Figuren der Migration – Helge Schwiertz und Serhat Karakayalı
11. Nov.
Ausgehend von Cana Bili-Meiers filmischer Arbeit “Ein neues Wort” (2025, 24:56) und dem Sammelband “Gesellschaft der Migration” werden “Figuren der Migration”, deren regulative Funktion und damit das Verhältnis zwischen (Migrations)Wissenschaft und Strukturen biopolitischer Macht diskutiert.
11.11.2025, 18-20 Uhr, Kunstraum (Gebäude 25),
Anlässlich ihres gerade erschienenen Sammelbands „Gesellschaft der Migration“ laden Helge Schwiertz und Serhat Karakayalı zu einem Abend mit Film und Gespräch ein. Der Band bringt Gesellschaftstheorie und Migrationsforschung miteinander ins Gespräch: Wie verändert sich unser Verständnis von Gesellschaft, wenn wir Migration als einen ihrer konstitutiven Bestandteile begreifen?
Im Mittelpunkt des Abends stehen die Figuren, in denen Migration gesellschaftlich Gestalt annimmt. „Gastarbeiter“, „Ausländer“ oder „Personen mit Migrationshintergrund“: In solchen Bezeichnungen stecken Vorstellungen von Arbeit, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Ordnung. Sie wandern zwischen Alltag, Politik, Verwaltung und Wissenschaft, verändern ihre Bedeutung und werden von den so Bezeichneten selbst aufgegriffen und infrage gestellt. Anhand von Texten und Szenen diskutieren die Herausgeber gemeinsam mit der Filmemacherin Cana Bilir-Meier, was diese Figuren über die Gesellschaft erzählen, die sie hervorbringt.
Gezeigt wird Bilir-Meiers Kurzfilm „Ein neues Wort“, der eine WDR-Höreraktion von 1970 aufgreift: Gesucht wurde eine neue Bezeichnung für „Gastarbeiter“. Die mehr als 30.000 Einsendungen lassen sich als Archiv des kollektiven Bewussten einer Migrationsgesellschaft lesen. Im Film verarbeitet ein Chor die damaligen Namensvorschläge musikalisch – und macht die Geschichte des Benanntwerdens zu einem eigenen künstlerischen Material.
Helge Schwiertz (Dr.) ist Vertretungsprofessor für Allgemeine Soziologie an der Universität Hamburg und ist korrespondierendes Mitglied des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Sozialtheorie und politische Theorie, Soziologiegeschichte, Citizenship, Solidarität und radikale Demokratietheorie, politische Soziologie und soziale Bewegungen, Rassismus- und Migrationsforschung.
Serhat Karakayalı (Prof. Dr.) lehrt Soziologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Migrations- und Rassismusforschung sowie in der politischen Soziologie und Gesellschaftstheorie. Darüber hinaus ist er im Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) sowie im Wissensnetzwerk Rassismusforschung (WinRa) tätig.
Cana Bilir-Meier lebt und arbeitet in München. Sie studierte Kunst und digitale Medien sowie Film und Kunstvermittlung an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und an der Sabancı-Universität in Istanbul. Sie arbeitet als Filmemacherin und Künstlerin sowie in Kunst- und Kulturprojekten. Ihre filmischen, performativen und textbasierten Arbeiten bewegen sich an den Schnittstellen von Archivarbeit, Textproduktion, historischer Forschung, zeitgenössischer Medienreflexivität und Archäologie. Sie ist Mitbegründerin der Initiative zu Ehren von Semra Ertan und Mit-Herausgeberin des Gedichtbandes ›Mein Name ist Ausländer – Benim Adım Yabancı‹.
Organisiert vom Lehrstuhl Migration and Mobility Studies und CCS
Anmeldung nicht erforderlich
Sprache: Deutsch
Kontakt: ccs@leuphana.de