Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Florian Unger – Global abgehängt

23.02.2026 Globalisierung ist längst kein rein ökonomisches Projekt mehr, sondern ein politisches Konfliktfeld. Prof. Dr. Florian Unger ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik. In seiner Forschung untersucht er, wie Globalisierung, internationaler Handel und technischer Wandel Ungleichheit, Marktmacht, Lieferketten sowie wirtschaftliche und politische Stabilität beeinflussen.

©Leuphana/Tengo Tabatadze
„Globalisierung ist nicht per se gut oder schlecht. Sie schafft Gewinner – aber auch Verlierer. Die große Aufgabe besteht darin, beides ernst zu nehmen und politisch darauf zu reagieren", sagt Prof. Dr. Florian Unger.

Handelskonflikte, geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten und politische Gegenbewegungen wie der Brexit oder die „America-First“-Politik in den USA zeigen: Die Idee einer regelbasierten, multilateralen Weltwirtschaft gerät zunehmend unter Druck. Florian Unger widmet seine Forschung der Interaktion von Finanzmärkten mit internationalem Handel und daraus entstehenden Ungleichheiten. Bereits während seiner Promotion analysierte er die Auswirkungen globaler Finanzkrisen auf internationalen Handel: „Seitdem beschäftigt mich die Frage, wie wirtschaftliche Schocks entstehen“, sagt er. 

Die Globalisierung ist dabei zentral: Wer profitiert, wer fällt zurück? Heute rücken Verteilungsfragen stärker in den Fokus: „Ja, der Kuchen ist größer geworden, aber nicht alle bekommen ein gleich großes Stück“, erklärt Florian Unger. Empirische Analysen zeigen, dass Handelsgewinne häufig sehr ungleich verteilt sind – zwischen Ländern, aber auch innerhalb von Gesellschaften. Besonders profitieren oft große, hochproduktive Unternehmen, während kleinere Firmen und damit auch deren Mitarbeitende unter Wettbewerbsdruck geraten. Der Forscher erläutert: „Diese Ungleichheit bedeutet Einkommensverluste, kann aber auch das Gefühl von Unsicherheit und Abstiegsangst fördern. Damit ist Wirtschaft auch immer politisch.“

Ein zweiter Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der wachsenden Marktmacht großer Unternehmen. In vielen Branchen dominieren wenige Firmen einen Großteil des internationalen Handels. Die Konzentration nehme eher zu als ab. „Diese Unternehmen können ihre Marktmacht nicht nur auf Gütermärkten, sondern auch auf Arbeits- und Kapitalmärkten ausspielen“, erläutert Florian Unger.

Für Beschäftigte bedeutet das: Wer bei einem erfolgreichen Exporteur arbeitet, hat oft bessere Lohn- und Einkommenschancen. Wer hingegen in weniger wettbewerbsfähigen Unternehmen tätig ist, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Globalisierung wirkt damit wie ein Verstärker bestehender Unterschiede. Diese Verteilungskämpfe sind aus Sicht Florian Ungers zentral, um politische Umbrüche zu verstehen. Ob Brexit oder protektionistische Bewegungen in den USA: Häufig spielten wirtschaftliche Unsicherheit und das Gefühl, zu den Verlierern der Globalisierung zu gehören, eine entscheidende Rolle. „Es reicht oft schon die Angst vor Verlusten, um politische Entscheidungen zu beeinflussen“, erklärt er.

Florian Unger ist derzeit als Kooperationspartner an einem DFG-Projekt zu „Faktormarktverzerrungen, Internationalem Handel und gesamtwirtschaftlicher Wohlfahrt“ (bis 2027) beteiligt. Das Projekt untersucht den Zusammenhang zwischen Handelsgewinnen, Unternehmenswettbewerb und Einkommensverteilung, mit besonderem Fokus auf Effekten, die durch Unterschiede bei Lohnzahlungen auf Arbeitsmärkten und im Zugang zu Finanzmärkten entstehen.  

Zudem ist Florian Unger als Projektleiter an einer neuen Forschergruppe „Internationale Arbeitsteilung: Neue Herausforderungen für Arbeitnehmer Unternehmen und politische Entscheidungsträger“ beteiligt. Die ab diesem Jahr durch die DFG geförderte Gruppe vereint Forscher*innen an den Standorten München, Bayreuth, Göttingen sowie Lüneburg. Ziel des vierjährigen Forschungsvorhabens ist es, neue Formen des internationalen Handels zu untersuchen, Gewinner und Verlierer der Globalisierung zu identifizieren, und die daraus resultierenden Implikationen für Wirtschaftspolitik abzuleiten.

Gerade die Verbindung von ökonomischer Analyse und gesellschaftlicher Debatte sind für Florian Unger entscheidend: „Globalisierung ist nicht per se gut oder schlecht. Sie schafft Gewinner – aber auch Verlierer. Die große Aufgabe besteht darin, beides ernst zu nehmen und politisch darauf zu reagieren.“

Und warum hat er sich gerade für die Leuphana entschieden? Florian Unger kannte die Universität Lüneburg bereits durch eine Verwaltungsprofessur: Neben guten Forschungsbedingungen überzeugt ihn vor allem das interdisziplinäre Studienmodell. „Die Studierenden kommen aus sehr unterschiedlichen Fachrichtungen. Das führt zu spannenden Diskussionen über Globalisierung, Handel und Nachhaltigkeit.“

Florian Unger studierte ab 2007 Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er später promovierte und als Postdoktorand forschte. 2019 wurde er als Juniorprofessor für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Internationaler Handel an die Georg-August-Universität Göttingen berufen. 2023 übernahm er die Verwaltungsprofessur für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Empirische Makroökonomik an der Leuphana Universität Lüneburg. Seit dem Wintersemester 25/26 ist er dort Professor für VWL, insbesondere Makroökonomik. 

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