Netzwerktreffen der deutschen Institutes for Advanced Study erstmals in Lüneburg

04.05.2026 Lüneburg. Am 27. und 28. April 2026 fand das halbjährliche Netzwerktreffen der deutschen Institutes for Advanced Study (IAS) erstmals an der Leuphana Universität Lüneburg statt. Vertreter*innen führender wissenschaftlicher Einrichtungen aus ganz Deutschland kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven der internationalen Spitzenforschung zu diskutieren. Gastgeber war das Leuphana Institute for Advanced Studies (LIAS) in Culture and Society.

©Dr. Christine Kramer
Die deutschen Institutes for Advanced Study – hier ihre Vertreter*innen vor dem Leuphana Zentralgebäude – bieten herausragenden Forschenden aus aller Welt befristete Freiräume für innovative und interdisziplinäre Forschung.

Das Treffen markiert einen wichtigen Meilenstein für das Netzwerk der IAS in Deutschland: Erstmals wurde die traditionsreiche Tagung in Lüneburg ausgerichtet und damit an einem Standort, der sich zunehmend als international sichtbarer Knotenpunkt interdisziplinärer Forschung etabliert. Dazu trägt das 2022 gegründete Leuphana Institute for Advanced Studies (LIAS) in Culture and Society mit seiner Grundlagenforschung wesentlich bei. Zweimal jährlich treffen sich die Mitgliedseinrichtungen des Netzwerks, um den Austausch zu intensivieren und gemeinsame Strategien weiterzuentwickeln.

Austausch über Zukunftsthemen der Wissenschaft

Im Zentrum des diesjährigen Treffens standen zentrale Fragen zur Zukunft des Wissenschaftssystems. Diskutiert wurden unter anderem der Einsatz Künstlicher Intelligenz im Wissenschaftsmanagement, das Verhältnis von Wissenschaft und Aktivismus sowie neue Formate der Wissenschaftskommunikation.

Den Auftakt bildete am Nachmittag des 27. April eine Diskussionsrunde zum Thema »Künstliche Intelligenz am IAS«. Im Fokus standen Strategien zwischen individueller Entlastung und institutioneller Verantwortung sowie die Frage, wie KI Verwaltungsprozesse und Aufgabenfelder der IAS verändert und neue Handlungsspielräume eröffnet. Da KI bislang nicht systematisch eingesetzt wird, wurde auch die Gefahr informeller „Dark Uses“ thematisiert. Ziel der Diskussion war es, Anwendungsfelder zu identifizieren, Herausforderungen zu klären und zugleich die Grenzen von KI zu benennen, die strukturelle Probleme nicht lösen kann.

Weitere Programmpunkte befassten sich mit der Rolle von Wissenschaftler*innen im gesellschaftlichen Diskurs. Im Spannungsfeld von Forschung und Aktivismus wurde betont, dass Wissenschaft zwar keinen Aktivismus betreiben, ihre Erkenntnisse jedoch verantwortungsvoll in öffentliche Debatten einbringen sollte. Für das IAS ergeben sich daraus Herausforderungen und Chancen zugleich: Der Austausch mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kann helfen, diese Balance zu wahren und neue Impulse für Forschung und Politikberatung zu setzen.

Die erste LIAS Lecture des Sommersemesters von Adam Sitze (Amherst College) mit dem Titel »Taboo as Vocation: Three Theses on Academic Freedom« griff am Abend grundlegende Fragen der Wissenschaftsfreiheit auf und wurde von allen als kritische Bereicherung zum richtigen Zeitpunkt aufgenommen.

Für die Wissenschaftskommunikation der Institute gab es innovative Anregungen, etwa zur teilweise automatisierten, datengetrieben Kommunikation entlang des Fellow-Zyklus sowie wichtige Erfahrungsberichte für die gezielte Ansprache der Zielgruppen. Eine starke institutionelle Verankerung sowie Kooperationsformate bis hin zu „Wissenschaftsfestivals“ sind erfolgsversprechend. 

IAS als Innovationsmotoren der Forschung

Die deutschen Institutes for Advanced Study haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als eigenständiger und dynamischer Institutionentyp im Wissenschaftssystem etabliert. Sie bieten herausragenden Forschenden aus aller Welt befristete Freiräume für innovative und interdisziplinäre Forschung. Durch ihre besondere Struktur ermöglichen IAS einen interdisziplinären Austausch und schaffen damit Voraussetzungen für neue Forschungsansätze und -kooperationen. In Deutschland existieren derzeit rund zwei Dutzend dieser Einrichtungen, die jährlich mehrere hundert internationale Fellows aufnehmen und so wesentlich zur Internationalisierung und Diversität der Forschungslandschaft beitragen.

Zugleich verstehen sich die IAS als flexible Akteure, die zügig auf gesellschaftliche und wissenschaftliche Entwicklungen reagieren können. Ihre vergleichsweise schlanken Strukturen erlauben es ihnen, neue Themen frühzeitig aufzugreifen und innovative Diskursräume zu eröffnen. Das Netzwerk setzt sich daher auch für eine stärkere Sichtbarkeit dieser Leistungen sowie für geeignete Rahmenbedingungen ein, um die Potenziale der IAS langfristig zu sichern.

Über das Leuphana Institute for Advanced Studies in Culture and Society (LIAS)

Das Leuphana Institute for Advanced Studies (LIAS) in Culture and Society wurde 2022 gegründet und ist ein Forschungsinstitut der Leuphana Universität Lüneburg, das die Internationalisierung und Profilbildung der universitären Forschung stärkt. Im Zentrum steht ein internationales Fellowprogramm, das interdisziplinäre Projekte in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften fördert. Das LIAS versteht sich als Ort des wissenschaftlichen Austauschs und der Entwicklung neuer Perspektiven auf gesellschaftliche Transformationsprozesse und globale Herausforderungen.

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  • Dr. Christine Kramer