Kaufentscheidungen bei E-Autos: Studie empfiehlt Kombination von CO₂-Preis und Klimainformation
18.08.2026 Forschende der Leuphana Universität Lüneburg, der Universität Basel, der Universität Hamburg und der Technischen Universität Delft haben gemeinsam untersucht, wie klimapolitische Maßnahmen Kaufentscheidungen für Elektroautos beeinflussen. Mit einem neuartigen Ansatz, der Online-Experimente und Simulationen verbindet, analysierte das Team das Verhalten von 1589 Teilnehmer:innen aus Mexiko, Südafrika, den USA und Großbritannien. Die Studie wurde nun in der Fachzeitschrift "Nature Energy" publiziert.
©Ulf Hahnel / Leuphana
Das zentrale Ergebnis: Die Kombination aus CO₂-Preis auf Benzin und Diesel sowie Klimainformationen (z. B. CO₂-Label) wirkt deutlich stärker auf die Bereitschaft, Elektroautos zu kaufen, als jede Maßnahme für sich allein. Werden beide Instrumente zeitnah eingeführt, verstärken sie sich gegenseitig – das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Besonders effektiv ist das Maßnahmenpaket, wenn es zum richtigen Zeitpunkt – noch bei geringem Marktanteil der Elektroautos – eingesetzt wird.
Die Studie zeigt zudem, dass eine Klimainformation, welche das Emissionsreduktionspotenzial von Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern verständlich darstellt, die Akzeptanz von CO₂-Preisen in der Bevölkerung deutlich erhöht. „Gesellschaftliche Akzeptanz gilt als Voraussetzung für wirksame Klimapolitik. Tatsächlich scheint der Zusammenhang in beide Richtungen zu verlaufen: Akzeptanz beeinflusst, welche Maßnahmen umgesetzt werden. Gleichzeitig können gut gestaltete Maßnahmen die Unterstützung für Klimapolitik stärken und damit die Chance erhöhen, dass sie langfristig bestehen bleiben", sagt Anne Günther, Erstautorin der Studie und Doktorandin an der Universität Basel. Die Simulationen verdeutlichen: Eine erfolgreiche Mobilitätswende braucht abgestimmte, auf den Kontext zugeschnittene Maßnahmenpakete.
Die Wissenschaftler:innen empfehlen, wirtschaftliche Anreize wie CO₂-Preise mit verhaltenswissenschaftlichen Instrumenten wie Klimainformationen zu kombinieren und zeitnah in die Praxis umzusetzen, um Wirkung und gesellschaftliche Akzeptanz zu steigern. „Auch in Deutschland wird intensiv darüber diskutiert, wie die Elektromobilität vorangebracht werden kann. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass diese Debatte weniger um einzelne Instrumente kreisen sollte als um die Frage, wie Maßnahmen sinnvoll miteinander kombiniert werden können. Gleichzeitig bleibt die Autoindustrie gefordert, technische Innovationen, insbesondere bei der Reichweite, voranzutreiben, um eine breite Marktdurchdringung der Elektromobilität zu ermöglichen“ sagt Prof. Dr. Ulf Hahnel, Leiter der Abteilung Psychology of Sustainability and Collective Action an der Leuphana Universität Lüneburg.
Anne Günther ergänzt: „Psychologie hilft uns zu verstehen, wie Menschen Entscheidungen treffen. Besonders interessant ist, dass sich auf individueller Ebene relativ einfache Effekte der klimapolitischen Maßnahmen zeigen, diese aber auf gesellschaftlicher Ebene ganz unterschiedlich ausfallen können. Unsere Simulationen machen deutlich, wie wichtig es ist, individuelles Verhalten immer im Kontext sozialer und technologischer Dynamiken zu betrachten.“