Diversity-Tag 2026: Memes machen Klassismus sichtbar
18.05.2026 Prof. Dr. Anna Ramella erklärt, warum soziale Herkunft an der Universität eine Rolle spielt – und wie sie Studierende stärken möchte.
©Brinkhoff-Moegenburg/Leuphana
Klassismus beschreibt die Abwertung, Benachteiligung oder Ausgrenzung von Menschen aufgrund ihrer sozialen Herkunft oder ihres ökonomischen Status. Es geht also nicht nur um „reich“ und „arm“, sondern um gesellschaftliche Vorstellungen darüber, wer als „gebildet“ oder „fähig“ gilt – und wer eben nicht.
Anna Lisa Ramella setzt sich dafür ein, dieses Thema sichtbarer zur machen: „Mir war von Anfang an wichtig, Formate zu entwickeln, die für Klassismus sensibilisieren und gleichzeitig Studierende stärken, die mit anderen Voraussetzungen an die Universität kommen“, erklärt die Juniorprofessorin für kulturwissenschaftliche Methoden.
Ein zentraler Punkt: Die Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten, sei grundsätzlich bei vielen Menschen vorhanden. „Sich im System Universität zu bewegen, ist aber nicht nur eine Frage der fachlichen Kompetenz, sondern auch der Kenntnis eines gewissen Habitus“, erklärt sie. Also der Art, wie man spricht, sich verhält und sich selbst wahrnimmt.
Ein Meme-Workshop soll eigene Erfahrungen sichtbar machen. Gemeinsam mit der Journalistin Caren Miesenberger lernen Teilnehmende, Bild-Text-Kombinationen zu nutzen, um gesellschaftliche Themen zu verdeutlichen. „Es geht darum, auch schwierige Erfahrungen in etwas Stärkendes zu verwandeln“, erklärt Anna Lisa Ramella. Start der Reihe ist am 9. Juni. Caren Miesenberger ist eine deutsche Kulturjournalistin, Autorin und Medienmacherin, die sich besonders mit feministischen Perspektiven, digitaler Kultur und gesellschaftspolitischer Kommunikation beschäftigt. Besonders bekannt ist sie für die von ihr gegründete Feminist Meme School.
Sie verdeutlicht die Relevanz des Themas: „Durch Klassismus verlieren wir Potential und wertvolle Sichtweisen.“ Auch das verbreitete Narrativ vom „sozialen Aufstieg“ sieht sie kritisch: „Wer definiert, was oben und unten ist?“
Grundsätzlich versucht Anna Lisa Ramella in ihrer Lehre, Barrieren abzubauen. Ein Beispiel ist das digitale Tool Particify, mit dem Studierende anonym Fragen stellen können. „Nicht alle trauen sich, vor 180 Leuten zu sprechen“, erklärt sie. Das habe viele Gründe und reiche von persönlichen Unsicherheiten bis zu mangelnder Vertrautheit mit akademischer Kommunikation. Anonyme Formate könnten hier helfen, mehr Beteiligung zu ermöglichen. Dabei gehe es nicht ausschließlich um soziale Herkunft, sondern insgesamt um mehr Teilhabe: „Auch introvertierte Studierende oder unsichere Personen profitieren davon, wenn Lehre inklusiver gestaltet wird.“