Lehren im Transformationsmodul

Informationen für Lehrende

Unsere Welt ist geprägt von multiplen Krisen, die das menschliche (Zusammen)Leben auf unterschiedlichen Ebenen gefährden. Hinzu kommt eine auch durch die Digitalisierung getriebene Beschleunigung von Veränderungen, die beständig neue Handlungsoptionen öffnet, gleichzeitig aber die Vorhersagbarkeit von Entwicklungen verringert. Informationen sind leichter verfügbar, müssen aber auch stärker interpretiert und nach ihrer Gültigkeit bzw. damit verbundenen Intentionen befragt und eingeordnet werden. Durch die stärkere Vernetzung der Welt werden Zusammenhänge komplexer, Probleme müssen systemisch gedacht und verstanden werden.  

Das Transformationsmodul beschäftigt sich im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung mit grundlegenden Fragen gesellschaftlicher Veränderungsprozesse und verantwortlichen Handelns im 21. Jahrhundert. Durch eine kritische Betrachtung sowohl historischer Entwicklungen als auch heutiger gesellschaftlicher Verhältnisse erörtern die Studierenden Fragen nach den Bedingungen gesellschaftlichen Zusammenlebens und erforschen Lösungsansätze für die Gestaltung heutiger und zukünftiger Gesellschaften. 

In inter- und transdisziplinären Forschungsprojekten analysieren sie hierzu eigenständig Fragestellungen zu Transformationsherausforderungen und stellen die Ergebnisse im Rahmen der abschließenden Konferenzwoche vor.

Zentrale Themenbereiche

Transformation Was verstehen wir unter Transformation? Welche Beispiele gibt es und was können wir daraus lernen?
Werte Wie entstehen Werte? Wie beeinflussen Werte unser Handeln? Wie gehen wir mit Wertkonflikten um?
Gerechtigkeit Was ist Gerechtigkeit? Welche Typen von Gerechtigkeit gibt es? Zu welchen Zielkonflikten kann es kommen und welche Lösungsansätze gibt es?
Verantwortung Wer übernimmt Verantwortung für Vergangenes, wer für Zukünftiges? Welche Verantwortung tragen welche Teile einer Gesellschaft für eine gelingende Transformation?

Lehr-/Lernziele des Transformationsmoduls

  • Die Studierenden kennen theoretische Konzepte der Transformationsforschung aus geistes- und sozialwissenschaftlicher sowie nachhaltigkeitswissenschaftlicher Perspektive. 

  • In der Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Diskursen innerhalb der Transformationsforschung und deren historischer Verortung können sie verschiedene Positionen überprüfen, kontextualisieren und interpretieren. 

  • Sie entwickeln akademische Lese- und Schreibfähigkeit und lernen, themenspezifische Literatur zu recherchieren und gemäß ihrem Kenntnisstand kritisch zu bewerten sowie selbständig in eigenen wissenschaftlichen Texten zu diskutieren. 

  • Sie können die eigene Position, aber auch die Positionen anderer reflektieren und vor dem jeweiligen Hintergrund verorten und kritisch hinterfragen. Dabei stärken sie auch ihre Ambiguitätstoleranz. 

  • Sie können die Bedeutung und möglichen Ausgestaltungswege gesellschaftlicher und individueller Verantwortung in unterschiedlichen Handlungsfeldern beschreiben und analysieren. 

  • Sie sind in der Lage, eine im Themenfeld Nachhaltigkeit & Transformation (auch für Dritte) relevante Fragestellung zu entwickeln und zu bearbeiten. 

  • Sie können gezielt Wissensbestände aus unterschiedlichen Disziplinen und bei Bedarf außerwissenschaftlichen Berufsfeldern, die für den Gegenstand sowie die Ziele und Fragen ihres Projekts relevant sind, aufarbeiten und zusammenführen. Sie wissen dabei um den Wert von Multiperspektivität.

Veranstaltungsformate im Modul

Alle Studierenden besuchen gemeinsam die große Vorlesung und wählen außerdem ein Seminar aus. Die Übungen sind an die Seminare gekoppelt, sodass immer dieselben Studierendengruppen (max. 35 Personen) an beiden Veranstaltungen teilnehmen. Dadurch wird ein multiperspektivischer Blick auf bestimmte Aspekte von Transformation ermöglicht.

Vorlesung

Die Vorlesung spannt den großen Bogen und setzt die vier Themenbereiche, denen die einzelnen Seminare und Übungen zugeordnet werden. Die Betrachtung einzelner Themen erfolgt dabei sowohl aus einer stärker ideengeschichtlichen als auch aus einer eher gestaltungsorientierten Perspektive, um Zusammenhänge für die Studierenden sichtbar zu machen. Das Ziel ist dabei eher ein Überblick über gesellschaftliche Transformationen; Vertiefungen haben in den Seminaren und Übungen ihren Raum.

Inhalte der Vorlesung

Thema der VorlesungInhalte

1. Überblick VL & Modul

Einführung in Leuphana Semester, Modulstruktur, Prüfungsleistung, Konferenzwoche, Inhalte der Vorlesung

2. Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung 

Begriff “Nachhaltigkeit” und gesellschaftliche Debatte, Entstehung des Konzepts “Nachhaltige Entwicklung”, verschiedene Formen von Nachhaltigkeitsverständnis

3. Transformation 

Begriffsdefiniton und Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen, Konzeption von historischer und politischer Transformation 

4. Transformation und Transition 

Gestaltung unserer Zukunft hinsichtlich der Rolle von Wissenschaft und Forschung, Unterschied zwischen Transformation und Transition, Chancen und Grenzen von Übergangsprozessen 

5. Wissensarten I 

Verschiedene Bedeutungen von Wissen, Unterscheidung von ähnlichen Begriffen, Ursprung von Wissen, Grenze zwischen „wahrem“ Wissen und Fake News

6. Wissensarten II 

Wissen für die nachhaltige Gestaltung komplexer Transformationsprozesse, Wissensproduktion, Veränderung traditioneller Systeme und Wissensorganisation

7. Gesellschaft 

Herkunft und Definition des Begriffs „Gesellschaft“, Beziehung zwischen Individuum, Kollektiv und Gesellschaft, klassische Theorien (Aristoteles, Hobbes, Rousseau, Marx)

8. Werte I 

Werte und ihre Bedeutung für das menschliche Zusammenleben, Beziehung zwischen Werten und Moral, Unterschied zwischen Moral und Ethik

9. Werte II 

Wie verändern sich Werte, welche Rolle spielen sie in Transformationsprozessen, ist Nachhaltigkeit selbst ein Wert?

10. Gerechtigkeit I 

Unterschiedliche Auffassungen von Gerechtigkeit, Verbindung mit Zukunftsvisionen und Transformationskonflikten, konstruktivere Debatten führen 

11. Gerechtigkeit II 

Theoretische Konzepte der Gerechtigkeit, Relevanz für aktuelle gesellschaftliche Fragen

12. Verantwortung I 

Das Konzept der Verantwortung aus philosophischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive, von klassischen Positionen bis hin zu kulturtheoretischen Ansätzen 

13. Verantwortung II 

Wrap-Up / Ausblick Konferenzwoche

14. Wrap up and Ausblick 

Informationen zur Konferenzwoche und Prüfungsleistungen 

Seminar

In den gestaltungsorientierten auf Problemlösekompetenzen ausgerichteten Projektseminaren zu jeweils einem der vier Themenbereiche des Moduls betrachten je max. 35 Studierende einen oder mehrere spezifische Aspekte aktueller gesellschaftlicher Transformationsherausforderungen mit dem Ziel, zukunftsorientierte Lösungsansätze für diese zu entwickeln. Unter Nutzung inter- und transdisziplinärer Arbeitsweisen entwickeln und analysieren die Studierenden im Modus des Forschenden Lernens eigenständig Fragestellungen und stellen die Ergebnisse im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz (Konferenzwoche voraussichtlich 10. bis 12. März 2027) vor.

Sie sollen also: 

  1. erkennen, welche gesellschaftlichen Transformationsherausforderungen in dem entsprechenden Themenfeld bestehen.
  2. auf Grundlage dieser Erkenntnisse eine eigene relevante und bearbeitbare Fragestellung entwickeln sowie ein passendes Forschungsdesign erstellen, um diese Frage wissenschaftlich zu beantworten.
  3. ihr selbstentwickeltes Forschungsprojekt als Gruppe durchführen sowie die Ergebnisse kritisch reflektieren und auf geeignete Weise auf der Konferenzwoche und im Rahmen einer Seminararbeit als wissenschaftliches Paper präsentieren. 

Lehr- / Lernziele des Seminars

Die Studierenden:

  • kennen zentrale Konzepte des jeweiligen Themenbereiches. 

  • sind in der Lage, eine für das Themenfeld des Moduls (auch für Dritte) relevante Fragestellung zu entwickeln und zu bearbeiten. 

  • können gezielt Wissensbestände aus unterschiedlichen Disziplinen und bei Bedarf außerwissenschaftlichen Praxisfeldern, die für den Gegenstand sowie die Ziele und Fragen ihres Projekts relevant sind, aufarbeiten und zusammenführen. 

  • können mit Blick auf die Fragestellung ihres Projekts geeignete Methoden auswählen und anwenden sowie die Vor- und Nachteile dieser Methoden diskutieren.  

  • können ihre Ergebnisse zielorientiert aufbereiten und einem breiten Publikum präsentieren. 

  • erlangen die Fähigkeit, einzelne Ergebnisse in einen größeren Zusammenhang zu stellen und vor dem Hintergrund des erworbenen Wissens kritisch zu reflektieren. 

Didaktische Ausgestaltung des Seminars

Durchgeführt wird das Seminar im Modus des Forschenden Lernens, d. h. die Studierenden durchlaufen in Gruppen erste eigene Forschungsprojekte von der Entwicklung einer Fragestellung, dem Verfassen eines Exposés hin zur Durchführung des Projektes und der anschließenden Präsentation der Ergebnisse auf der Konferenzwoche sowie der schriftlichen Darstellung ihres Forschungsprojekts in einer Seminararbeit als wissenschaftliches Paper.

Übung

Die Übung bezieht sich auf einen der vier Themenbereiche des Moduls, indem sie sich mit Denkfiguren und Konzepten auseinandersetzt, die helfen die kulturelle, gesellschaftliche und historische Bedingtheit aktueller Zustände und Herausforderungen gesellschaftlichen Zusammenlebens zu verstehen. Zu diesem inhaltlichen Schwerpunkt kommt eine vertiefte Auseinandersetzung mit Aspekten des wissenschaftlichen Arbeitens, die ebenfalls vor allem ein Verständnis für Zusammenhänge und Herkünfte von Konzepten, Meinungen und Theorien ermöglichen soll. So sollen die Studierenden lernen, im Sinne des kritischen Denkens, die eigenen Annahmen zu hinterfragen und auf zugrundeliegende Konzepte und Ideologien zu überprüfen.

Sie sollen also: 

  1. erkennen, welche Annahmen sie und andere haben und diese auf ihre Gültigkeit überprüfen, auch, indem sie die Perspektive wechseln.
  2. erkennen, welche Werte und Intentionen diesen Annahmen und ihrer Bewertung zugrunde liegen.
  3. erkennen, unter welchen Bedingungen die Bewertung der Annahme stattfindet und diese mit einbeziehen.

Lehr- / Lernziele der Übung

Die Studierenden: 

  • kennen zentrale Konzepte des jeweiligen Themenbereiches.
  • können das eigene Denken reflektieren. Sie können eigene Theorien, Haltungen und Meinungen kritisch hinterfragen.
  • können (kritische) Fragen entwickeln.
  • können die Struktur von Argumentationen erkennen und nachvollziehen. Sie können Texte kontextualisieren und damit verbundene Intentionen herausarbeiten.
  • können ihre Gedanken in eine verständliche schriftliche Form bringen und dabei die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis beachten.
  • kennen die Gründe für gegenseitiges Zitieren.

Didaktische Ausgestaltung der Übung

Didaktisch ist die Übung an Prinzipien der schreibintensiven Lehre ausgerichtet und soll die Studierenden zum selbständigen und kritischen Denken und Reflektieren ermutigen und es ihnen so erlauben, einen entsprechenden Habitus zu entwickeln. Es braucht also geeignete Austauschformate, die Raum für eigene Überlegungen und den Diskurs untereinander lassen. 

Die Übungen sollen die Seminare und die Vorlesung stützen, indem die Studierenden sich mit wesentlichen Konzepten innerhalt des von Ihnen gewählten Themenbereiches vertraut machen. Deshalb sind Texte, Leitfragen, Lehr-/Lernziele und Materialien aus dem Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens und kritischen Denkens zentral vorgegeben und müssen in allen Übungen gleichermaßen umgesetzt werden. 

Transformation: Lernziele und Lektürehinweise

Leitfragen

  • Was versteht man unter Transformation in Abgrenzung zu anderen Begriffen (Revolution, Reform, Transition)? 

  • Was bedeutet es, über Transformationen nachzudenken, die den traditionellen menschlichen und politischen Horizont überschreiten? 

  • Kann es Transformation ohne Diskontinuität geben, also ohne die vollständige Aufhebung des vorherigen Zustands? 

  • Was bedeutet das Problem historischer Transformationen? Wie sind lokale und globale Veränderungen miteinander verknüpft? Auf welche Weise beeinflusst die Vergangenheit die Gegenwart? Was können wir aus historischen Transformationen lernen? 

  • Welche Rolle spielt die Menschheit bei der Transformation des Planeten? 

  • Wie lassen sich Veränderungsprozesse gestalten und beeinflussen? Welche Rolle kann Wissenschaft dabei spielen? 

Lehr-/Lernziele

Die Studierenden: 

  • haben eine historisch-philosophische Grundlage für das Konzept Transformation. 

  • können Transformation ideengeschichtlich von anderen Begrifflichkeiten unterscheiden. 

  • kennen die Zielrichtung von Transformationsforschung und transformativer Forschung und können diese voneinander unterscheiden.

  • können sich in der Kontroverse um „transformative Wissenschaft“ positionieren.

Texte 

verpflichtend / optional

  1. DipeshChakrabarty, Europa als Provinz, Perspektiven postkolonialer Geschichtsschreibung, Campus, Frankfurt am Main, 2010, Das Kapitel mit dem Titel: Europa provincialisieren: Postkolonialität und die Kritik der Geschichte, S. 41-66.
  2. Hannah Arendt, Über die Revolution. Hg. Th. Mayer, Piper, München, 1965: Einleitung: Krieg und Revolution, S. 12-26.
  3. Geels, F. W., Sovacool, B. K., Schwanen, T., & Sorrell, S. (2017). Sociotechnical transitions for deep decarbonization. Science, 357(6357), 1242–1244. https://doi.org/10.1126/science.aao3760
  4. Wittmayer, J., Hölscher, K., Wunder, S. & Veenhoff, S. (2018). Transformation research: Exploring methods for an emerging research field (Texte 01/2018). Umweltbundesamt für Mensch und Umwelt.

Werte: Lernziele und Lektürehinweise

Leitfragen

  • Woher stammen Werte? Brauchen wir Werte überhaupt? Welche Rolle spielen sie im ethischen Denken? 

  • Welchen Zusammenhang haben Werte und Kulturen? Wie prägen Werte Lebensformen? Sind sie universell oder kulturrelativ? Wenn sie kulturrelativ sind, wie werden sie gesetzt? Wer bestimmt die Gültigkeit von Werten? Ist Moral relativ? Wie hängen Werte und Normen zusammen? 

  • Welche Werte sind bei der Gestaltung von Veränderungsprozessen zu berücksichtigen, etwa um sie „gerecht“ und „fair“ zu gestalten? Inwiefern stellt Nachhaltigkeit als Ziel von Zukunftsgestaltung selbst einen Wert dar? Welche Zukünfte sind wünschenswert, welche nicht? 

  • Wie lassen sich Werte empirisch „messen“? Wie beeinflussen Werte unser Handeln?  

  • Wie gehen wir mit Wertkonflikten um, insbesondere im Kontext von Transformationen? Wie können wir miteinander Werte verhandeln?

Lehr-/Lernziele

Die Studierenden: 

  • verstehen, was Werte sind, wie sie funktionieren und welche Rolle sie in Gesellschaften und Individuen spielen.

  • kennen mit Universalismus und Relativismus zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die Entstehung von Werten und können diese einordnen.  

  • können die ordnende Rolle von Werten in einer Gesellschaft beschreiben und hinterfragen.  

  • können die Werthaftigkeit und zugrunde liegende Wertsetzungen in Nachhaltigkeits- und Transformationskontroversen analysieren und benennen.  

  • kennen Dynamiken und Muster (Trends) in Verschiebungen von Werten.  

  • können zwischen hedonistischen, altruistischen, biosphärischen und egoistischen Werten unterscheiden und ihren Einfluss auf nachhaltigkeitsbezogenes Verhalten theoretisch erklären.  

Texte 

verpflichtend / optional

  1. Deleuze, G. (1988). Spinoza: Praktische Philosophie. Internationaler Merve-Diskurs. Bd. 139. Kap.3 (auch in Englisch) 

  2. Nussbaum, Martha C.: Nicht-relative Tugenden: Ein aristotelischer Ansatz. In: Martha C. Nussbaum (Hg. Herlinde Pauer-Studer) (2023): Gerechtigkeit oder: Das gute Leben. Berlin: Suhrkamp Verlag, S. 227–264. ISBN 978-3-518-11739-2. 

  3. Bouman, T., Steg, L., & Perlaviciute, G. (2021). From values to climate action. Current Opinion in Psychology, 42, 102–107. https://doi.org/10.1016/j.copsyc.2021.04.010

  4. Horcea-Milcu, A.‑I., Abson, D. J., Apetrei, C. I., Duse, I. A., Freeth, R., Riechers, M., Lam, D. P. M., Dorninger, C., & Lang, D. J. (2019). Values in transformational sustainability science: four perspectives for change. Sustainability Science, 25(4489), 250. https://doi.org/10.1007/s11625-019-00656-1

Verantwortung: Lernziele und Lektürehinweise

Leitfragen

  • Was verstehen wir unter Verantwortung?

  • Wie hängen Verantwortung und Freiheit zusammen? 

  • Wer hat wofür Verantwortung und wem gegenüber gilt die Verantwortung? Wer übernimmt Verantwortung für Vergangenes, wer für Zukünftiges?

  • Welche Verantwortung tragen welche Teile einer Gesellschaft für eine gelingende Transformation?

  • Wie wird Verantwortung hergestellt und zugewiesen? Wieso fühlen wir uns verantwortlich für etwas?

Lehr-/Lernziele

Die Studierenden: 

  • können Tendenzen und Mechanismen der Responsibilisierung von gesellschaftlichen Gruppen benennen. 

  • sind mit Problemen der Verantwortungsattribution im Nachhaltigkeitskontext vertraut und können Ansätze reflexiver Responsibilisierung als Gestaltungsoptionen nutzen. 

  • können zentrale Konzepte von Verantwortung (individuell vs. kollektiv, ethisch vs. politisch, diskursiv vs. affektiv) benennen und unterscheiden. 

  • verstehen, dass Verantwortung kulturhistorisch und gesellschaftlich ausgehandelt wird.  

Texte 

verpflichtend / optional

  1. Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation.Frankfurt am Main: Insel Verlag 1979 / Suhrkamp 1984, (insbesondere siehe den Teil: “Über Zwecke und ihren Status in der Realität / 4. Das Gute, das „Soll“ und das Sein: Eine Theorie der Verantwortung). 

  2. Sartre (2023). Der Existenzialismus ist ein Humanismus: und andere philosophische Essays 1943-1948. Rowohlt Verlag. S.117-142. 

  3. Giesler, M., & Veresiu, E. (2014). Creating the Responsible Consumer: Moralistic Governance Regimes and Consumer Subjectivity. Journal of Consumer Research, 41(3), 840–857. https://doi.org/10.1086/677842 

  4. Grunwald, A. (2011). On the Roles of Individuals as Social Drivers for Eco-innovation. Journal of Industrial Ecology, 15(5), 675–677. https://doi.org/10.1111/j.1530-9290.2011.00395.x

Gerechtigkeit: Lernziele und Lektürehinweise

Leitfragen

  • Welche Vorstellungen von Gerechtigkeit kommen zusammen, wenn wir in Transformationsprozessen darum, wohin wir uns wie entwickeln sollten als Gesellschaft? 

  • Wie unterscheiden sich verschiedene Gerechtigkeitsverständnisse?

  • Wie sind sie mit verschiedenen Zukunftsvorstellungen verbunden und welche Transformationskonflikte entstehen dadurch? 

  • Was ist Gerechtigkeit?

  • Welche Typen von Gerechtigkeit gibt es?

  • Welche Rolle spielen inter- und intragenerationelle Gerechtigkeit?

Lehr-/Lernziele

Die Studierenden: 

  • kennen verschiedene Konzepte von Gerechtigkeit und können die unterschiedlichen Dimensionen sozialer Gerechtigkeit voneinander abgrenzen.  

  • können unterschiedliche Gerechtigkeitskonzepte und ihre Bewertung als Ursache für beispielhafte Transformationskonflikte analysieren und benennen.  

  • können sich gemäß ihrer eigenen Gerechtigkeitsvorstellungen positionieren.  

Texte 

verpflichtend / optional

  1. Chomsky, N., & Foucault, M. (2006). The Chomsky-Foucault debate: On Human Nature. The New Press.

  2. John Rawls: A Theory of Justice, Kapitel 1, §§ 1 und 2: The Role of Justice und The Subject of Justice.  

  3. Haughton, G. (1999). Environmental Justice and the Sustainable City. Journal ofPlanning Education and Research, 18(1), 233–243. https://doi.org/10.1177/0739456X9901800305 

  4. McCauley, D., Quintavalla, A., Prifti, K., Binder, C., Broddén, F., & van den Brink, H. (2024). Sustainability justice: a systematic review of emergent trends and themes. Sustainability Science, 19(6), 2085–2099. https://doi.org/10.1007/s11625-024-01565-8

Prüfungsleistung im Modul

Die Prüfungsleistung besteht aus einer kombinierten wissenschaftlichen Arbeit, die aus den drei Teilen Portfolio, Präsentation auf der Konferenzwoche und Seminararbeit als wissenschaftliches Paper besteht.  

Das Portfolio wird in der Übung verfasst und umfasst neben Elementen aus dem Bereich des wissenschaftlichen Arbeitens vor allem inhaltliche Reflexionen. Hinzu kommen Studienreflexionen, die sich sowohl als Metareflexion auf das wissenschaftliche Arbeiten als auch auf die eigene Weiterentwicklung und die Verbindung der Modulinhalte mit dem weiteren Studium beziehen können. Diese reflexiven Elemente binden dabei auch das Projektseminar und die Vorlesung mit ein. Die Ausgestaltung dieser Artefakte wird von Modulseite vorgegeben und ist somit für alle Studierenden gleich. 

Die Ergebnisse des im Seminar durchgeführten Projektes werden auf der Konferenzwoche präsentiert und im Rahmen einer Seminararbeit in Anlehnung an ein wissenschaftliches Paper verschriftlicht.

Zeiten

    • Dienstag 08:15 – 09:45 Uhr 

    • Freitag 08:15 – 09:45 

    • Freitag 10:15 – 11:45 

    • Freitag 12:15 – 13:45 Uhr 

    • Freitag 14:15 – 15:45 Uhr 

    • Freitag 16:15 – 17:45 

    • Freitag 18:15 – 19:45 Uhr 

Seminare und Übungen können auch 14-tägig angeboten werden, Blockseminare sind aus didaktischen Gründen nicht vorgesehen. 

Die Vorlesung findet dienstags von 10:15 – 11:45 Uhr statt.

Weitere Anforderungen

Der Lehrauftrag umfasst:

  • die Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltung 

  • die Unterstützung der Studierenden durch das Angebot von Sprechstunden 

  • die Abnahme und Korrektur der Prüfungsleistung und ein entsprechendes Feedback an die Studierenden 

  • die verpflichtende Teilnahme an Weiterbildungs- und Informationsveranstaltungen zur Lehre im Modul 

  • Für die SEMINARE gehört dazu auch die Teilnahme an der Konferenzwoche (voraussichtlich 10.-12.03.2027). 

Weiterbildung

Einführender Lehrendenworkshop am 10. September 2026

Für die Gestaltung der Lehre im Transformationsmoduls benötigen die Lehrenden umfassende Kenntnisse in Bezug auf die inhaltliche Ausgestaltung (u.a. die Verknüpfung zu den Vorlesungsinhalte und den vier Themenbereiche jeweils in Übung bzw. Seminar, die Kopplung von Übungen und Seminaren, das Konferenzwochenthema) sowie die didaktischen Anforderungen (u.a. wiss. Arbeiten bzw. Forschendes Lernen und Erreichen der Lernziele wie insbesondere kritisches Denken, Reflexionskompetenz, Nachhaltigkeitskompetenzen).  

Daher bieten wir für unsere neuen Lehrenden eine Kombination einer blended-Learning Einheit über Moodle und eines eintägigen Lehrenden-Workshops am 10.09.2026 in Präsenz auf dem Campus der Leuphana an. Die blended-Learning Einheit vermittelt grundlegende Informationen zur Lehre im Leuphana Semester und im Transformationsmodul. Der Lehrenden-Workshop bietet insbesondere Raum für eine (Weiter-)Entwicklung der Lehrkonzepte sowie den Austausch aller Lehrenden zur Arbeit im Modul – sowohl innerhalb der Übungen bzw. Seminare als auch darüber hinweg. 

Die Reisekosten für die Präsenzveranstaltung werden übernommen. 

Honorare & Kosten

Übung

Der Lehrauftrag umfasst die Vor- und Nachbereitung der Übung sowie die Korrektur der Prüfungsleistung (Portfolio). 

    • Lehrbeauftragte mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium: 40,00 Euro/SWS 

    • Habilitierte und promovierte Lehrbeauftragte: 55,00 Euro/SWS 

    • Professor*innen: 70,00 Euro/SWS 

Ein Lehrauftrag umfasst dabei 14 Sitzungen x 2 SWS (1 Semesterwochenstunde entspricht 45 Minuten) 

Externen Lehrbeauftragten können bei Einreichung der Originalbelege Reise- und Unterkunftskosten auf Antrag bis max. 350 Euro pro Übung pro Semester erstattet werden.

Ausführliche Informationen dazu finden Sie unter Lehrauftrag.

Seminar

Aufgrund des erhöhten Betreuungsaufwands, insbesondere durch die Konferenzwoche, werden Lehraufträge in den Seminaren mit 1,5-fachem Stundensatz vergütet (entspricht 3 SWS). Der Lehrauftrag umfasst die Vor- und Nachbereitung des Seminars, inklusive der Gestaltung der Beiträge zur Konferenzwoche sowie die Korrektur der Prüfungsleistung (Präsentation und Seminararbeit).  

  • Lehrbeauftragte mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium: 60,00 Euro/SWS 

  • Habilitierte und promovierte Lehrbeauftragte: 82,50 Euro/SWS 

  • Professor*innen: 105,00 Euro/SWS 

Ein Lehrauftrag umfasst dabei 14 Sitzungen x 2 SWS (1 Semesterwochenstunde entspricht 45 Minuten) sowie die Anwesenheit auf der Konferenzwoche.

Externen Lehrbeauftragten können bei Einreichung der Originalbelege Reise- und Unterkunftskosten auf Antrag bis max. 500 Euro pro Seminar pro Semester erstattet werden. Bitte kalkulieren Sie bei den Reise- und Hotelkosten auch die Konferenzwoche im März 2027 ein. In der Regel fallen hier An- und Abreise sowie ein bis zwei Übernachtungen an.

Ausführliche Informationen finden Sie unter Lehrauftrag.

Bewerbungsprozess

Bitte reichen Sie Ihre Bewerbung für einen Lehrauftrag bis spätestens 29.03.2026 über das Online-Formular ein. Eine offizielle Rückmeldung erhalten Sie von uns für die Seminare bis spätestens Ende Juni 2026 und für die Übungen bis spätestens Anfang August 2026.

Bewerbungsunterlagen

Sollten Sie zum ersten Mal einen Lehrauftrag anbieten, benötigen wir folgende Unterlagen von Ihnen:  

  • Personalbogen
  • Kurzlebenslauf
  • Publikationsliste
  • Nachweis über Ihre Lehrbefähigung

Kontakt

Bitte zögern Sie nicht, uns bei konkreten Fragen oder mit ersten Ideen für ein Lehrangebot anzusprechen wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme!

 

Ansprechpartnerinnen

Dr. Laura Picht-Wiggering
Dr. Lina Bürgener

transformationsmodul@leuphana.de