Grundversorgung 2.0

Das Kompetenztandem Grundversorgung 2.0 untersuchte in Forschung und Praxis, wie sich das verfassungsrechtliche Mandat der Grundversorgung mit audiovisuellen Informationen im digitalen Zeitalter gewandelt hat. Grundversorgung steht heute in einem vielfachen Spannungsfeld zwischen öffentlich-rechtlicher und privatwirtschaftlicher Organisation, zwischen Wirtschafts- und Kulturgut, zwischen Rundfunk und Internet, zwischen den Generationen und ihren Medienkulturen, zwischen nationalstaatlicher und europäischer Regulierung, zwischen Öffentlichkeit und Echokammer. Die Ausgangshypothese des Projektteams war, dass das öffentlich-rechtliche Angebot der digitalen Generation ins Internet zu folgen hat, um weiterhin seine Funktion erfüllen zu können.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Volker Grassmuck und Prof. Dr. Hermann Rotermund ruhte die Arbeit des Projektes Grundversorgung 2.0 auf den drei Säulen Forschung, Debatte und Experiment.

Forschung

Ein interdisziplinäres Team aus Medien- und Filmwissenschaft, Soziologie, Politologie, Informatik und Jura untersuchte die Zukunft der Grundversorgung im Internet-Zeitalter unter verschiedenen Gesichtspunkten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforschten die der Demokratie und Gesellschaft dienende Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Teilprojekte "Medien- und Kommunikationspolitik und Regulierung" und "Digital Democracy"), die neuen Formen von Öffentlichkeit und Peer-Strukturen, die im Internet entstanden sind, (Teilprojekt "User Research Lab") und die Methoden und Technologien der klassischen wie der internetbasierten Mediennutzungsforschung (Teilprojekte "Methodenwerkstatt" und "Media Uselab"), des Wissensmanagements und neuer Praktiken wie Datenjournalismus (Teilprojekt "Twitter-Monitor").

Debatte

Haushaltsbeitrag, Generationenabriss und Medienwandel setzen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf die Tagesordnung. Braucht es ihn noch? Wie muss sein Auftrag an die digitalen Verhältnisse angepasst werden? Wie lassen sich unabhängige Aufsicht und Transparenz verbessern? Zu dieser großen gesellschaftlichen Debatte trug Grundversorgung 2.0 mit einer Reihe von Veranstaltungen und Interventionen bei. Mit der gebotenen wissenschaftlichen Neutralität und zugleich in dem Bewusstsein, als öffentliche Hochschule Teil der öffentlichen Wissensinfrastruktur zu sein, deren Zukunft aktuell verhandelt wird.
•    ANALOG III: "Medienwandel – Was heißt das für Medienschaffende in
      der Region?" (20. März 2014)
•    Konferenz "Medienfreiheit und Public Value im Internet" (16. Mai 2014)
•    Konferenz "Neueste Nachrichten. Journalismus in der digitalen Medienkultur"
      (09./10. Oktober 2014)
•    "Terms of Media" (17. bis 19. Juni 2015)

Experiment

Das Nachdenken und Diskutieren über Alternativen zur herkömmlichen medialen Grundversorgung hat seine Grenzen. Daher wurden in medienpraktischen Projekten neue Konzepte für eine Grundversorgung im Internet nicht nur erforscht, sondern ausprobiert, erfahrbar gemacht und in Diskussion mit Rezipienten und Produzenten weiterentwickelt. Schwerpunkte lagen hier auf Ideen zur Erreichung eines jungen Publikums, auf netzbasierten Formen der Meinungsbildung, redaktioneller Kuratierung, Transmedialität, Navigation, Interaktion usw. Diese Experimente fanden auf eigenen Plattformen ebenso wie in der Netzumwelt von sozialen und mobilen Medien statt. Nicht zuletzt dienten sie als Labor für die Entwicklung neuer Methoden der Mediennutzungsforschung.

Ergebnisse

In elf Teilprojekten erreichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler signifikante Forschungserfolge: Das Videonetzwerk Hyperbole TV konnte mit seinen innovativen Formaten, die darauf abzielten, jungen Menschen politische Themen näherzubringen, nicht nur viele Millionen Views verzeichnen, sondern wurde außerdem preisgekrönt. Im Projekt Soundslike? wurde eine multimediale Anwendung entwickelt, die zur allgemeinen Förderung der Medienkompetenz beiträgt und gleichzeitig die Wahrnehmung und das Gedächtnis trainiert. Ziel des Projekts User Research Lab (URL) war es, die Medienanbieter über die Empfindungen und Bedürfnisse ihrer Nutzerinnen und Nutzer zu informieren und somit Nachrichtennutzung qualitativ zu verstehen; inzwischen ist aus dem Kompetenztandem die Ausgründung "User Research Lab" hervorgegangen.

Neben der Durchführung von gründungsorientierten Teilvorhaben wie Hyperbole TV, Soundslike? und Twitter-Monitor gingen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zudem Kooperationen mit Partnern aus der Regionalwirtschaft ein, wie zum Beispiel der Landeszeitung für die Lüneburger Heide.

Das Ziel, Lüneburg als bedeutenden Forschungsstandort im Bereich der Digitalen Medien sichtbar zu machen, erfüllte das Wissenschaftsteam durch die Veröffentlichung der Ergebnisse und Erkenntnisse aus den Projekten in einer Vielzahl von Publikationen. Darüber hinaus stellten die Forschenden ihre Arbeit bei vielen Gastvorträgen, in Workshops sowie auf Tagungen und Messen vor.
Zahlreiche Veranstaltungen organisierte das Projektteam selbst, um sich mit nationalen und internationalen Experten über die Inhalte des Projektes auszutauschen, darunter die drei Konferenzen  "Medienfreiheit und Public Value im Internet" (16. Mai 2014), "Neueste Nachrichten. Journalismus in der digitalen Medienkultur" (9. und 10. Oktober 2014) und "Terms of Media" (17. bis 19. Juni 2015). Im Rahmen der Veranstaltungsreihe ANALOG lud das Kompetenztandem Vertreter aus der regionalen Medienwirtschaft ein, über die Auswirkungen des Digitalen Wandels auf die eigene Arbeit zu diskutieren.

Aufzeichnungen der Konferenzen und zahlreicher Vorträge stellte das wissenschaftliche Team auf Videoportalen online zur Verfügung, außerdem wurde das Kompetenztandem von einem Blog begleitet, das auf ein reges Interesse in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen stieß.



Kontakt

Centre for Digital Cultures
Grundversorgung 2.0

Am Sande 5, 21335 Lüneburg
Fon 04131.677-9000
cdc@leuphana.de

Das Vorhaben Grundversorgung 2.0 wurde im Rahmen des EU-Großprojektes Innovations-Inkubator gefördert.

Eine Stimme 2013

Die Forscherinnen und Forscher haben die Ergebnisse ihrer Begleitforschung zum Format Eine Stimme von Hyperbole TV in Präsentationsform zusammengefasst.
Zu den Ergebnissen

Analog II an 20. März 2014

Die zweite Ausgabe der Veranstaltungsreihe ANALOG diskutierte die Auswirkungen des Medienwandels mit Vertretern der regionalen Wirtschaft.
Details zur ANALOG II