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Im Fokus: Risikomanagement bei neu gegründeten Unternehmen

03.07.2026 Im Wintersemester 2025/2026 widmete sich Prof. Dr. Reinhard Schulte, Leiter des Instituts für Gründungsmanagement, innerhalb seines Forschungssemesters gezielt dem Risikomanagement bei neu gegründeten Unternehmen.

©Almut Schafner
In drei Fragen möchten wir uns dem Thema der Forschungsarbeit von Prof. Dr. Reinhard Schulte annähern

Geringe Größe, Neuheit und rasantes Wachstum – vor allem Startups haben aufgrund ihrer besonderen Eigenheiten häufig mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Sie beschäftigten sich in Ihrer Studie mit lösungsorientierten Strategien der Risikoanalyse und des Risikomanagements. Was können Startups denn tun, um ihr Risikomanagement zu verbessern?

Als wir uns als Forschungseinheit im Institut für Gründungsmanagement dem Thema Risiken bei Startups zugewandt haben, wurde schnell klar, wie umfangreich die betriebswirtschaftliche Forschung zum Risikomanagement ist. Startups spielen dabei aber kaum eine Rolle. Andererseits kann man das Risikomanagement der großen Unternehmen und Konzerne, der etablierten und stark arbeitsteiligen Organisationen nicht einfach auf junge und stark wachsende Unternehmen übertragen. Startups sind nicht einfach Konzerne in klein. Darum haben wir begonnen, systematisch Grundlagen für so ein Feld zu schaffen, es theoretisch und empirisch zu erschließen.

Daraus lassen sich auch schon ein paar Dinge auf der Gestaltungsebene ableiten: Werdende Unternehmen sollten die startuptypischen Risiken schon vor Beginn ihres Entwicklungsprozesses mitdenken. Das betrifft mehrere Ebenen. Die Finanzplanung haben Startups meist ohnehin auf ihrer Agenda, allein wegen des Drucks, Finanzierungsrunden erfolgreich zu bewältigen, um stetig Liquidität zu wahren. Systematisches Risikomanagement muss aber viel weiter gehen und vor allem auch Dinge wie Produktentwicklung und Skalierung, Marktvalidierung, Diversifikation der Kanäle oder regulatorische und personelle Risiken im Blick haben. Der Klassiker sind übertrieben ausgefeilte Produkte, die keiner haben will, weil sie nicht zu bezahlen sind. Gerade in frühen Phasen entscheidet über das Überleben eben auch, wie gut Unsicherheit beherrscht wird.

Gibt es Vorteile, die Start ups gegenüber KMU oder größeren Unternehmen in Bezug auf das Risikomanagement haben könnten?

Und ob. Was Sie da andeuten, stimmt natürlich erst einmal: Großunternehmen haben im Risikomanagement Vorteile bei Ressourcen, Reserven, Absicherung und Formalisierung. Sie können Risiken grundsätzlich systematischer erschließen, verteilen und finanziell besser abfedern.

Aber es gibt auch eine andere Seite. Weil Hierarchien noch flach und Entscheidungswege entsprechend kurz sind, können Startups Risiken oft schneller erkennen und darauf reagieren. Anders als in stark arbeitsteiligen und bürokratisierten Unternehmen fällt ihnen schnelles Lernen am Markt leichter: Durch Konzepte wie Customer Involvement, MVPs und iterative Entwicklungsschleifen können sie Marktrisiken schneller erkennen. Sie sind auch fixer im Pivotieren: Wenn Annahmen nicht stimmen, können Startups ihr Geschäftsmodell leichter und schneller anpassen. Wo große Unternehmen durch formalisierte Prozesse, bestehende Strukturen oder interne Politik gelähmt werden, sind Startups nicht an Pfadabhängigkeiten früherer Entscheidungen gebunden.

Welchen Nutzen oder Empfehlungen kann die Politik und andere Unterstützer aus Ihrer Forschung ziehen?

Für Politik und Intermediäre ist es zunächst wichtig zu verstehen, dass Startups keine kleinen Großunternehmen sind. Rezepte für die Großen sind also nicht übertragbar. Mein Eindruck ist, dass diese Botschaft schon gut angekommen ist. Nun muss man sich auf den Weg machen, diese auch umzusetzen. Das bedeutet zum Beispiel, Risikomanagement früh in die Gründungsberatung zu integrieren oder iteratives Lernen und Marktfeedback stärker in Förderprogrammen zu verankern. Für wirksames Startup-Risikomanagement ergibt Kontrolle im klassischen ja kaum Sinn. Vernünftiger wäre Unsicherheitsreduktion durch Iteration. Politik und Intermediäre helfen also mehr, wenn sie nicht nur Sicherheit geben, sondern auch die Fähigkeit fördern, in frühen Phasen kontrolliert zu experimentieren und aus Fehlern zu lernen.

Bei all dem ist es wichtig, auch in branchenspezifischen Kategorien zu denken, weil etwa Fintech, Health oder Deep Tech ganz andere Risikokulissen und regulatorische Anforderungen haben.

Vielen Dank für diesen konzentrierten Einblick in das Thema Ihrer Forschungsarbeit.