um den dritten Geburtstag des Kindes, nimmt die Bodycam einen gewöhnlichen Tag aus Sicht des Kindes auf. Über mehrere 1000 Stunden Videomaterial aller teilnehmenden Kinder sollen so zusammenkommen. Zudem beobachtet das Forschungsteam zum dritten, vierten und fünften Geburtstag bestimmte Fähigkeiten der Kinder, um Entwicklungsschritte greifbar zu machen. KI-gestützte Computermodelle werten die Ergebnisse aus und analysieren Muster, Unterschiede, Gemeinsamkeiten sowie länderspezifische Besonderheiten.  

Auch der Datenschutz hat bei der Studie höchste Priorität. Die Auswertung der Daten erfolgt anonym über ein datensicheres Programm. Wichtig für die teilnehmenden Eltern: Es findet keinerlei Wertung des Alltags statt und sie haben die Möglichkeit Kameraaufnahmen selbst zu sichten und zu löschen. 

Noch sucht das Forschungsteam Familien aus Lüneburg und Umgebung mit Kindern, die zwischen dem 01.07.2023 und 30.06.2024 geboren sind, die bei der Studie mitmachen wollen und bereit sind, den Kinderalltag zu dokumentieren.

Die „Kinderblick- Studie“

Das Forschungsteam LüneLütten aus der Abteilung Entwicklungspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg will verstehen, wie sich Kinder zwischen ihrem vierten und fünften Lebensjahr entwickeln. Die internationale Studie wird an drei ausgewählten Standorten weltweit durchgeführt, Lüneburg ist einer davon. Ergebnisse der Studie tragen zur entwicklungspsychologischen Grundlagenforschung bei und liefern Erkenntnisse, die wichtig für die Bildungsarbeit in Kindergärten und Schulen sind. Gefördert wird die Studie durch das Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Volkswagenstiftung.

Kontakt - Forschungsteam

  • Franziska Christina Albers