Netzwerk Geschlechter- und Diversitätsforschung

Das Netzwerk „Geschlechter- und Diversitätsforschung“ an der Leuphana Universität Lüneburg ist ein fachliches, inter- und transdisziplinäres sowie wissenschafts- und hochschulpolitisches Netzwerk von Wissenschaftler*innen, das die folgenden Ziele verfolgt:

  •      den Dialog und die Kooperation zwischen den Wissenschaftsdisziplinen an der Leuphana Universität
         Lüneburg fördern,
  •      eine gender- und diversitätsorientierte Forschung und Lehre intensivieren,
  •      die gender- und diversitätssensible Qualifizierung von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler*innen
         durch Bündelung von Kompetenzen in diesen Bereichen verbessern,
  •      inter- und transdisziplinäre Forschungsprojekte innerhalb und außerhalb der Leuphana Universität Lüneburg
         vernetzen, koordinieren und durchführen,
  •      die (außer)universitäre Vernetzung fördern und ausbauen,
  •      Veranstaltungen, wie beispielsweise Salongespräche, Ringvorlesungen, Tagungen oder Kolloquien für  
         Nachwuchswissenschaftler*innen, Gastvorträge und Workshops konzeptionieren und durchführen
         sowie Geschlechter- und Diversitätsthemen in unterschiedliche Öffentlichkeiten bringen.

Aktuelles


»Wir mussten uns positionieren.« Queer-of-Color-Aktivismus und weiße LSBTIQ++ Bewegungen in Deutschland – Tarek Shukrallah 

Di. 05. Mai 2026. 18:15 – 19:45 Uhr. Raum C 40.704

Queer-of-Color-Bewegungen in Deutschland können nicht als bloße Ergänzung einer LSBTIQ-Geschichtsschreibung verstanden werden, die von Beginn an weiß kodiert war. Vielmehr sind sie aus Erfahrungen von Rassismus und Ausschlüssen in weißen schwulen, lesbischen und später LSBTIQ-Strukturen hervorgegangen – und zugleich als Antworten auf gesellschaftliche Polarisierungen, insbesondere während der „Baseballschlägerjahre“ nach dem Fall der Mauer. Anhand von Beispielen wie der Schwarzen Lesbenorganisation ADEFRA, den TürkGay-Gruppen, den Gayhane-Partys im Berliner SO36, GLADT oder der abolitionistischen Gruppe SUSPECT! wird deutlich, wie migrantische, Schwarze und of Color Queers eigene Netzwerke, kulturelle Räume und politische Plattformen geschaffen haben. Diese Räume waren Orte des Schutzes, der Selbstorganisation und des Empowerments – aber auch widerständige Praxen gegen eine weiße und homonormative Bewegungspolitik.

Die Abwesenheit dieser Geschichten in den etablierten Archiven ist dabei kein Zufall und keine „Leerstelle“. Sie verweist auf die Mechanismen, mit denen weiße Bewegungen Queers of Color systematisch ausgeschlossen haben. Gegen diese Auslöschung sind eigene Formen von Erinnerung, Erzählung und Archivierung entstanden – Gegenarchive, die nicht nur dokumentieren, sondern selbst Teil der Kämpfe sind. Der Vortrag lädt dazu ein, queere Geschichte in Deutschland neu zu betrachten: nicht als lineare Erfolgserzählung, sondern als konfliktreiche Auseinandersetzung, in der queere BIPoC Widerspruch sichtbar gemacht und bleibende Spuren hinterlassen haben. Damit verbindet sich die Frage, was wir aus diesen Erfahrungen für heutige Kämpfe gegen Rassismus und Queerfeindlichkeit lernen können.

Tarek Shukrallah (they/them) ist Politikwissenschaftler*in, Autor*in, Kurator*in und politische*r Bildner*in und gegenwärtig als wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (prae-doc) an der Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Gender Studies an der Justus-Liebig-Universität Gießen beschäftigt. 2024 veröffentlichte Tarek Shukrallah den Sammelband Nicht die Ersten. Bewegungsgeschichten von Queers of Color in Deutschland, der demnächst in dritter Auflage erscheint. 

Veranstaltet vom Gender and Diversity Research Network.

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Kontakt: gud@leuphana.de


Erotic Worldmaking in Fascistic Times – Alexander Stoffel

Mi. 06.05.26. 18:15 Uhr. C 40.704.

In einem Moment, in dem wiedererstarkende Nationalismen Ordnung durch Repression versprechen (von Grenzen, Körpern und Begehren), stellt sich die Frage: Was würde es bedeuten, das erotische Leben als Ort kollektiven Kampfes zurückzuerobern?

Vom Kalten Krieg bis zum Neoliberalismus entfalteten sich Kämpfe um sexuelle Freiheit im Schatten des US-Imperiums. Heute, da autoritäre Bewegungen erneut den Vorrang von Nation, Familie und „Zivilisation“ behaupten, treten die Einsätze jener früheren Auseinandersetzungen wieder scharf hervor. Ausgehend von Eros and Empire: The Transnational Struggle for Sexual Freedom in the United States (Stanford University Press, 2025) untersucht dieser Vortrag, wie queere Radikale sich Welten vorstellten und aufbauten, in denen das erotische Leben über Eigentum, Patriotismus und Respektabilität hinausging. Er greift die transnationale Geschichte queerer Politik wieder auf und fragt, was ihre Experimente einer „erotischen Welterschaffung“ uns in der gegenwärtigen Konjunktur von Militarismus, Grenzgewalt und moralischer Panik zu bieten haben.

Dr. Alexander Stoffel ist Lecturer für Internationale Politik an der School of Society and Environment der Queen Mary University of London sowie Redakteur der Zeitschrift Historical Materialism, wo er den Schwerpunktbereich „Gender, Sexuality, and Feminist Struggles“ mitkoordiniert. Seine Forschung widmet sich kritischen Fragen an den Schnittstellen von Sexualität, „Race“ und Begehren im Kontext kapitalistischer Expansion. Er ist der Autor von Eros and Empire: The Transnational Struggle for Sexual Freedom in the United States (Stanford University Press, 2025).

Organisiert vom Center for Critical Studies und dem Gender and Diversity Research Network.

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Kontakt: gud@leuphana.de
 

Ghost Cousins at Midcentury: Trans Femininity and the Foundations of the Gay Canon – Emma Heaney

Di. 23. Juni. 18:15 Uhr. Raum C 40.704

“This talk traces the literary reflection of the relationship between gay men and trans women in mid-twentieth-century American literature in the period immediately following the vast scaling up of popular notice of the medical narrative of transsexuality via the celebrity of Christine Jorgenson. This spur to a firm distinction between the two groups was a class-bound reality, however, the lumpen and racialized scenes in which queer and trans life was lived broke down around a much more varied taxonomy. This scene’s most settled binary was between the street queen and the youngman hustler who had sex for money but remained ostensibly straight. This talk considers the literary staging of these competing models. It proposes that the literature of this period provides a conceptual reckoning with a conceptual battle of the pre-war period: is masculinism or inversion the accurate and desirable model for same sex desire? Readings of novels by Thomas Savage, John Rechy, and Gore Vidal demonstrate the breakdown of the conceptual distinction between these two models. These novels acquiesce to the challenge to cisness uniquely posed by sex between men. In this literary tradition, the reflection between the gay man and the trans woman dissolves into the generalized non-cisness of the queer and trans scenes, even as the violence of cisness, targets these groups unevenly. The talk arcs toward the shocking centrality of trans femininity to the emergence of the first avowedly gay avant-garde in the work of Andy Warhol, John Waters, Lou Reed. The talk reveals the post war emergence of first a literary and then a fine arts avant-garde as marked by the metabolizing of the relationship of the category gay man to the category trans woman.”

Prof. Emma Heaney ist Wissenschaftlerin in den Bereichen Vergleichende Literaturwissenschaft, Trans Studies und marxistische Feminismusforschung. Sie ist Autorin von The New Woman: Literary Modernism, Queer Theory, and the Trans Feminine Allegory (Northwestern University Press 2017), This Watery Place: Four Essays on Gestation (Pluto 2025) sowie des in Vorbereitung befindlichen Ghost Cousins: Literature After Cisness (Cambridge University Press 2027). Sie ist Herausgeberin von Feminism Against Cisness (Duke University Press 2024), Mitherausgeberin (zusammen mit Carlo Sariego) einer kommenden Ausgabe von TSQ zum Thema „Trans Reproduction“ (Duke University Press 2027) und arbeitet derzeit an einem Folgeband mit dem Titel Provincializing Cisness. Sie lehrt im XE-Masterprogramm an der New York University.

Veranstaltet vom Gender and Diversity Research Network und dem Center for Critical Studies (CCS).

Kontakt: gud@leuphana.de

Sprache: Englisch.

Netzwerktreffen

Details zu kommenden Treffen des Gender and Diversity Research Network finden Sie demnächst hier.

Mitgliedschaften

Der Rundbriefder LAGEN (Landesarbeitsgemeinschaft der Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterforschung in Niedersachsen) informiert über Neuigkeiten aus Lehre und Forschung, Veranstaltungen, Calls for Papers und Stellenausschreibungen. Abonniert werden kann er hier. Gemeinsame Broschüre aller LAGEN-Mitgliedseinrichtungen.

FG Gender (Gender Studies Association): Die Mitglieder der FG Gender veröffentlichen hier aktuelle Stellenausschreibungen, Tagungen sowie Calls for Papers.

AT Gender  (The European Association for Gender Research, Education and Documentation): Der Newsletter kann hier abonniert werden.

Das Netzwerk Geschlechter- und Diversitätsforschung ist zudem Mitglied des Netzwerks "Netzwerk deutschsprachige Diversitätsforschung" (Diversitätsforschung D-A-CH) im Rahmen dessen eine regelmäßiger und interdisziplinärer Austausch von Wissenschaftler*innen zum Thema Diversität stattfindet. Die Mailingliste des "Netzwerk deutschsprachige Diversitätsforschung" kann hier abonniert werden.    

 

Kontakt und Mitglied werden

Sprecher*innen des Netzwerks Geschlechter- und Diversitätsforschung

Dr. Ben Trott (Fakultät Kulturwissenschaften)
ben.trott@leuphana.de

Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich (Fakultät Management und Technologie)
hannah.trittin@leuphana.de