Zukunftsfoyer: Kultur und Fürsorge – Praktiken des Caring-with
25.05.2026 Wie kann Fürsorge in Kunst- und Kulturräumen nicht nur als Haltung formuliert, sondern praktisch umgesetzt werden? Diese und weitere Fragen diskutierte am 19. Mai 2026 das Zukunftsfoyer „Kultur und Fürsorge – Praktiken des Caring-with“ im Theater Lüneburg.
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Gemeinsam mit dem Theater Lüneburg, veranstaltete die Leuphana Innovation Community Kunst und Kultur zum dritten Mal das so genannte Zukunftsfoyer – eine Veranstaltungsreihe für offenen Austausch zwischen Wissenschaft, künstlerischer Praxis und Öffentlichkeit.
Dreh- und Angelpunkt des Gesprächs war ein Begriff, der im Kulturbereich zunehmend sichtbar wird und zugleich schwer zu fassen bleibt: Care, oder Fürsorge. Das Zukunftsfoyer fragte danach, was Fürsorge in Kunst- und Kulturorten konkret bedeutet – jenseits programmatischer Ansprüche und symbolischer Gesten. Dabei wurden Gäste aus Kunst und Kultur eingeladen, um Strukturen, Arbeitsbedingungen, Zugänge, Ausschlüsse zu diskutieren.
Der Titel des Abends, „Caring-with“, verwies auf ein gemeinsames Sorgen und Gestalten: auf Beziehungen, Verflechtungen und Zusammenarbeit. Den Auftakt bildete ein künstlerischer Impuls des inklusiven Autor*innenkollektivs Wortkollektiv mit Katja Burstorff, Anke Schwiete und Morton Tartas. Ihre Beiträge eröffneten einen Erfahrungsraum, in dem Fürsorge nicht abstrakt blieb, sondern als Frage von Sprache, Wahrnehmung, Zugehörigkeit und gemeinsamem künstlerischem Arbeiten erfahrbar wurde.
Anschließend kamen drei Perspektiven aus kuratorischer Praxis, Theaterarbeit und Kulturvermittlung ins Gespräch: die Kuratorin und Autorin Lisa Deml, die Musiktheaterregisseurin und Dozentin Kerstin Steeb sowie die Bildungswissenschaftlerin, Dichterin und Autorin Jess Tartas. Gemeinsam mit Prof. Dr. Boukje Cnossen diskutierten sie, wie Care in unterschiedlichen kulturellen Arbeitsfeldern verstanden und praktiziert wird – in der Zusammenarbeit mit Künstler*innen, in Vermittlungsprozessen, im Theateralltag und in der Gestaltung von Räumen, in denen Menschen sich als selbstwirksam erleben können.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs lag auf dem Verhältnis von Fürsorge, Räumen und Strukturen. Wie kann kuratorische Arbeit fürsorglicher werden? Wie entstehen Zugehörigkeit und Teilhabe, ohne dass Vermittlung paternalistisch wird? Und wie lassen sich künstlerische Inhalte und Arbeitsbedingungen zusammendenken? Die Diskussion machte deutlich, dass Fürsorge im Kulturbetrieb nicht allein eine Frage individueller Haltung ist. Sie braucht Zeit, Ressourcen, transparente Entscheidungen und institutionelle Rahmenbedingungen, die diese ermöglichen.
Zugleich wurden auch die Grenzen von Fürsorge thematisiert. Was passiert, wenn unterschiedliche Bedürfnisse aufeinandertreffen oder sich widersprechen? Wie lässt sich mit Konflikten umgehen, ohne sie vorschnell aufzulösen? Gerade diese Fragen zeigten, dass fürsorgliche Kulturarbeit nicht konfliktfrei ist. Sie verlangt vielmehr die Bereitschaft, Widersprüche auszuhalten, Machtverhältnisse sichtbar zu machen und Verantwortung nicht nur zu benennen, sondern praktisch zu teilen.
Auch das Publikum beteiligte sich mit Fragen und eigenen Perspektiven an der Diskussion. Dabei rückte immer die Frage in den Vordergrund, was sich konkret verändern müsste, damit Fürsorge kein Anspruch bleibt, sondern zu einer alltäglichen Praxis in der Kulturarbeit wird.
Das Zukunftsfoyer erwies sich damit erneut als offener Raum für Zukunftsfragen des Kulturbetriebes. In der besonderen Atmosphäre des Theaterfoyers wurde deutlich: Fürsorge in kulturellen Institutionen entsteht nicht durch einzelne Gesten, sondern durch Beziehungen, Strukturen und gemeinsame Praxis – durch ein ‚Caring-with‘.
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- Prof. Dr. Boukje Cnossen
Die Leuphana Innovation Community Kunst & Kultur arbeitet am organisationalen Wandel von Kunsträumen und bringt dafür Akteur*innen aus lokalen Kunstvereinen und Kulturzentren sowie internationalen Kunstmuseen zusammen.


