Täter*innen werden immer kreativer, also muss es die Wirtschaftsforensik auch werden

27.02.2026 Wirecard, Cum-Ex und Dieselgate – Was haben diese Fälle gemeinsam? Sie gehören zu den prominentesten Wirtschaftskriminalfällen in Deutschland und hatten weitreichende gesellschaftliche Folgen. Wirtschaftskriminalität ist im digitalen Zeitalter komplexer denn je. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, braucht es Expert*innen, die an der Schnittstelle von Wirtschaft, Recht und IT-Forensik agieren. Genau hier setzen die Leuphana Professional School und die Hochschule Mittweida mit einem neuen MBA Wirtschaftsforensik ab dem Sommersemester 2027 an.

©Leuphana/Schwalbach
Ulrich Pietsch, Kanzler der Hochschule Mittweida, und Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident für Professional School, Internationalisierung, Entrepreneurship und Transfer an der Leuphana Universität Lüneburg, bei der Unterschrift des Kooperationsvertrags

Der Wirecard-Skandal kostete viele Menschen sehr viel Geld. Am schwersten hat es Privatanleger getroffen, die teilweise ihr gesamtes Erspartes in das deutsche “Wunderkind” der Digitalwirtschaft investiert und verloren haben. Der Finanzplatz Deutschland erlitt einen schweren Reputationsschaden, Gesetze wurden daraufhin verschärft und eine Reform der Finanzaufsicht BaFin angestoßen.

Cum-Ex hingegen ist kein Einzelfall eines Unternehmens, sondern ein systematischer Raubzug durch Banken, Aktienhändler und Anwälte auf die Staatskasse. Der Sachverhalt wurde zwar durch deutsche Staatsanwaltschaften aufgearbeitet und Täter verurteilt; Kritiker halten jedoch die Mehrheit der Fälle weiterhin für nicht aufgeklärt und sehen die systematische Plünderung des Staatshaushalts durch Cum-Ex und vergleichbare Mechanismen als noch nicht beendet. 

Im Gegensatz zu Wirecard ist Volkswagen heute weiterhin am Markt; der Konzern hat jedoch radikal umgesteuert – unter anderem mit Blick auf den Ausbau und die Professionalisierung seiner Compliance-Strukturen bis hin zur Schaffung der Position des Group Chief Compliance Officers.

Nun ist natürlich nicht jede wirtschaftskriminelle Handlung in dieser Größenordnung anzusiedeln, aber der Schaden, den diese Art der Kriminalität anrichtet, bleibt in Summe enorm – wie nicht zuletzt das jährlich veröffentlichte Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität des Bundeskriminalamts (BKA) zeigt. Und oft fehlt es an qualifiziertem Personal, um diese Fälle zeitnah aufdecken und aufklären zu können. 

Der neue berufsbegleitende MBA Wirtschaftsforensik entsteht deshalb an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft, Recht und IT-Forensik. „Mit dem gemeinsamen MBA Wirtschaftsforensik bündeln wir die wirtschaftswissenschaftliche Weiterbildungsexpertise der Leuphana mit der forensischen Fachkompetenz der Hochschule Mittweida und schaffen ein interdisziplinäres Weiterbildungsangebot mit hoher Praxisrelevanz“, sagt Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident für Professional School, Internationalisierung, Entrepreneurship und Transfer an der Leuphana Universität Lüneburg.

„Der Studiengang reagiert auf den wachsenden Bedarf an Fachkräften, die in einem zunehmend regulierten und digitalisierten Umfeld wirtschaftskriminelle Risiken erkennen und steuern können“, betont Prof. Dr. Matthias Heckel, Wirtschaftsforensiker mit über 15 Jahren Berufserfahrung und Professor für Digitale und Allgemeine Forensik an der Hochschule Mittweida.

Einen kleinen Vorgeschmack zur inhaltlichen Ausgestaltung liefert Prof. Dr. Dirk Labudde, Leiter der Fachgruppe Forensik an der Hochschule Mittweida: „Ein zentrales Element des Studiengangs wird der Umgang mit Künstlicher Intelligenz sein, deren zunehmende Bedeutung sowohl bei der Begehung wirtschaftskrimineller Handlungen als auch bei deren Aufdeckung und Aufklärung kaum zu überschätzen ist“.

Der entsprechende Kooperationsvertrag zwischen der Leuphana Universität Lüneburg und der Hochschule Mittweida wurde vergangene Woche von Ulrich Pietsch, Kanzler der Hochschule Mittweida sowie Markus Reihlen unterschrieben. Außerdem anwesend waren Prof. Dr. Matthias Heckel, Prof. Dr. Dirk Labudde,Christof Schmidt und Maria Schloßstein (Geschäftsführung der Leuphana Professional School) sowie Elske Ruge (Leuphana Universität), die an der inhaltlichen Ausgestaltung des Studiengangs mitwirken werden. 

Die Kooperationspartner der Leuphana Universität Lüneburg und der Hochschule Mittweida im Gespräch
MBA Wirtschaftsforensik
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Die Anwesenden v.l.n.r.: Ulrich Pietsch, Maria Schloßstein, Markus Reihlen, Dirk Labudde, Matthias Heckel, Elske Ruge, Christof Schmitt
MBA Wirtschaftsforensik
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Kontakt

  • Maria Schloßstein, M.A.