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Klimaaktivismus am Arbeitsplatz

Engagement wird nur dann in der Karriere belohnt, wenn es die Unternehmensziele unterstützt – auch wenn Unternehmen ihm eigentlich wohlwollend gegenüberstehen

15.09.2026 Mitarbeiter:innen, die sich innerhalb großer Beratungsunternehmen für Klimaschutzmaßnahmen einsetzen, können zwar feststellen, dass ihr Engagement ihrer Karriere zugutekommen, jedoch nur dann, wenn dieser Aktivismus mit den geschäftlichen Prioritäten im Einklang steht – so das Ergebnis einer neuen Studie der Leuphana Universität Lüneburg und der University of Bath.

Dr. Katharina Hug (Leuphana Universität Lüneburg), Dr. Stefanie Gustafsson und Dr. Katharina Chudzikowski (Universität Bath) ©Foto K. Hug: Leuphana Universität Lüneburg// Fotos S. Gustafsson & K. Chudzikowski: University of Bath
Dr. Katharina Hug (Leuphana Universität Lüneburg), Dr. Stefanie Gustafsson und Dr. Katharina Chudzikowski (Universität Bath) veröffentlichten Studie zu Klimaaktivismus und Karriere am Arbeitsplatz

Die in Human Relations veröffentlichte Studie untersuchte Klimaaktivismus unter Mitarbeiter:innen eines großen multinationalen Dienstleistungsunternehmens, bei denen es sich überwiegend um Unternehmensberater handelte. Auf der Grundlage von 58 Interviews mit Fachkräften, die in internen Klimaaktivistengruppen engagiert sind, identifizierten die Forscherinnen drei unterschiedliche Ansätze für Klimaaktivismus am Arbeitsplatz: 1. Aufbau von Sichtbarkeit zur Unterstützung der eigenen Karriere und  Umweltfachwissen, um dieses dafür zu nutzen, Kundenangebote und neue Geschäftsmodelle zu unterstützen, 2. Aufbau von Netzwerken, um u.a. nachhaltigkeitsorientierte Rollen zu kreieren und Einflussmöglichkeiten innerhalb der Firma zu gewinnen, 3. Trennung von Arbeitsplatz und Aktivismus – das Engagement geschieht in der Freizeit, ist in erster Linie von ökologischen und gesellschaftlichen Zielen bestimmt und weniger vom beruflichen Aufstieg.

Die Studie ergab, dass Unternehmen Mitarbeiter:innenaktivismus in der Regel dann belohnen, wenn sie zu wirtschaftlichen Zielen beitragen, wie beispielsweise der Gewinnung von Kunden, dem Ausbau von Nachhaltigkeitsdienstleistungen oder der Stärkung des Unternehmensrufes. Im Gegensatz dazu erhalten Mitarbeiter:innen, die in erster Linie durch ökologische oder gesellschaftliche Ziele motiviert sind, oft wenig Anerkennung, und ihre Bemühungen werden unter Umständen an den Rand gedrängt, bzw. vor dem Arbeitgeber verheimlicht. 

Die Studie legt nahe, dass die Art und Weise, wie Organisationen Aktivismus und Engagement belohnen, dazu beitragen könnte, zu erklären, warum Nachhaltigkeitsbemühungen am Arbeitsplatz oft eher zu schrittweisen Verbesserungen als zu tiefgreifenden Veränderungen führen.

Engagement, das der Umsatzgenerierung, dem Ansehen oder strategischen Zielen dient, lässt sich leichter in bestehende Organisations- und Karrieresysteme integrieren, während Engagement, das etablierte Praktiken in Frage stellt, Schwierigkeiten haben kann, Unterstützung zu finden.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Organisationen neue Möglichkeiten für nachhaltigkeitsorientierte Karrieren geschaffen haben. Weniger verändert, als viele Menschen vielleicht annehmen, haben sich jedoch die zugrunde liegenden Systeme, die bestimmen, was belohnt wird“, sagt Dr. Katharina Hug, die als Postdoc an der Leuphana Universität Lüneburg zu Social & Sustainable Entrepreneurship forscht. Neben Dr. Stefanie Gustafsson und Dr. Katharina Chudzikowski von der Universität Bath war sie die Studienleiterinnen.
 „Wenn Unternehmen möchten, dass ihre Mitarbeiter:innen zu einem sinnvollen ökologischen Wandel beitragen, müssen sie möglicherweise überdenken, wie Leistung, Anerkennung und beruflicher Aufstieg bewertet werden,“ so Hug. Solange Unternehmen jedoch ihre Methoden zur Bewertung und Belohnung von Beiträgen nicht erweitern, könnte zweckorientierter Aktivismus weiterhin mit persönlichen und beruflichen Kosten verbunden sein.

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