Großzügigkeit, eine Utopie? Die Leuphana lädt zur fünften Utopie-Konferenz ein
Utopie-Konferenz vom 26. bis 28. August
20.08.2026 Lüneburg, 20. August 2026. Übersehen wir die demokratische Möglichkeit der Großzügigkeit? Der Marshall-Plan und Nelson Mandelas Versöhnungspolitik zeigen, welche politische Kraft Großzügigkeit entfalten kann. In Zeiten autoritärer Versuchungen widmet die Leuphana Universität Lüneburg dem Entgegenkommen drei Tage: Zur fünften Utopie-Konferenz „Großzügigkeit, eine Utopie?" kommen vom 26. bis 28. August rund 1.000 Studierende und Bürger:innen aus der ganzen Republik nach Lüneburg. Erstmals führt ein Utopie-Quartett durch die Konferenz: die Transformationsforscherin Maja Göpel, die Philosophin Barbara Bleisch, der Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt und der Soziologe Aladin El-Mafaalani.
©Sven Prien-Ribcke
Zum Auftakt tastet sich die Schriftstellerin Şeyda Kurt gemeinsam mit Maja Göpel und Barbara Bleisch an die Großzügigkeit heran. Die KI-Pionierin Léa Steinacker fragt nach den Spielräumen einer Ökonomie der Fülle. Die Tanzcompagnie Sasha Waltz & Guests bringt mit „In C" das Auditorium in Bewegung und lädt anschließend auf dem Campus zum Tanz-Workshop ein.
Konferenzleiter Sven Prien-Ribcke: „Großzügigkeit ist keine Frage des guten Charakters, sondern der Spielräume, die wir einander lassen. Wir fragen, wie weit das Entgegenkommen reicht, wenn die Verfeindungslust wächst, in und zwischen den Gesellschaften."
Wie weit, das verhandelt die große Debatte am Donnerstagnachmittag. Die Schriftstellerinnen Şeyda Kurt und Mithu Sanyal sprechen mit Maja Göpel und Aladin El-Mafaalani darüber, wie großzügig eine Gesellschaft sein kann, wenn es feindlich wird. Sanyal, in diesem Jahr mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet, legt im September ihr Buch „Nein. Gegen die Militarisierung der Gegenwart" vor.
Zu den Gästen gehören der Publizist Roger de Weck, die Zeitforscherin Teresa Bücker, die langjährige Digitalpolitikerin Anke Domscheit-Berg, der Schriftsteller Dietmar Dath, der Afrofuturist David Zabel und der Kabarettist Max Uthoff. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda sucht im Gespräch mit Maja Göpel und Aladin El-Mafaalani nach dem, was die Demokratie als Nächstes braucht. Universitätspräsident Sascha Spoun lotet mit dem Direktor des Futuriums Stefan Brandt aus, was Bildungshäuser möglich machen können.
In den Werkstätten erkunden die Konferenzteilnehmenden realutopische Ideen. Es geht um enkeltaugliche Finanzpolitik, digitale Gemeingüter, Eigenrechte der Natur oder eine Justiz, die Täter:innen und Opfer nicht auf die schlimmste Tat reduziert. Die Mediatorin Daniela Hirt bringt ihre Idee selbst mit: Schon heute organisiert sie Gesprächskreise in Gefängnissen. Ein eigenes Atelier lotet die Möglichkeit großzügiger Schulen aus: „Die Bildung der Bildung".
An zwei Abenden öffnet sich die Konferenz eigens für Lüneburg und die Metropolregion Hamburg. Am Mittwoch, 26. August, um 20 Uhr streiten im Libeskind-Auditorium die Ökonomin Philippa Sigl-Glöckner, Direktorin des Dezernat Zukunft, und der Ökonom Patrick Kaczmarczyk darüber, ob das Geld wirklich fehlt. Parallel versammelt der Journalist und Filmemacher Reinhard Kahl drei Schulleiter:innen, die bereits eine andere Schule erproben: Stefan Ruppaner von der Alemannenschule Wutöschingen, Bianca Freudenberg-Rehage von der Norddörfer Schule auf Sylt und Björn Lengwenus von der Stadtteilschule Alter Teichweg in Hamburg.
Am Donnerstag, 27. August, folgt ab 18 Uhr die „Lange Nacht der Utopien“. Zwischen Zeltdächern, mobilen Bühnen und Lagerfeuern geht es um die Praxis des Entgegenkommens: Wo wächst Großzügigkeit? Die Polizeipräsidentin aus Münster Alexandra Dorndorf ist ebenso da wie der Inklusions-Aktivist Raúl Krauthausen, die Autorin Alice Hasters oder der Neurodiversitätsforscher André Frank Zimpel, der Hub-Gründer Manouchehr Shamsrizi und der Content-Creator Fabian Grischkat. Aus Wien reist Marlene Engelhorn an, die einen großen Teil ihres geerbten Vermögens durch einen ausgelosten Bürger:innenrat verteilen ließ. Sie trifft auf Uwe Heuser, den Weltwirtschaftskorrespondenten der ZEIT. Cornelia Funke, die Erfinderin der Tintenwelt, schaltet sich live in die Lange Nacht dazu. Maren Kling & Band und G'emma übernehmen die Musik, ab 22 Uhr legt DJ Alma Linda auf.
Willkommen sind alle Interessierten – unabhängig davon, ob sie schon einmal auf einem Universitätscampus unterwegs waren. Die Gesamtkonferenz ist nahezu ausverkauft; wenige Utopie-Tickets für alle drei Tage sind noch erhältlich. Gut zu erreichen bleiben die beiden Abende: Karten für den Auftakt am Mittwochabend und die „Lange Nacht der Utopien“ am Donnerstag gibt es im Vorverkauf und an der Abendkasse: www.leuphana.de/utopie