Diversity-Tag 2026: Zwischen Herkunft und Hörsaal
18.05.2026 Annika Geis und Martha Rossmann engagieren sich bei der studentischen Initiative ArbeiterKind.de. Sie bauen Brücken, informieren über Finanzierungsmöglichkeiten und knüpfen Netzwerke für junge Menschen, in deren Familien ein Studium keine Selbstverständlichkeit ist.
©Dr. Marietta Hülsmann
In der Grundschule lernen noch alle Kinder gemeinsam. Doch der Weg in die Hochschulen ist ungleich verteilt: Während rund drei Viertel der Kinder aus Akademiker*innen-Familien später studieren, ist es bei jungen Menschen aus Nicht-Akademiker-Haushalten nur etwa ein Viertel. „Bildung verläuft in Deutschland oft wie ein Trichter: Je höher die Bildungsstufe, desto stärker entscheidet die Herkunft“, erklärt Martha Rossmann. Sie engagiert sich seit zwei Jahren bei ArbeiterKind.de.
Die studentische Initiative möchte jungen Menschen eine Brücke in die Universität bauen, die gern studieren möchten, es sich aufgrund ihrer Herkunft aber nicht zutrauen: „Häufig fehlt einfach das Netzwerk. Viele wissen gar nicht, wie es in einer Uni konkret aussieht: Was sind Module? Wie melde ich mich an? Was brauche ich? Nicht an jeder Uni gibt es eine Startwoche wie an der Leuphana, wo so viele Tutor*innen unterstützen“, erklärt Annika Geis.
Oft entschieden sich eigentlich Studieninteressierte für eine Ausbildung, weil sie dann gleich Geld verdienen: „Deswegen informieren wir über Finanzierungsmöglichkeiten wie Bafög oder Stipendien, die oftmals gerade für Erstakademiker*innen ausgeschrieben sind“, erklärt Martha Rossmann.
Gebürtig kommt sie aus Nordrhein-Westfalen und studiert International Business Administration & Entrepreneurship. Die Studentin interessiert sich besonders für die Schnittstelle von Wirtschaft und Nachhaltigkeit, weswegen sie sich für die Leuphana entschied. Martha und Annika wissen, dass trotz guter schulischer Leistung der Schritt an die Universität für viele Erstakademiker*innen nicht unbedingt selbstverständlich ist.
Die Initiative ArbeiterKind.de ist präsent, wo junge Menschen Orientierung suchen: in Schulen, auf Berufsmessen oder bei Informationsveranstaltungen. Dort sprechen Annika und Martha nicht nur über Wege zum Studium, sondern teilen auch ihre eigene Geschichte. Für viele Erstakademiker*innen kann sich der Schritt an die Universität wie der Wechsel zwischen zwei Welten anfühlen. „Das sollte nicht so sein“, findet Annika Geis.
Hinzu komme das Imposter-Gefühl, welches Erstakademiker*innen in universitären Kontexten spüren können. Im Austausch im Rahmen der Initiative ArbeiterKind.de hat Annika erfahren, dass sich einige Mitglieder schon in der Situation wiedergefunden haben, dass sie eine universitäre Herausforderung zwar inhaltlich lösen konnten, dennoch aber von Unsicherheiten in Bezug auf die eigenen Fähigkeiten geplagt sind. Auch ihr ist diese Erfahrung nicht fremd. Der Austausch mit Gleichgesinnten sei hier ermutigend für sie gewesen und motiviert Interessierte, sich für die Initiative zu engagieren.
Für beide Studentinnen ist klar: Ausbildung und Studium sind zwei unterschiedliche Wege – keiner ist besser als der andere: „Aber wer gern studieren möchte, sollte die Möglichkeit haben und sie sich auch zutrauen können – gleich welcher Herkunft.“
Offene Treffen
ArbeiterKind.de lädt Interessierte jeden ersten Donnerstag im Monat zu offenen Treffen in den Trafos ein (ehemalige Ladenzeile). Dort findet am 27. Mai ab 18:30 Uhr ein Infoabend statt, wo sich Interessierte informieren, austauschen und erste Kontakte knüpfen können. Wer lieber schreibt, kann sich auch per E-Mail an ArbeiterKind.de wenden.