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Helmut-Schmidt-Zukunftsfestival: „Hoffnung anziehen“

17.06.2026 Gemeinsam mit der Wochenzeitung DIE ZEIT und der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung lud die Leuphana Universität Lüneburg zum Austausch an die Leuphana ein. Junge Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen zusammen, um konkrete gesellschaftliche Veränderungsideen zu diskutieren. ZEIT-Journalist Uwe Heuser sprach bei der Eröffnung mit der Ärztin und Politikwissenschaftlerin Gilda Sahebi.

©Adrian Hirt
©Adrian Hirt
©Adrian Hirt

Luisa von Festenberg-Pakisch verschiebt ihre Mittagspause: „Ich habe noch eine Frage an Gilda Sahebi“, erklärt die Psychologie-Studentin und Gründerin aus Rosenheim. Das Young Forum aus München hatte sie ermutigt, sich beim Helmut-Schmidt-Festival zu bewerben und eine von rund 100 Zukunftsdenker*innen zu werden. „Beim Helmut-Schmidt-Festival kommen engagierte junge Menschen mit vielfältigen Hintergründen zusammen. Ich habe bereits viele spannende Kontakte geknüpft.“ Luisa von Festenberg-Pakisch ist Trainerin für Positive Psychologie und macht sich unter anderem für Inklusion und Mentoring stark. „Gilda Sahebi hat mich darin bestärkt, innere Barrieren abzulegen und an eigenen Themen zu arbeiten. Mit mehr Selbstsicherheit kann ich wirkungsvoller die Positive Psychologie in die Welt bringen“, erläutert sie.

Unter dem Titel „WILDE ZUKUNFT“ beschäftigt sich das Festival mit der Frage, welche Zukunft wir eigentlich wollen und welches Potenzial entsteht, wenn vertraute Grenzen zwischen Ideen überschritten werden. Dabei versteht sich die Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung ausdrücklich nicht als Bewahrerin eines politischen Vermächtnisses, sondern als Impulsgeberin für aktuelle Debatten wie bei dem Festival, das besonders engagierte junge Menschen zusammenbringt. Meik Woyke von der Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung über den Namensgeber: „Ich bin überzeugt, dass er die richtigen Fragen gestellt hat für das 21. Jahrhundert. Aber es wäre zu viel verlangt gewesen von ihm, schon alle Antworten zu kennen.“ 

Gilda Sahebi eröffnete in diesem Jahr das Festival. Die Ärztin und Journalistin berichtete von der Situation in ihrer Heimat Iran und zitierte eine Freundin: „Weißt du, wenn ich jeden Morgen aus dem Haus gehe, muss ich mir Hoffnung anziehen, so wie ich mir Schuhe und Jacke anziehe. Sonst überstehe ich diesen Tag nicht.“

Gilda Sahebi floh im Alter von drei Jahren aus dem Iran. Ihr Vater wurde politisch verfolgt. Mit dieser Biografie blickt sie auf Deutschland. Sie warnte davor, gesellschaftliche Probleme entlang kultureller oder ethnischer Grenzen zu erklären und bezog sich damit auch auf die zunehmende Polarisierung westlicher Gesellschaften. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der man glaubt, man könne den Schatten füttern und das Licht würde größer. Das wird nicht passieren“, sagte sie. Stattdessen müsse man sich stärker auf gemeinsame Interessen konzentrieren.

Bei einer Fishbowl-Diskussion kam Gilda Sahebi mit den Teilnehmenden ins Gespräch. Dabei berichtete Leuphana-Studentin Jarmila Binia von dem studentischen Kunstprojekt „Boxkampf für Nachhaltigkeit“, das im Rahmen des Komplementärstudiums entstand. Mit einem großen Pappherz suchte das Projektteam das Gespräch mit Menschen in der Lüneburger Innenstadt – bewusst auch mit Personen, die andere politische Ansichten vertreten. „Wir wollten unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und einen offenen Austausch ermöglichen“, erklärte die Umweltwissenschaftsstudentin. Sahebi würdigte diesen Ansatz und betonte die Bedeutung persönlicher Begegnungen. Gleichzeitig warnte sie davor, Offenheit mit Gleichgültigkeit zu verwechseln. Demokratie brauche Engagement und Emotionen.

„Wer gerade nicht wütend ist, hat nicht aufgepasst“, sagte sie unter Applaus der Zuhörenden. Angesichts wachsender Ungleichheit und demokratischer Herausforderungen seien gesellschaftliche Beteiligung und politischer Druck notwendig.

Drei Tage lang diskutierten und entwickelten die Teilnehmenden Ideen im Austausch mit Sozialunternehmerin Lisa Jaspers, Greenpeace-Sprecherin Baro Gabbert, News-Influencer Fabian Grischkat, ZEIT-Autorin Yasmine M'Barek, Unternehmer Fried Graf von Bernstorff, Physiker Marco Wehr sowie Illustratorin Sarah Heuzeroth. Auch Leuphana-Präsident Sascha Spoun nahm sich Zeit und kam mit den Teilnehmenden ins Gespräch. 

Ein Höhepunkt des Festivals ist die Verleihung des Helmut-Schmidt-Zukunftspreises im Hamburger Thalia Theater. Ausgezeichnet wird in diesem Jahr Florence Gaub. Die Leiterin der Forschungsabteilung des NATO Defense College in Rom tauscht sich bereits zuvor mit den Festivalteilnehmenden über gesellschaftliche und geopolitische Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte aus. Die Ideen der jungen Zukunftsgestalter*innen werden Teil des Abends.