Zukunftsdialog im Rathaus

Hansestadt und Leuphana im Gespräch über Nachhaltigkeitstransformation

09.03.2026 Beim Zukunftsdialog der Hansestadt Lüneburg und der Leuphana Universität diskutierten Vertreter*innen aus Stadtverwaltung und Wissenschaft über aktuelle Herausforderungen der Nachhaltigkeitstransformation und Perspektiven für die Region – und darüber, wie Stadt und Universität diese gemeinsam gestalten können.

©Leuphana/Tengo Tabatadze
Erster Stadtrat und Dezernent für Nachhaltigkeit, Sicherheit und Recht Markus Moßmann, Prodekanin der Fakultät Nachhaltigkeit Prof. Dr. Sylvia Haider, Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch, Leuphana Präsident Sascha Spoun, Professur für Öffentliches Recht, insb. Energie- und Umweltrecht Prof. Dr. Thomas Schomerus, Professor für Nachhaltigkeitsmanagement sowie Gründer und Leiter des weltweit ersten MBA Sustainability Management Prof. Dr. Stefan Schaltegger (v.l.n.r.)

Es war ein besonderer Ort für ein besonderes Ereignis: im historischen Huldigungssaal des Lüneburger Rathauses luden die Hansestadt Lüneburg und die Leuphana Universität erstmals zu einem gemeinsamen Zukunftsdialog ein. Anlass war das 15-jährige Bestehen der Fakultät Nachhaltigkeit. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Austausch zwischen Wissenschaft und Stadt zu aktuellen Fragen der Nachhaltigkeitstransformation. Eingeladen waren Vertreter*innen aus Universität, Stadtverwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. 

Zum Auftakt begrüßten Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch, Universitätspräsident Sascha Spoun und Prof. Dr. Sylvia Haider, Prodekanin der Fakultät Nachhaltigkeit, die Gäste. Kalisch betonte die besondere Verbindung zwischen Stadt und Universität. „Wir sind Universitätsstadt – und haben damit wissenschaftliche Beratung direkt vor Ort“, sagte sie. Gerade bei Themen wie Klimaschutz, Mobilität oder Stadtentwicklung könne die Stadt von der Expertise der Universität profitieren, während gleichzeitig Forschungsergebnisse unmittelbar in der Praxis erprobt würden.

Spoun erinnerte daran, dass mit der Fakultät für Nachhaltigkeit an der Leuphana die erste Fakultät dieser Art in Deutschland entstanden sei. Ihre Gründung sei Teil einer strategischen Neuausrichtung der Universität gewesen und habe maßgeblich zur positiven Entwicklung der vergangenen Jahre beigetragen. Dies zeige sich unter anderem an konstant hohen Studienzahlen und renommierten Forscher*innen aus dem In- und Ausland. „Wir werden für dieses Thema erkannt“, sagte Spoun.  Zugleich würdigte er die konstruktive Zusammenarbeit mit der Hansestadt und betonte, wie wichtig auch künftig verlässliche Entwicklungsperspektiven für die Universität seien – wovon Stadt und Region profitieren würden.

Die Relevanz von Kooperation und Transdisziplinarität unterstrich Prof. Dr. Sylvia Haider: „Nachhaltigkeit ist kein abstraktes Forschungsfeld, das nur in Hörsälen oder in Laboren bearbeitet wird, sondern eine gemeinsame Gestaltungsaufgabe von Staat und Wissenschaft und natürlich von Akteur*innen aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Wir möchten Transformation gemeinsam gestalten“, sagte die Professorin für Ökologie und Prodekanin an der Fakultät Nachhaltigkeit. Sie nannte beispielhaft die Beteiligung der Fakultät am universitätsweiten Programm „Embracing Transformation“, das sich den großen Transformationsprozessen der Gegenwart widmet. Das Vorhaben untersucht unter anderem, wie wirtschaftliche Akteur*innen Verantwortung übernehmen können, wie demokratische Institutionen in Zeiten großer Umbrüche handlungsfähig bleiben und wie gesellschaftliche Entwicklung innerhalb ökologischer Grenzen gestaltet werden können.

(Bildzeile unten: Claudia Kalisch und Sascha Spoun; Sylvia Haider, Claudia Kalisch und Stefan Schaltegger; Markus Moßmann und Thomas Schomerus; v.l.n.r.) 

©Leuphana/Tengo Tabatadze
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Unter der Überschrift „Perspektiven der städtischen Nachhaltigkeitspolitik und der Nachhaltigkeitsforschung“ diskutierten anschließend die Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und Stefan Schaltegger, Professor für Nachhaltigkeitsmanagement sowie Gründer und Leiter des weltweit ersten MBA Sustainability Management, über die Rolle von Kommunen und Universitäten bei der Gestaltung nachhaltiger Entwicklung und die Bedeutung enger Kooperationen zwischen Stadt und Universität. Kalisch verwies auf verschiedene Formate der Zusammenarbeit zwischen Stadt, Wissenschaft und weiteren Akteur*innen der Region, wie etwa das Projekt „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“. Stefan Schaltegger hob hervor, dass Nachhaltigkeit von Anfang an als interdisziplinäre Herausforderung verstanden wurde.  Wie solche Ansätze auch in der Praxis umgesetzt werden, zeigt etwa das „Innovationsnetzwerk Zukunftsfaktor Nachhaltigkeit“, ein gemeinsames Projekt der Leuphana und der Wirtschaftsförderung Lüneburg. Im Rahmen einer Workshopreihe zum Nachhaltigkeitsmanagement tauschen sich Teilnehmende dort aus und identifizieren beispielsweise Nachhaltigkeitspotenziale im eigenen Unternehmen. „Umweltprobleme sind in einer Verwebung mit sozialen und wirtschaftlichen Prozessen so komplex, dass man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachten muss, um wertstiftende Lösungen zu entwickeln“, fasste Stefan Schaltegger zusammen.

Im zweiten Dialog stand die kommunale Wärmewende und nachhaltige Stadtentwicklung im Mittelpunkt. Markus Moßmann, Erster Stadtrat und Dezernent für Nachhaltigkeit, Sicherheit und Recht, und Prof. Dr. Thomas Schomerus, Professur für Öffentliches Recht, insb. Energie- und Umweltrecht, diskutierten Herausforderungen und Rahmenbedingungen der Energiewende auf kommunaler Ebene. Deutlich wurde dabei, dass die Transformation nicht nur eine technische, sondern auch eine rechtliche und administrative Aufgabe ist. Als Beispiel für gelungene Kooperation verwiesen beide auf das jährliche Energieforum an der Leuphana, bei dem Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft über aktuelle Fragen der Energiewende diskutieren. „Viele Bürger*innen sind bei uns regelmäßig zu Gast wie auch regionale Unternehmen“, führt Thomas Schomerus aus. Das nächste Energieforum findet am 15. September 2026 statt.

Beim anschließenden Empfang setzten die Gäste den Austausch fort – ganz im Sinne des Zukunftsdialogs, der Wissenschaft, Stadt und regionale Akteur*innen miteinander ins Gespräch bringt.

©Leuphana/Tengo Tabatadze
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