Offener Unterricht: neue Perspektiven für ein verändertes Lernen
12.08.2026 Kinder, die selbstorganisiert lernen, Erwachsene, die Verantwortung teilen und ein Team, das das Klassenzimmer neu aufbaut – das ist das Projekt „SHIFT: Open School“. Darin vernetzen sich derzeit Vertreter*innen aus Schule und darüber hinaus in Papenburg und Umgebung. So kamen zum Auftakt im Frühjahr 2026 rund 100 Teilnehmende aus dem Emsland und der Region Weser-Ems zusammen. Derart getragen startet das Team motiviert in das neue Schuljahr. Warum es diesen Zusammenschluss braucht und wie sich Schule wirklich verändern kann, erzählen Dr. János Lilienthal aus dem Schulleitungsteam der Heinrich-von-Kleist-Schule Papenburg und Ninja Müller von der Leuphana Innovation Community Schulentwicklung und Leadership im Interview.
©Leuphana Media Studio / János Lilienthal
János, der Projektname „SHIFT: Open School" klingt ambitioniert. Was genau soll sich verschieben und wen braucht es dafür?
„SHIFT: Open School“ vereint zwei dringende Themen im Bildungssystem. Zum einen meinen wir damit eine Verschiebung der Perspektive: weg von Schule als geschlossenem System, hin zu Schule als offenem Lern- und Entwicklungsraum. Wir wollen nicht nur einzelne Projekte umsetzen, sondern Strukturen verändern: mehr Kooperation, mehr Verantwortung im Netzwerk, mehr Lernen von- und miteinander. Dafür braucht es Schulleitungen, Lehrkräfte, Schüler*innen, Eltern, Schulträger, Schulaufsicht, Wissenschaft und außerschulische Partner*innen. Schulentwicklung gelingt aus meiner Sicht nicht isoliert im luftleeren Raum, sondern nur gemeinsam. Deshalb meint „Shift: Open School“ zum anderen auch die Öffnung von Unterricht und Schule sowie eine neue Art zu lernen.
Ninja, im März gab es ein Netzwerktreffen mit 100 Beteiligten. Die Leuphana Innovation Community Schulentwicklung und Leadership hat diesen Auftakt aktiv mitentwickelt. Welchen Beitrag bringst du mit deiner wissenschaftlichen Perspektive ein?
Wir können das Thema „Öffnung von Unterricht“ mit verschiedenen Theorien und Modellen stützen. Was die Schulen darüber hinaus brauchen, sind Praxisnähe, direkte Beispiele und Erfahrungen von Menschen, die diese Modelle des offenen Unterrichts schon ausprobiert haben. Darauf lag auch unser Fokus beim Netzwerktreffen. Die Schulen haben so viel Expert*innenwissen, es ist nur oft sehr verstreut und daher schwierig zugänglich. Indem wir Schulen vernetzt haben, konnten wir dieses Expert*innenwissen bündeln und gemeinsam weiterentwickeln.
János, was hat sich dadurch an deiner Schule schon konkret verändert?
Durch SHIFT: Open School sind wir in unserer Schulentwicklung mutiger und klarer geworden. Konkret haben wir in zwei Jahrgängen den Unterricht geöffnet und verbinden dabei selbstorganisiertes Lernen, digitale Strukturen und Lernbegleitung stärker miteinander. Gleichzeitig öffnen wir unsere Schule zunehmend für den Sozialraum und externe Partner. Das Netzwerk und die hohe Beteiligung bestätigen uns darin, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Der Austausch hilft, Erfahrungen zu teilen, Ressourcen zu bündeln und Entwicklung nicht allein denken zu müssen.
Ninja, was braucht es aus deiner Sicht, damit so ein Netzwerk langfristig funktioniert?
In der Leuphana Innovation Community Schulentwicklung und Leadership haben wir die Erfahrung gemacht, dass regelmäßige Austauschtreffen wichtig sind, damit alle am Ball bleiben und der Netzwerkgedanke im stressigen Alltag nicht untergeht. Es braucht bei jeder noch so aktiven Community einen harten Kern an Menschen, die den Rahmen feststecken und am Ball bleiben. Da hat die Heinrich-von-Kleist-Schule mit dem Netzwerktreffen eine wunderbare Basis gelegt. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieser Kern alles vorgibt, was in der Community passiert; es ist wichtig, sich nach den Bedarfen aus dem Netzwerk zu richten, um so langfristig ein funktionierendes und für alle sinnstiftendes Miteinander zu schaffen.
János, ein Ausblick: Wohin geht die Reise?
Wir möchten das Netzwerk weiter verdichten: mit regelmäßigen Präsenz- und Online-Formaten. Im Herbst steht ein Barcamp an und gemeinsam mit beWirken starten wir schulübergreifend die Lernbegleiter-Journey. So werden wir im Netzwerk weiter von- und miteinander lernen, um gemeinsam zukunftsfähige Bildung für unsere Schüler*innen in der Region zu gestalten.
Fragen? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!
Die Leuphana Innovation Community Schulentwicklung und Leadership setzt sich ein für ein zukunftsfähiges, gerechtes und nachhaltiges Bildungssystem und bringt dafür Akteur*innen aus Schule, Politik, Wissenschaft und Verwaltung zusammen. Gestaltet mit uns die Zukunft und werdet Teil der Community!