Offener Hörsaal: Köpfchen statt Kreuzworträtsel
31.03.2026 Rund 100 Vorlesungen stehen Gasthörenden an der Leuphana offen. Gaby und Peter Blume nehmen zum zweiten Mal teil. Spätentschlossene können sich noch bis zum 30. April 2026 anmelden.
©Dr. Marietta Hülsmann
Als sich Gaby Blume in der Vorlesung umdrehte, konnte die Überraschung kaum größer sein: Hinter ihr saß eine ehemalige Schülerin. „Sie hatte bei mir Religion – und nun sitzen wir gemeinsam in der Uni“, schmunzelt die pensionierte Lehrerin. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter Blume besucht sie im Gasthörendenprogramm„Offener Hörsaal“ Vorlesungen. „Hier sitzen wir mitten unter den Studierenden – genau das macht den Reiz aus. Es ist ein Jungbrunnen.“
Beide sind pensionierte Lehrer. Noch vor wenigen Jahren nahm Gaby Blume an ihrem Gymnasium Abiturprüfungen in Religion ab. Im vergangenen Semester besuchten sie gemeinsam eine Vorlesung zur Geschichte des Christentums – ein Gewinn für beide. „Ich bin ein Mathe-Knochen“, sagt der ehemalige Rektor Peter Blume augenzwinkernd. „Mit der Vorlesung konnte ich einige Lücken in Geschichte schließen.“
Dabei ist das Lernen nur eines von vielen Hobbys der beiden. Sie spielen Tennis, fahren Ski, gehen gern ins Musical und verbringen viel Zeit mit Familie und Freunden. „Viel Platz für anderes bleibt kaum“, sagt Gaby Blume lachend. „Umso praktischer ist es, dass wir im Vorlesungsverzeichnis gezielt nach Tag und Uhrzeit auswählen können.“ Die Anmeldung zum Offenen Hörsaal dauerte in diesem Jahr nur wenige Minuten.
Auch technisch sind beide auf dem neuesten Stand. Die Vorlesungsfolien erhalten sie digital, Notizen schreiben sie direkt auf dem Tablet. „Studierende haben uns gezeigt, wie das funktioniert“, erzählt Gaby Blume. Umgekehrt geben sie den Jüngeren Einblicke in ihren früheren Berufsalltag als Lehrer.
Neben der Religionswissenschaft besuchten sie auch eine Veranstaltung zur Alltagspsychologie. „Wir haben viel über Verkaufspsychologie gelernt, etwa das sogenannte Ankerwerfen, und Rollenspiele zum Thema Lügen gesehen“, berichten sie. Als Nächstes planen sie, eine Vorlesung zur Geschichte des Volkes Israels zu besuchen: „Der Nahe Osten ist täglich in den Nachrichten – da möchten wir die Hintergründe besser verstehen.“
Nach jeder Vorlesung lädt Peter Blume seine Frau zum Mittagessen ins Klippo ein. Dort treffen sie sich auch regelmäßig mit anderen Gasthörenden zum Stammtisch. Für beide steht fest: „Gerade im Alter sollte man den Kopf in Bewegung halten. Eine Vorlesung zu besuchen ist spannender als jedes Kreuzworträtsel.“
Das Gasthörprogramm „Offener Hörsaal“ steht allen Interessierten offen. Zugangsvoraussetzungen gibt es nicht – unabhängig von Alter, Bildungsweg oder beruflichem Hintergrund sind alle willkommen. Der Beitrag für bis zu vier Semesterwochenstunden (SWS) beträgt 125,00 Euro pro Semester. Wer mehr als vier SWS belegen möchte, zahlt 185,00 Euro.
Gasthörende besuchen Veranstaltungen aus dem regulären Lehrangebot der Bachelor- und Masterstudiengänge: „Es gibt an der Leuphana bewusst kein gesondertes Programm exklusiv für Gasthörende. Wir möchten die Möglichkeit bieten, Teil der akademischen Gemeinschaft zu werden und gemeinsam mit jungen Menschen zu lernen“, erklärt Nadine Theinert, die an der Leuphana Professional School für den „Offenen Hörsaal“ zuständig ist.
Die Gasthörenden nehmen damit unmittelbar am Campusleben teil. Ergänzend gibt es ein Begleitprogramm mit Campusführungen und einem zweiwöchigen Stammtisch.