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Neu an der Leuphana: Prof. Dr. Julia Grauvogel – Nachhaltiges Konfliktmanagement

05.09.2026 Wie lassen sich bewaffnete Konflikte eindämmen? Wann sind Sanktionen erfolgreich? Warum enden internationale Friedensmissionen? Mit ihrer Forschung trägt die Professorin für Globale Interventionen und Konflikte zur Debatte um Friedenssicherung bei. Sie lehrt und forscht am Institut für Politikwissenschaften und ist zudem Lead Research Fellow am Deutschen Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) in Hamburg.

©Phillip Bachmann
"Klar ist also: UN-Friedensmissionen, Sanktionen und andere Interventionen haben immer Folgen über ihr Ende hinaus. Wie diese Mechanismen aber funktionieren, verstehen wir bisher noch zu wenig“, sagt Prof. Dr. Julia Grauvogel.

Burundi, 1990er Jahre. Ein blutiger Bürgerkrieg erschüttert den ostafrikanischen Binnenstaat. Mehr als 300.000 Menschen sterben, Hunderttausende fliehen. Nach einem Militärputsch verhängen die Staaten der Region Tansania, Kenia, Uganda, Ruanda, das damalige Zaire, Sambia und Äthiopien nahezu vollständige Wirtschaftssanktionen gegen Burundi. Zudem vermittelte Nelson Mandela unterstützt von der UN. Gemeinsames Ziel: die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Für die Politikwissenschaftlerin Julia Grauvogel ist Burundi sowohl Beispiel für zumindest teilweise erfolgreiche Sanktionen als auch Ausdruck der Vielschichtigkeit von friedensfördernden Maßnahmen: Nicht nur Sanktionen, auch politischer Druck und in anderen Fällen sogar militärische Interventionen gehören dazu.  

Für ihre Forschung in Burundi führte Julia Grauvogel unter anderem Interviews mit damaligen politischen Entscheidungsträgern wie mit dem Präsidenten, der sich an die Macht geputscht hatte sowie anderen zentralen Akteuren in Politik und Wirtschaft.

Für den Erfolg von Sanktionen gibt es viele Gründe, etwa die geografische Lage von Burundi als Binnenstaat, erklärt sie: Als Kaffee-Exporteur war das Land auf Verkehrswege durch die Nachbarländer angewiesen. Aber auch Lebensnotwendiges wie Düngemittel konnte damals kaum noch nach Burundi transportiert werden: „Die Sanktionen hatten erhebliche wirtschaftliche Folgen und wegen ihrer humanitären Auswirkungen gab es schnell zahlreiche Ausnahmen“, berichtet Julia Grauvogel. 

Doch auch nach der Lockerung blieb das politische Signal nicht ungehört: Die Nachbarländer akzeptierten die burundische Putsch-Regierung nicht. Tatsächlich hatten die Sanktionen Erfolg: 2000 unterzeichneten die Konfliktparteien schließlich das Arusha Peace and Reconciliation Agreement.

Russland dagegen sei weitaus schwieriger zu sanktionieren als Burundi – allein wegen seiner Größe und der militärischen Aufstellung mit Atomwaffen: „Das politische Signal durch die Sanktionen ist dennoch deutlich und zugleich glaubwürdig, gerade weil viele sanktionierende Länder eigene Kosten in Kauf nehmen“, ordnet Julia Grauvogel ein.

Eine zentrale Erkenntnis ihrer Forschung lautet: Internationale Interventionen brauchen von Beginn an einen klaren Ausstiegsplan – gleich ob es sich um Sanktionen, Blauhelm-Einsätze oder das Senden bewaffneter Truppen handelt: „Auf Krisen muss schnell reagiert werden, dennoch sollten klare Kriterien und Meilensteine festgelegt werden. Interventionen werden dadurch verkürzt und die Erfolgsaussichten der Maßnahmen erhöht“, erklärt Julia Grauvogel.

In einem neuen, auf fünf Jahre angelegten Forschungsprojekt untersucht sie gemeinsam mit ihrem Team, wie Sanktionen, Friedensmissionen und andere Formen internationalen Konfliktmanagements beendet werden – und welche langfristigen Folgen bleiben: „Mali zeigt, dass externe Interventionen nicht mit dem physischen Abzug enden. Klar ist also: UN-Friedensmissionen, Sanktionen und andere Interventionen haben immer Folgen über ihr Ende hinaus. Wie diese Mechanismen aber funktionieren, verstehen wir bisher noch zu wenig.“

Julia Grauvogel promovierte an der Universität Hamburg zu politischen Wirkungen internationaler Sanktionen in Subsahara-Afrika. Seit 2012 ist sie als Wissenschaftlerin am GIGA Institut für Afrika-Studien tätig. Von 2018 bis 2022 war sie Herausgeberin der Fachzeitschrift „Africa Spectrum“ und leitete von 2018 bis 2024 zwei von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekte zur Beendigung Internationaler Sanktionen. Von 2016 bis 2018 arbeitete sie im vom Leibniz-Wettbewerb geförderten Projekt „International Diffusion and Cooperation of Authoritarian Regimes – IDCAR-Network“. 2026 wurde sie als Professorin für Globale Interventionen und Konflikte an die Leuphana Universität Lüneburg berufen.