Zukunftstag für Mädchen und Jungen: „Es kommt auf den Willen an, einen Job auszuführen“
28.04.2026 Rund 50 Mädchen und 15 Jungs verbrachten den Zukunftstag 2026 an der Leuphana Universität Lüneburg. In verschiedenen Workshops lernten sie nicht nur den Campus und erste Berufsperspektiven kennen, sondern beschäftigten sich auch mit Geschlechterrollen und wie man diese durchbrechen kann.
Ungewohnte Geräusche erfüllten am Donnerstagvormittag die konzentrierte Atmosphäre der Bibliothek. Mehrere Kindergruppen huschen durch die Regalfluchten des offenen Magazins, die Blicke scannen akribisch die Buchrücken „Wir müssen ein Wort finden, dass mit einer Roth13-Verschlüsselung geschützt ist“ erklärt die 12-jährige Enna. Gemeinsam mit einer Freundin nutzt sie eine Codier-scheibe, um das Lösungswort zu finden. Während die beiden Mädchen noch rätseln, hat eine Jungs Gruppe grade den ihren nächsten Hinweis zwischen den Regalen gefunden. Die Rally durch die Bibliothek hat Tradition – genau wie der Zukunftstag an sich.
Seit über zehn Jahren bricht die Leuphana durch das Angebot mit Geschlechterrollen bei der Jobauswahl. „Die Idee des Zukunftstages entstammt den USA, wo in den 90er Jahren Der take our daughters to work day etabliert wurde“, erklärt Hannah Brandenburg vom Leuphana Familienservice. Daraus entstand dann der Zukunftstag für Jungen und Mädchen „Der Sinn ist es, offener zu werden, über den Tellerrand zu schauen und verschiedene Bereiche kennenzulernen, die einen auf den ersten Blick nicht interessieren.“ Die verschiedenen Workshops, die die Jungen und Mädchen getrennt besuchen, sind so ausgerichtet, dass sie Berufe abdecken, die traditionell dem jeweils anderen Geschlechtern zugeordnet werden. Die Workshops werden vom Medieninformationszentrum (MIZ) sowie der Fakultät Bildung angeboten. Softwareentwicklung, Lernspiele programmieren, Medien Kompetenz, sowie Angebote des Hochschulsport bilden den Rahmen des Zukunftstages am 23. April.
Nicht nur in der Bibliothek, sondern auch im Zentralgebäude ist viel los. Im Libeskind Auditorium flackern bunte Lichter, während eine Tonspur mal lauter, mal leiser gedreht wird. „Wir haben hier grade den Ton umgestellt und dabei verschiedene Kanäle ausprobiert“ erklärt Mia (11) und zeigt auf eines der beiden Pulte, die der AFM-Veranstaltungsservice der Leuphana aufgestellt hat. Mit dem anderen Pult versuchen sich ihre Gruppenmitglieder an der Lichteinstellung. „Wir durften einfach drauf losprobieren“ beschreibt Mia ihren Ausflug in die Veranstaltungstechnik. „Jetzt freue ich mich aber auch, gleich im zweiten Workshop noch einen anderen Beruf aufzuprobieren“.
Zurück in der Bibliothek, genauer dem Experience Lab in der ersten Etage, sieht man Kinder mit großen Kameras und einem Telepromter hantieren – was sie filmen erscheint auf einem großen Bildschirm hinter ihnen. „Die Kameras werden an der Universität eigentlich zur Wissenschaftskommunikation genutzt“ erklärt Simon, der Leiter des Bib-Studios den Teilnehmern. Dem Elfjährigen Mattis macht das Filmen, Spaß, auch, wenn er sich über seine beruflichen Ambitionen schon im Klaren ist „Eigentlich will ich Jura studieren für die Gerechtigkeit“, sagt er „aber Kameramann ist auch cool!“. Dabei ist ihm völlig egal, wer die Kamera in der Hand hält. „Es gibt Jungs, die gut filmen können, aber auch Mädchen“ findet er, „Es kommt auf den Willen einen Job auszuführen und auf die Lust“.

