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Eröffnung Startwoche 2026: „We challenge assumptions“

02.10.2026 Das einzigartige Studienmodell der Leuphana Universität sieht vor, dass sich alle 1.500 Erstsemesterstudierenden zu Beginn ihres Studiums intensiv mit einem gesellschaftlich relevanten Thema auseinandersetzen. In diesem Jahr steht „In::Security“ im Mittelpunkt – und damit die Frage, wie Sicherheit und Unsicherheit miteinander in Spannung stehen, aber auch zueinander gehören. Zur feierlichen Eröffnung im Zentralgebäude begrüßte die Universität den Sozialunternehmer Shai Hoffmann als Gastredner.

Eröffnung Startwoche 2026: „We challenge assumptions“ ©A. Hirt
„The university is a place where questions can be asked. A place where we question what we think we know, where we experiment, where we challenge assumptions, where we are willing to question our own convictions“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident der Leuphana Christian Brei.

Viele Studierende schauen sich zunächst suchend um, verunsichert, woher die Stimme kommt. Christian Brei steht ganz hinten im Libeskind Auditorium: „The university is a place where questions can be asked. A place where we question what we think we know, where we experiment, where we challenge assumptions, where we are willing to question our own convictions“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident der Leuphana. Damit greift Brei die Überschrift der diesjährigen Startwoche auf: In::Security.

Rund 1.500 Studierende beginnen mit der Eröffnungsfeier gemeinsam ihr Studium an der Leuphana. „The university is not only a place of ideas, but a community of people“, unterstreicht Brei und kommt mit den Studierenden ins Gespräch. Einige von ihnen sind wegen der Nachhaltigkeitsorientierung an die Leuphana gekommen, andere wegen der Gründungsfreundlichkeit der Universität oder wegen des besonderen Studienmodells. Eine von ihnen ist die 20-jährige Carolin. Sie studiert Psychologie. Die Eröffnungsfeier erlebt sie nicht nur als symbolischen Auftakt: „Wir bekommen echten Inhalt.“ Während der Feier macht sie sich deswegen immer wieder Notizen. Für die 40-jährige Adriane ist es hingegen nicht das erste Studium. Die Lehramtsstudentin geht mit einem „rundum guten Gefühl“ aus der Feier: „Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt.“

Ein wesentlicher Bestandteil des besonderen Studienmodells ist die Startwoche, die weit über eine klassische Orientierungswoche hinausgeht und Teil des interdisziplinären Leuphana Semesters ist. Vom 1. bis zum 9. Oktober erkunden die Studienanfänger*innen, wie Sicherheit entsteht und wo sie brüchig wird. In rund 90 Projektgruppen fragen sie, welche Handlungsperspektiven sich aus den Herausforderungen der Gegenwart ergeben: Eskalation und Kooperation, Klima und Resilienz, Arbeit und Gerechtigkeit, KI und Autonomie.

In::Security – dieses bewusst ambivalente Motto beleuchtete Prof. Dr. Jelena Bäumler, Vizepräsidentin des College, am Beispiel des sogenannten Sicherheitsdilemmas. Institutionen sollen Unsicherheit begrenzen, ihre tatsächliche Wirkung hängt jedoch auch vom Vertrauen in ihre Verlässlichkeit ab. Zudem können Maßnahmen, die Sicherheit schaffen sollen, selbst neue Unsicherheit erzeugen. Dies zeige sich etwa im Verhältnis zwischen Staaten: „Maßnahmen zur Erhöhung der eigenen Sicherheit können von anderen Staaten als Bedrohung wahrgenommen werden und dadurch am Ende die Sicherheit aller verringern“, erklärt die Professorin für Öffentliches Recht.

Shai Hoffmann setzt deshalb seit vielen Jahren auf Dialog, gerade bei kontroversen Themen. „Das Entscheidende ist der Moment, in dem zwei Menschen physisch zusammenkommen, sich in die Augen schauen, ihre Smartphones weglegen und einander wirklich zuhören“, sagt er. Durch solche Begegnungen können Gemeinsamkeiten sichtbar und Vertrauen aufgebaut werden. Für Hoffmann geht es dabei zunächst nicht darum, Konflikte unmittelbar zu lösen oder Konsens herzustellen, sondern darum, einander zu verstehen.

Ein zentraler Begriff seines Beitrags war die so genannte Ambiguitätstoleranz. Hoffmann versteht darunter die Fähigkeit, Widersprüche auszuhalten. „Die Welt ist nicht einfach“, sagt er. Gerade wissenschaftliches Arbeiten müsse sich deshalb mit unterschiedlichen und teilweise widersprüchlichen Informationen und Perspektiven auseinandersetzen. Die Universität müsse ein Ort der kritischen Auseinandersetzung sein: „Das bedeutet nicht, dass jede Position gleich richtig ist. Es bedeutet, dass wir sie untersuchen.“

Auch Leuphana-Präsident Sascha Spoun thematisierte die Unsicherheit, die mit der rasanten Entwicklung künstlicher Intelligenz verbunden ist: „Given the speed at which AI is making progress, given the uncertainty with respect to the job market in ten years, it is hard to say what you  ought to learn.“ Gerade weil kaum vorhersehbar sei, welche Kenntnisse und Fähigkeiten in Zukunft gebraucht würden, lenkte er den Blick auf die persönliche und akademische Freiheit: „Instead, you better ask: What do I desire to learn? What do I consider worth learning and worth knowing, looking ahead to my future? Without doubt, we have set the framework for you, a safe space for learning and understanding.“

Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ist selbst Alumna der Leuphana. Sie begrüßte die neuen Studierenden in der Stadt: „We in Lüneburg are proud of our university.“ Auch sie nahm das Stichwort Sicherheit auf: “For a secure future, we need your critical thinking. We need your fresh ideas and your willingness to create the world. And we also need your uncertainty, your insecurity, because it can be a desire to change.“

Auch die beiden AStA-Sprecherinnen Frida Klee und Merle Horn sprachen die Bedeutung von Unsicherheit und gemeinschaftlichem Lernen an: „Use this time to learn how to understand complexity, how we are all part of it.“ Zugleich appellierten sie an die Studierenden, die Universität nicht nur als Lernort zu verstehen: „We need the university not only as a place of study, but as a place of community.“

Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung vom Musical „Dear Evan Hansen“, das Studierende der Leuphana vom 21. bis 23. Oktober im Libeskind Auditorium in deutscher Fassung mit Live-Orchester aufführen.

Kontakt Leitung Opening Week