Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Anne Wöhrmann – Gute Arbeit ein Leben lang

11.05.2026 Ihr beruflicher Weg führte sie von der Promotion an der Leuphana zur Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, wo sie jetzt eine leitende wissenschaftliche Position in Berlin übernommen hat. Nun wurde Anne Wöhrmann zur außerplanmäßigen Professorin für Psychologie, insbesondere Arbeit und Gesundheit an der Leuphana berufen.

©Iris Friedrich Photography
„Jüngere und ältere Beschäftigte haben teilweise unterschiedliche Bedürfnisse. Gute Arbeitsgestaltung sollte beide gleichermaßen berücksichtigen", sagt Prof. Dr. Anne Wöhrmann.

Laut statistischem Bundesamt arbeiten derzeit etwa 1,3 Millionen Menschen im Ruhestand weiter. Die Gründe sind vielfältig: „Menschen erfahren Wertschätzung, soziale Kontakte bleiben erhalten, Arbeit strukturiert den Alltag und gibt Sinn. Auch finanzielle Aspekte spielen eine Rolle“, erklärt Anne Wöhrmann. 

Bereits in ihrer Promotion beschäftigte sie sich mit diesem Thema: „Mich hat interessiert, warum Menschen auch nach dem Ruhestand weiterarbeiten möchten und unter welchen Bedingungen das gelingt“, erklärt sie. Grundlage ihrer Forschung war die sozialkognitive Laufbahntheorie, die bislang vor allem genutzt wurde, um Studien- oder Karriereentscheidungen vorherzusagen. Sie übertrug diese Theorie erstmals auf die Laufbahnplanung für den Ruhestand.

Gleichzeitig flossen ihre Ergebnisse in die Entwicklung des „Later Life Workplace Index“ (LLWI) ein, der im wissenschaftlichen Team von Prof. Dr. Jürgen Deller entstand. Dieses Instrument hilft Unternehmen, ihre Arbeitsbedingungen systematisch daraufhin zu überprüfen, ob sie gut aufgestellt sind, ältere Beschäftigte langfristig im Arbeitsleben halten zu können. Dabei werden Faktoren wie Führung, Arbeitsklima, Gesundheitsmanagement, Wissensmanagement oder Weiterbildungsmöglichkeiten berücksichtigt.

„Der Index ist für Unternehmen eine Bestandsaufnahme“, sagt die Wissenschaftlerin. „Er zeigt, wo sie bereits gut aufgestellt sind und wo Handlungsbedarf besteht.“ Angesichts des demografischen Wandels gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, dass große Teile ihrer Belegschaft in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen.
Nach Abschluss der Promotion wechselte sie 2013 zur Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Dort baute sie die Forschung zum Thema Arbeitszeit mit auf und leitete unter anderem die BAuA-Arbeitszeitbefragung, eine große Beschäftigtenstudie, die seit 2015 im Zweijahresrhythmus durchgeführt wird. Außerdem verantwortete sie Projekte zu flexiblem Arbeiten und mobilem Arbeiten – teilweise bereits vor der Corona-Pandemie.
Parallel dazu setzte sie ihre Forschung zu älteren Beschäftigten fort und habilitierte sich schließlich mit Arbeiten zur Gestaltung von Arbeitsbedingungen im späteren Erwerbsleben.
Neben ihrer Forschung engagiert sie sich auch in der Praxis. Seit mehreren Jahren ist sie Vorstandsmitglied der deutschsprachigen Arbeitszeitgesellschaft, die Wissenschaft und betriebliche Praxis miteinander vernetzt.
Nach rund zehn Jahren in Dortmund wechselte sie zur BAuA nach Berlin. Dort übernahm sie die wissenschaftliche Leitung eines Fachbereichs mit rund 80 Mitarbeitenden und mehr als 20 Forschungsprojekten. Neben Leitungsaufgaben bleibt sie weiterhin in Forschungsprojekten aktiv, unter anderem im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit, wo sie das Thema „Arbeit und psychische Gesundheit“ mit vorantreibt.
Trotz ihrer Tätigkeit in Berlin bleibt die Verbindung zur Leuphana eng. Bereits seit ihrer Habilitation lehrt sie dort regelmäßig als Privatdozentin. Mit der nun verliehenen außerplanmäßigen Professur wird dieses Engagement gewürdigt.
In ihrer Lehre beschäftigt sie sich unter anderem mit Personalpsychologie, empirischer Forschung sowie mit der Gestaltung von Arbeit im Lebensverlauf. Besonders wichtig ist ihr dabei der Blick auf unterschiedliche Lebensphasen: „Jüngere und ältere Beschäftigte haben teilweise unterschiedliche Bedürfnisse. Gute Arbeitsgestaltung sollte beide gleichermaßen berücksichtigen.“

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  • Prof. Dr. Anne Marit Wöhrmann