Veranstaltungen im aktuellen Semester
Sommersemester 2026
»Wir mussten uns positionieren.« Queer-of-Color-Aktivismus und weiße LSBTIQ++ Bewegungen in Deutschland – Tarek Shukrallah
Di. 05. Mai 2026. 18:15 – 19:45 Uhr. Raum C 40.704
Queer-of-Color-Bewegungen in Deutschland können nicht als bloße Ergänzung einer LSBTIQ-Geschichtsschreibung verstanden werden, die von Beginn an weiß kodiert war. Vielmehr sind sie aus Erfahrungen von Rassismus und Ausschlüssen in weißen schwulen, lesbischen und später LSBTIQ-Strukturen hervorgegangen – und zugleich als Antworten auf gesellschaftliche Polarisierungen, insbesondere während der „Baseballschlägerjahre“ nach dem Fall der Mauer. Anhand von Beispielen wie der Schwarzen Lesbenorganisation ADEFRA, den TürkGay-Gruppen, den Gayhane-Partys im Berliner SO36, GLADT oder der abolitionistischen Gruppe SUSPECT! wird deutlich, wie migrantische, Schwarze und of Color Queers eigene Netzwerke, kulturelle Räume und politische Plattformen geschaffen haben. Diese Räume waren Orte des Schutzes, der Selbstorganisation und des Empowerments – aber auch widerständige Praxen gegen eine weiße und homonormative Bewegungspolitik.
Die Abwesenheit dieser Geschichten in den etablierten Archiven ist dabei kein Zufall und keine „Leerstelle“. Sie verweist auf die Mechanismen, mit denen weiße Bewegungen Queers of Color systematisch ausgeschlossen haben. Gegen diese Auslöschung sind eigene Formen von Erinnerung, Erzählung und Archivierung entstanden – Gegenarchive, die nicht nur dokumentieren, sondern selbst Teil der Kämpfe sind. Der Vortrag lädt dazu ein, queere Geschichte in Deutschland neu zu betrachten: nicht als lineare Erfolgserzählung, sondern als konfliktreiche Auseinandersetzung, in der queere BIPoC Widerspruch sichtbar gemacht und bleibende Spuren hinterlassen haben. Damit verbindet sich die Frage, was wir aus diesen Erfahrungen für heutige Kämpfe gegen Rassismus und Queerfeindlichkeit lernen können.
Tarek Shukrallah (they/them) ist Politikwissenschaftler*in, Autor*in, Kurator*in und politische*r Bildner*in und gegenwärtig als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (prae-doc) an der Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gender Studies an der Justus-Liebig-Universität Gießen beschäftigt. 2024 veröffentlichte Tarek Shukrallah den Sammelband Nicht die Ersten. Bewegungsgeschichten von Queers of Color in Deutschland, der demnächst in dritter Auflage erscheint.
Veranstaltet vom Gender and Diversity Research Network.
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
Mi. 06.05.26. 18:15 Uhr. C 40.704.
In einem Moment, in dem wiedererstarkende Nationalismen Ordnung durch Repression versprechen (von Grenzen, Körpern und Begehren), stellt sich die Frage: Was würde es bedeuten, das erotische Leben als Ort kollektiven Kampfes zurückzuerobern?
Vom Kalten Krieg bis zum Neoliberalismus entfalteten sich Kämpfe um sexuelle Freiheit im Schatten des US-Imperiums. Heute, da autoritäre Bewegungen erneut den Vorrang von Nation, Familie und „Zivilisation“ behaupten, treten die Einsätze jener früheren Auseinandersetzungen wieder scharf hervor. Ausgehend von Eros and Empire: The Transnational Struggle for Sexual Freedom in the United States (Stanford University Press, 2025) untersucht dieser Vortrag, wie queere Radikale sich Welten vorstellten und aufbauten, in denen das erotische Leben über Eigentum, Patriotismus und Respektabilität hinausging. Er greift die transnationale Geschichte queerer Politik wieder auf und fragt, was ihre Experimente einer „erotischen Welterschaffung“ uns in der gegenwärtigen Konjunktur von Militarismus, Grenzgewalt und moralischer Panik zu bieten haben.
Dr. Alexander Stoffel ist Lecturer für Internationale Politik an der School of Society and Environment der Queen Mary University of London sowie Redakteur der Zeitschrift Historical Materialism, wo er den Schwerpunktbereich „Gender, Sexuality, and Feminist Struggles“ mitkoordiniert. Seine Forschung widmet sich kritischen Fragen an den Schnittstellen von Sexualität, „Race“ und Begehren im Kontext kapitalistischer Expansion. Er ist der Autor von Eros and Empire: The Transnational Struggle for Sexual Freedom in the United States (Stanford University Press, 2025).
Organisiert vom Center for Critical Studies und dem Gender and Diversity Research Network.
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
Kontakt: gud@leuphana.de