Konferenzwoche 2026: „Europa muss eigene Wege gehen“
03.03.2026 Save the West? Unter dieser Überschrift diskutierten FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Journalistin Ulrike Herrmann mit den 1500 Erstsemesterstudierenden über die Zukunft Europas. Beide wurden deutlich: Die Europäische Union steht sicherheitspolitisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich an einem Wendepunkt.
„Müsste die Welt nicht eigentlich vor dem Westen gerettet werden?“, fragte eine Studentin im Auditorium. Sie bezog sich dabei etwa auf den Konflikt in Venezuela.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann nahm den Faden auf: „Trump ist unter dem Label des ‚Drogenkriegs‘ dorthin gegangen und hat den Menschen das Gefühl gegeben, er wolle Herrn Maduro stürzen und sie retten. Das war die Hoffnung vieler Menschen in Venezuela. Das Ergebnis war jedoch ein völlig anderes. Trump hat dieses Land überfallen, um an die Ölvorkommen ranzukommen.“
Die Rolle des amerikanischen Präsidenten wurde in dem Gespräch mehrfach diskutiert. Strack-Zimmermann sprach etwa von einem „Zolltheater“. Sie schätzte die USA nicht mehr als zuverlässigen Handelspartner ein. „Europa muss eigene Wege gehen, neue Märkte erschließen und geschlossen auftreten“, plädierte sie.
Auch die Unterstützung der Ukraine wurde in diesem Zusammenhang diskutiert: „Putin hat nicht damit gerechnet, dass die europäischen Staaten – plus Norwegen und Großbritannien – die Ukraine unterstützen. Und zwar mit sehr viel Geld, mit Waffen, mit Munition, aber auch humanitär und wirtschaftlich, damit das System nicht kollabiert“, sagte Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
Sie stellte heraus, dass Europa – auch ohne vollständige amerikanische Rückendeckung – Verantwortung übernehme und seine Unterstützung aufrechterhalten werde.
Thema war in diesem Zusammenhang auch die hohe Verschuldung Deutschlands: „Inwiefern lässt sich ein Sondervermögen von bis zu 100 Milliarden Euro für Militärausgaben rechtfertigen, wenn man sich zuvor stark für die Schuldenbremse eingesetzt hat – die wiederum zu Einsparungen im Sozialen und bei der Infrastruktur geführt hat?“, fragte eine Studentin und traf einen Nerv: „Also jetzt haben wir – ich und Frau Strack-Zimmermann – endlich mal unterschiedliche Meinungen. Das müssen wir zelebrieren. Und natürlich können Sie sich denken, dass ich beim Thema Schuldenbremse völlig anderer Meinung bin“, sagte Ulrike Herrmann.
Zuvor hatte Strack-Zimmermann die Studierenden direkt angesprochen: „Diese Schulden, die aufgenommen werden – wir bezahlen sie nicht. Die bezahlt komplett Ihre Generation. Irgendwann kommt der Zahltag, auf Kosten dessen, wie Sie Ihr Leben gestalten wollen.“
Ulrike Herrmann konterte: „Rein volkswirtschaftlich kann man sehen, dass man Investitionen immer aus Schulden finanzieren muss, wenn die Wirtschaft laufen soll. Und es ist eben nicht richtig, nur zu sagen: Ja, Schulden, das müssen Sie dann in der nächsten Generation alles abbezahlen. Schulden sind, wenn man sie nutzt, um zu investieren, immer auch Vermögen.“
Bei allen Krisen und Schwierigkeiten sei es oberste Priorität die Demokratie zu retten: „Da richte ich mich wirklich an Sie als junge Menschen: 2029 wird die nächste Europawahl sein. Es wird eine große Rolle spielen, ob wir diesen rechten Block wieder reduzieren können. Wir müssen als Demokraten über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten, damit dieses größte Friedensprojekt der Welt nicht zerstört wird“, appellierte Marie-Agnes Strack-Zimmermann.
Bummel über den Gallery Walk
Überall im Hörsaalgang oder dem Forum des Zentralgebäudes haben Studierende Stände aufgebaut, informieren mit Plakaten und Aktionen, sprechen mit ihren Kommiliton*innen über soziale, wirtschaftliche oder ökologische Ungerechtigkeiten.
Auch vor dem Stand von Rebecca Flügge, Josephine Saleh, Milena Wigger, Felix Weileder und Sayna Ghasemi Hamed hat sich eine kleine Menschentraube gebildet. Die fünf Erstsemesterstudierenden bilden eine von 280 Projektgruppen, die beim Gallery Walk ihre Ergebnisse aus dem Leuphana-Semester vorstellen. Alle gut 1500 Erstsemester-Studierenden starteten im Oktober 2025 mit der Opening Week auf dem Campus projektorientiert in ihr Studium.
Während der Konferenzwoche präsentieren sie ihre Einsichten aus dem Modul „Transformation“ der Universität – und der ganzen Stadt. „Illumeri“ heißt das Projekt dieser Gruppe aus dem Seminar von Lea Jakob und setzt sich künstlerisch mit dem Klimawandel auseinander: „Gemeinsam mit anderen Studierenden haben wir eine audiovisuelle Performance geplant, die in Hamburg und an der Leuphana aufgeführt wurde“, erklärt Felix Weileider. Er studiert Kulturwissenschaften.
Rebecca Flügge dagegen ist für Rechtswissenschaften eingeschrieben: „Ein tolles Studienprogramm und in dieser Form einzigartig“, urteilt sie. An der Konferenzwoche gefällt ihr besonders die Interdisziplinarität: „Hier konnte ich mich mit Studierenden austauschen, die ich wohl sonst nicht kennengelernt hätte.“
Sayna Ghasemi Hamed studiert International Business Administration & Entrepreneurship: „Mir gefällt besonders, dass unsere Arbeit ein klares Ergebnis hat: Wir gestalten ein Konzert und setzen uns mit einem gesellschaftlich relevanten Thema auseinander. Das ist etwas Besonderes.“
Kulturwissenschaftsstudentin Milena Wigger deutet auf Leinwand und Farbschwämme, die ihre Gruppe am Stand aufgebaut hat: „Wir möchten über Kunst ins Gespräch kommen. Viele Menschen fühlen so etwas wie eine Klimaapathie.“ Eine musikalisch-emotionale Annäherung ist auch die Idee des Leuphana Concert Labs.
„Das Leuphana Semester mit dem Transformationsmodul, dem Methoden-Modul und dem Modul DataX hat uns gut auf unser weiteres Studium vorbereitet“, fasst Lehramtsstudentin Josephine Saleh zusammen, bevor sie beim Gallery Walk wieder mit interessierten Kolleg*innen ins Gespräch kommt.


