Erfahrungsberichte vom Bachelor Studium Individuale

Auf dieser Seite finden Sie Erfahrungsberichte zum Bachelor Studium Individuale am Leuphana College.

Genderforschung, Pädagogik und queere Perspektiven: Wie Charlie Weißer sein akademisches Profil aufbaute

©Leuphana/Tengo Tabatadze
Charlie Weißer hat sein Studium mit einem klaren thematischen Schwerpunkt gestaltet. Von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit bei SCHLAU Lüneburg bis hin zu seinem Auslandsstudium am Kalamazoo College verbindet er akademische Tiefe mit sozialem Engagement. Ein Beispiel für strategische Selbstbestimmung und zielgerichtete Studiengestaltung.

Journalismus oder Studium Individuale? Charlie Weißer hat nach dem Abi gleich zwei Zusagen für spannende Studienplätze erhalten. Am Ende fiel ihm die Wahl leicht: „Als ich vom Studium Individuale erfahren habe, war ich sofort begeistert, weil ich dachte: In diesem Programm kann ich all meine Interessen verbinden.“

Das Studium Individuale fordert Studierende auf, einen erheblichen Teil ihres Curriculums frei und selbstverantwortlich zu gestalten. Dabei wählen sie eine Frage, die sie mit Hilfe ihrer Seminare und Vorlesungen beantworten möchten. Charlie Weißer interessiert sich insbesondere für Gender Studies und Bildungswissenschaften. Nach dem Abi absolvierte er einen Bundesfreiwilligendienst bei der Aidshilfe in Hamburg, wo er in der Bildungsarbeit und im Social-Media-Bereich tätig war: „Heute ist HIV medizinisch gut behandelbar. Das Problem sind oft nicht mehr die Medikamente, sondern Vorurteile und fehlendes Wissen. Bildungsarbeit kann da sehr viel bewirken.“

Die Themen Identität, gesellschaftliche Fragen, Bildungsarbeit und der Wunsch, mit seiner Arbeit Aufmerksamkeit auf gesellschaftliche Themen zu lenken, ziehen sich durch sein ganzes Studium. Mittlerweile steht der 23-Jährige kurz vor seinem Abschluss. In seiner Bachelor-Arbeit möchte Charlie Weißer diese Themen bündeln: Geplant sind qualitative Interviews mit trans Personen aus Lüneburg zu ihren Erfahrungen mit HIV-Aufklärung.

Parallel engagierte er sich vier Semester lang ehrenamtlich bei SCHLAU Lüneburg, einer Initiative, die Workshops zu Antidiskriminierung und LGBTQIA+-Themen an Schulen anbietet. „Wir sind in Klassen gegangen und haben Workshops angeboten. Das hat mir unglaublich viel Spaß bereitet – und mir gezeigt, dass ich auf jeden Fall mit Menschen arbeiten möchte.“ 

Im Studium Individuale lernen die Studierenden, einen klaren Plan für ihr Studium zu entwickeln und werden intensiv beraten durch Reflektionsübungen, Wochenend-Retreats und individuelle Gespräche. Dazu kommen die Kernmodule in jedem Semester. Entsprechend ihrer Ausgangsfrage wählen die Studierenden individuell ihre Vorlesungen und Seminare aus dem gesamten Angebot der Universität im Bachelor-Bereich. Die Verantwortung wird belohnt: „Jede Vorlesung, jedes Seminar habe ich selbst ausgesucht, so dass ich nur Kurse besucht habe, die mich wirklich interessieren“, sagt Charlie Weißer. Besonders prägend waren für ihn Lehrveranstaltungen zu Inklusion, queerfeministischen Perspektiven und digitaler Queer Culture. 

Ein besonderer Abschnitt seines Studiums führte Charlie Weißer für zwei Semester nach Michigan an das Kalamazoo College, eine Partner-Universität der Leuphana. Dort studierte er nicht nur, sondern arbeitete gleichzeitig als Teaching Assistant für Deutsch – fünf Stunden pro Woche, inklusive Unterkunft und Verpflegung.

Neben vielen Kursen in Gender Studies nutzte er auch dort die Freiheit, um Neues auszuprobieren: Französisch, Psychologie, Schauspiel. Gleichzeitig schärfte er sein Profil: Er beschäftigte sich unter anderem mit Performance als politischem Werkzeug in der AIDS-Aktivismusbewegung der 1980er und 90er Jahre. In einem Kurs präsentierte er einen Monolog aus einem Theaterstück über AIDS, Trauer und Erinnerung.

Für die Zeit nach dem Bachelor kann er sich unterschiedliche Wege vorstellen: Bildungs- und Beratungsarbeit oder Mitarbeit bei queeren Medien. Um herauszufinden, was am besten zu ihm passt, plant er zunächst verschiedene Praktika zu absolvieren. Auch ein Masterstudium ist für ihn eine Option. 

Für Charlie Weißer war das Studium Individuale vor allem eines: ein Raum, um Fragen zu stellen, neugierig zu bleiben und Antworten systematisch nachzugehen: „Ich habe das Gefühl, dass ich mir mein Studium wirklich selbst aufgebaut habe – aus allem, was mir wichtig ist.“ 

Ein bewusster Kurswechsel: Johanna Hauck und das Streben nach akademischer Freiheit

©Leuphana/Ciara Charlotte Burgess
©Leuphana/Ciara Charlotte Burgess
©Leuphana/Ciara Charlotte Burgess

Der Berufsweg von Johanna Hauck schien vorgezeichnet: Schon mit 15 Jahren arbeitete sie beim ARD-Studio in Brüssel und absolvierte dann dort ein Praktikum. Später kümmerte sie sich als Schriftgrafikerin um die so genannten Bauchbinden, also die Einblendungen am unteren Bildrand. Dann wechselte sie zu Discovery Communication. Das Unternehmen betreibt Sender wie DMAX oder Tele 5. Auch dort war sie für die Technik zuständig und gestaltete Episodenbilder für die Streaming-Plattform. Die Deutsche wuchs in Brüssel auf, legte dort ihr internationales Abitur ab und spricht mehrere Sprachen. Die Entscheidung für das Studium B.A. Film und Fernsehen in München schien logisch: „Ich hatte bereits so oft hinter der Kamera gearbeitet“, sagt die 22-Jährige.

Aber schon nach einem Semester zweifelte Johanna Hauck: „Meine Kommilitonen hatten eine Vision, von ihrer Zukunft vor oder hinter der Kamera. Mir fehlte so etwas.“ Nach einem Jahr brach sie das Studium ab und fiel erst einmal in ein Loch. „Zeitgleich brach die Pandemie aus. Es war nicht leicht“, erinnert sich Johanna Hauck. Aber sie nutzte den Lockdown, besuchte Online-Kurse, um ihre Interessen auszuloten und beschaffte sich Infomaterial von unterschiedlichen Studiengängen und Universitäten: „Am Ende hatte ich fünf Ordner voll mit Material.“

Die Leuphana und das Programm B.A. Studium Individuale waren auch dabei: „Ich konnte erst gar nicht glauben, dass es so ein Studienprogramm gibt. Ich kann meine Interessen voll einbringen und muss keine Kompromisse machen.“ Das Studium Individuale fordert Studierende auf, einen erheblichen Teil ihres Curriculums frei und selbstverantwortlich zu gestalten und sich mit zentralen Fragen und Problemen der Gegenwart auseinanderzusetzen.

Aber Johanna Hauck konnte nicht sofort starten: Der B.A. Studium Individuale gehört zu den gefragtesten Studiengängen am Leuphana College, das heißt es gibt jedes Jahr mehr Bewerber*innen als Studienplätze zur Verfügung stehen. „Bei meiner ersten Bewerbung klappte es nicht“, berichtet sie. Doch der zweite Versuch war erfolgreich. Mittlerweile kommt Johanna Hauck ins dritte Semester und zweifelt nicht an ihrer Entscheidung: „Das Warten hat sich gelohnt. Meine Schwerpunkte sind Psychologie und Soziales. Ich würde später gern etwas für und mit Menschen tun.“ Sie denkt über eine Selbstständigkeit nach, weshalb Johanna Hauck bald auch Kurse zur Betriebswirtschaft belegen möchte. Zu Beginn jeden Semesters sitzt die Studentin in rund 15 Seminaren und Vorlesungen. Sie prüft, welche Veranstaltungen die richtigen für sie sind. „Was nicht in mein Portfolio passt, gebe ich wieder ab. Bis jetzt fühlte sich jede meiner Entscheidungen richtig an“, sagt Johanna Hauck. Doch die Freiheit bringt auch Verantwortung mit sich. Deshalb fokussiert und reflektiert die Studentin ihre Wahl: „Beim Studium Individuale lernt man viel über sich selbst.“ Gleichzeitig werden die Studierenden des Programms regelmäßig von Lehrenden begleitet und beraten. Zudem gibt es in jedem Semester ein Kernmodul etwa zu den Themen Freiheit, Methoden der Kultur und Kritik oder Prokrastination und Motivation, an dem alle Studierende des B.A. Studium Individuale teilnehmen.

Nach ihrem Umweg über München ist Johanna Hauck in Lüneburg ganz angekommen. Sie engagiert sich bei der Internationalen Studierendeninitiative I:SI und ist unter anderem Peer-Beraterin für Erstsemesterstudierende im B.A. Studium Individuale. „Bei der Studienwahl bin ich von der Leuphana selbst sehr unterstützt worden und habe unter anderem das Angebot ,Ask a student‘ genutzt, bei der Studierende Interessierte per Zoom bei ihrer Studienwahl unterstützen. So habe ich meinen Weg gefunden und möchte als studentische Botschafterin auch anderen dabei helfen.“

Bildung, Klima, Mitbestimmung: Wie Emma Steinbrück Nachhaltigkeit und Politik miteinander verbindet

©Leuphana/Tengo Tabatadze
Von ehrenamtlichen Tätigkeiten in Nordirland bis hin zur Arbeit in Ausschüssen der Deutschen UNESCO-Kommission verbindet Emma Steinbrück wissenschaftliche Forschung mit bürgerschaftlichem Engagement. Im Studium Individuale verbindet sie Umweltwissenschaften, Bildung für nachhaltige Entwicklung und rechtliche Perspektiven. Ein Porträt von interdisziplinärem Denken und politischer Verantwortung.

Nach dem Abitur ging Emma Steinbrück für ein Jahr nach Nordirland: „Ich habe dort einen Freiwilligendienst in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen absolviert.“ Danach schien der Studienwunsch klar zu sein: Emma Steinbrück schrieb sich an einer Fachhochschule ein für „Integrative Gesundheitsförderung“. „Viele Inhalte waren interessant, aber für mich bot diese Art des Studierens nicht genügend Freiraum und Flexibilität“, erinnert sich die Studentin. 

Nach dem Abitur ging Emma Steinbrück für ein Jahr nach Nordirland: „Ich habe dort einen Freiwilligendienst in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen absolviert.“ Danach schien der Studienwunsch klar zu sein: Emma Steinbrück schrieb sich an einer Fachhochschule ein für „Integrative Gesundheitsförderung“. „Viele Inhalte waren interessant, aber für mich bot diese Art des Studierens nicht genügend Freiraum und Flexibilität“, erinnert sich die Studentin. 

Sie suchte nach einem Programm, das sie besser mit ihrem politischen Engagement verbinden kann und stieß auf das Studium Individuale am Leuphana College. Das Programm fordert Studierende auf, einen erheblichen Teil ihres Curriculums frei und selbstverantwortlich zu gestalten. Dabei wählen sie eine Frage, die sie mit Hilfe ihrer Seminare und Vorlesungen beantworten möchten. Emma Steinbrück beschäftigt sich insbesondere mit Bildung für eine nachhaltige Entwicklung und politischer Nachhaltigkeit. „Ich habe die große Chance, meine Neugierde zu stillen und Verknüpfungen herzustellen, die sonst nicht möglich gewesen wären. Beispielsweise kann ich Umweltwissenschaften und Bildung für Nachhaltige Entwicklung miteinander verbinden oder mich mit Klimaanpassung aus kulturwissenschaftlicher Perspektive beschäftigen. Im Leuphana Law Lab habe ich mehr über nachhaltige Gesetzgebung erfahren“, berichtet Emma Steinbrück. Sie hatte nie das Gefühl, allein mit ihren Entscheidungen zu sein: „Ich bin über meinen ganzen Studienweg gut begleitet worden und arbeite mittlerweile selbst als peer advisor.“

Die gebürtige Kasselerin besuchte eine UNESCO-Projekt-Schule. Daraus ging ein Engagement bei der deutschen UNESCO Kommission hervor. Heute ist sie in mehreren Gremien tätig, und engagiert sich bei der deutschen LCOY (Local Conference of the Youth) für Klimaschutz und Klimabildung und ist unter anderem für die Vernetzung mit verschiedenen Jugendorganisationen und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. „Gerade arbeiten wir gemeinsam an einem Positionspapier anlässlich der Bundestagswahl“, berichtet die 23-Jährige. 

Im vergangenen Jahr haben die jungen Menschen zum Beispiel mit Robert Habeck diskutiert, wie klimagerecht das Heizungsgesetz ist. „Gesellschaftlich relevante Themen brauchen auch eine junge Stimme“, sagt Emma Steinbrück. Mit ihrer Gremien- und Verbandsarbeit will sie die Interessen junger Menschen stärken. „Das Schönste am Studium und Engagement sind die interessanten Menschen mit denen ich zusammenarbeiten darf.“ 

Mittlerweile ist Emma Steinbrück im fünften Semester und plant ihre Bachelorarbeit zu Jugendbeteiligungsformate an Bundesministerien: „Leadership lernt man nicht in der Schule, sondern in Jugendorganisationen.“ 

Annastassia Schwan - Nicht weil ich muss, sondern weil ich will

©Leuphana Universität Lüneburg
In Indonesien aufgewachsen, zog sie für ihre akademische Ausbildung nach Europa. Mit dem Studium Individuale an der Leuphana Universität Lüneburg möchte Annastassia Schwan nicht nur konkrete Fragen beantworten. Sie will sich auch persönlich weiterentwickeln.

Soziologie? Psychologie? Oder Philosophie? Keines dieser Fächer allein kann Annastassia Fragen beantworten. „Ich interessiere mich für die sich ständig verändernde soziale Dynamik, die um uns herum existiert. Durch interkulturelle Forschung, Soziologie und Psychologie möchte ich ,human sexuality' besser verstehen: Wie und warum ist sie so vielfältig? Warum ist sie in unserer Gesellschaft ein solches Tabu? Wie kann sie sich auf unser Selbst- und Fremdbild auswirken? Und wie können wir diesen Tabudiskurs in einen fruchtbareren und offeneren Diskurs verwandeln?“, erklärt die 22-jährige Studentin. 

Sie lernte die Liberal Education durch Freund*innen kennen. Der Begriff steht für ein intensives, eigenständiges Studium, das auf individuelles Lernen ausgerichtet ist. Breite und Tiefe sollen sich gegenseitig ergänzen. Im Studium Individuale sind die Studierenden für die Auswahl der Lerninhalte selbst verantwortlich. Daraus ergibt sich ein bestimmter Fragenkatalog, den sie während des Studiums möglichst umfassend beantworten wollen. Das individuelle Studienprogramm bedeutet mehr Wahlfreiheit für die Studierenden, aber auch mehr Verantwortung. Für Annastassia ist diese Kombination spannend und herausfordernd zugleich: „Manchmal wünsche ich mir einen vorgefertigten Stundenplan; die Auswahl aus so vielen verschiedenen Optionen ist manchmal ein Hindernis, aber kleine Rückschläge lohnen sich, wenn ich der Beantwortung meiner zentralen Fragen näherkommen möchte. Ich besuche einen Kurs nicht, weil ich muss, sondern weil ich will.“ 

Seit sie in Europa studiert, sieht sie ihre Familie nur noch selten. Ihre Eltern und ihr Bruder leben auf Bali. Ihr Vater ist Deutscher und vor 30 Jahren nach Indonesien ausgewandert. Dort lernte er Annastassia Mutter kennen: „Meine Familie vermisst mich, versteht aber, dass die Möglichkeiten hier besser zu meinen Interessen passen.“ Die Niederlande gehören zu den Pionieren in der Liberal Education, weshalb Annastassia dort ihr Studium begann: „Der Studiengang gefiel mir, aber die Stadt war nicht die richtige für mich. Ihre Suche führte sie zur Leuphana: „Die Universität ist nicht zu klein, aber auch nicht zu groß. Es ist eine eng verbundene Gemeinschaft, und alle sind motiviert und engagiert.“

Annastassia engagiert sich unter anderem in der Fachgruppenvertretung des Studiums Individuale. Außerdem war sie „Peer Advisor“. In diesem Programm unterstützen Studierende aus höheren Semestern Studienanfänger*innendabei, den einzigartigen Studiengang zu verstehen, sich einzuleben und kennen zu lernen. Daher kann sie sich vorstellen, als Coach und Beraterin zu arbeiten. Vorher möchte sie jedoch zunächst einen Master-Abschluss in Sozialwissenschaften erwerben.

Im vergangenen Herbst begann ihr Auslandssemester an der University of Warwick in England: „Dort hatte ich die Gelegenheit, andere Fächer zu belegen, was für mein Studium sehr bereichernd ist.“ An der Leuphana studiert sie vor allem auf Englisch: „Wenn ein spannendes Seminar nur auf Deutsch angeboten wird, sind die Dozenten meist sehr entgegenkommend“, berichtet sie. Dann werden etwa Prüfungsformate auch auf Englisch angeboten. Doch die Zeit an der Leuphana ist für sie nicht nur von akademischem Nutzen. „Die Welt ist nicht schwarz-weiß und kategorisch, alles ist miteinander verflochten und die Menschen sind alle sehr unterschiedlich. Das Studium Individuale verleiht mir verschiedene Perspektiven, ohne dabei ein zentrales Thema aus den Augen zu verlieren. Dadurch erhalte ich nicht nur eine aufschlussreiche akademische Perspektive, sondern auch einen Einblick in meine Weltanschauung. Es bringt mich dazu, mich im Alltag kritisch auseinanderzusetzen und das, was ich für wahr halte, neu zu bewerten".

Jannis Köster - You Decide

©Jannis Köster
Eine Rede beim Info-Tag überzeugte den 23-Jährigen am Leuphana College das Studium Individuale zu beginnen. Jetzt schreibt er seine Bachelorarbeit und berichtet über seine Erfahrungen.

Ein Versprechen von Freiheit brachte Jannis an die Leuphana. Beim Info-Tag des College schnupperte der damals 19-Jährige in mehrere Vorträge hinein. Umweltwissenschaften fand er spannend. Kulturwissenschaften reizten ihn. Aber bei der Vorstellung des Studium Individuale hörte er besonders genau hin: „,You decide!“`, sagte der Vortragende und bezog sich damit auf die freie Entscheidung, die im Studium an erster Stelle steht“, erinnert sich Jannis. Der damalige Abiturient fand diesen Spruch ebenso provokant wie spannend. „Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, wie es gewesen wäre, hätte ich nicht so frei studiert, wie ich es getan habe.“

Gerade schreibt der 23-Jährige seine Bachelor-Arbeit im Studium Individuale. Sie ist ein weiteres Puzzleteil zur Beantwortung seiner Frage: Wie lassen sich Nachhaltigkeitstransformationen in unserer modernen Gesellschaft umsetzen? Jede*r Studierende des Bachelor-Programms „Studium Individuale“ wählt im Laufe seines*ihres Studiums eine Frage, die er oder sie sich beantworten möchten. Die Kurse werden passend dazu aus dem kompletten Kursangebot der Universität frei gewählt. „Mir war es wichtig, das Thema Nachhaltigkeit von möglichst vielen Seiten zu betrachten“, sagt Jannis. Er studierte die Grundlagen sowohl von gesellschaftswissenschaftlicher als auch naturwissenschaftlicher Seite, beschäftigte sich mit Klimatologie ebenso wie mit philosophischen Freiheitsbetrachtungen. Auch Rechnungswesen gehört zu seinem Fächerkanon. „Während der Schulzeit war ich ein Jahr lang in Amerika. Damals riet mir der Vater eines Freundes: ,Lerne Bilanzen zu lesen, dann verstehst Du eine Menge mehr von der Welt. Nur so kannst du etwas bewegen‘“, erinnert sich Jannis. Auch wenn es manchmal sehr herausfordernd sei, seinen Studienweg selbst und verantwortlich zu planen, der Student bereut seine Wahl nicht: „Das Gefühl, keinen Bock auf die Uni zu haben, kenne ich einfach nicht. Ich habe ja jeden Kurs ganz bewusst gewählt.“

Das Studium hat Jannis auch persönlich verändert: „Ich werde immer politischer.“ Sitzt er nicht in Vorlesungen und Seminaren, liest er viel. Prägend fand er etwa die Bücher der Globalisierungskritikerin und Klimaaktivistin Naomi Klein. Seine Bachelor-Arbeit schreibt er bei Dave Abson, Juniorprofessor für Nachhaltigkeitsökonomie und -bewertung. Anhand einer Fallstudie über Simbabwe untersucht, inwieweit marktwirtschaftlich orientierte Strukturwandelprogramme in dem vormals linksorientierten Land die Wohlstandsentwicklung beeinflusst haben. „Das Ergebnis spricht gegen eine rein-marktwirtschaftliche Orientierung zur Steigerung von Wohlergehen und für die Wichtigkeit der Förderung von sozialen Komponenten“, erklärt. Ihn interessiert, wie alle Menschen ein gutes Leben führen können, ohne die Ressourcen des Planeten überzustrapazieren. Das Studium habe seine grundlegende Frage nach einer nachhaltigen Gesellschaft bereits gut beantwortet: „Aber mein Weg ist noch nicht zu Ende.“ Jannis will ihn an der Leuphana mit einem Master-Studium weitergehen.

Reflektieren und Vernetzen: Wie Vincent Gewert seinen interdisziplinären Lehrplan im Blick behält

©Teresa Halbreiter
Was braucht es, um Klimagerechtigkeit nicht nur zu analysieren, sondern sich auch politisch dafür einzusetzen? Vincent Gewert verbindet im Studium Individuale Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft und Nachhaltigkeitswissenschaft und bringt diese interdisziplinäre Perspektive in internationale Klimaverhandlungen ein.

Vincent Gewerts Semester sind rote Punkte. Davon führen Linien zu grünen Kreisen. In denen sind Schlagwörter zu lesen wie Green New Deal oder Philosophy of Nature. Sie stehen für Inhalte von Seminaren. Von den grünen Punkten führen Linien zu gelben Punkten. Darin stehen Begriffe wie Presenting, French oder Teaching. „Das sind Fähigkeiten, die ich in den jeweiligen Semestern und Modulen erworben habe“, erklärt Vincent Gewert. Der 23-Jährige studiert am Leuphana College Studium Individuale. Das Programm fordert Studierende auf, einen erheblichen Teil ihres Curriculums frei und selbstverantwortlich zu gestalten. Dabei wählen sie eine Frage, die sie mit Hilfe ihrer Seminare und Vorlesungen beantworten möchten. Vincent Gewert beschäftigt sich in seinem Studium mit ethischen und politischen Voraussetzungen einer gerechten Globalisierung. 

Seinen Studienverlauf dokumentiert er mit Hilfe eines virtuellen Denkbretts. „Durch die Dokumentation kann ich mental in vergangene Semester gehen, Zusammenhänge herstellen und Inhalte zurückholen, die mich besonders interessiert haben“, erklärt der Student. Vincent Gewert steckt viel Zeit in die Aufbereitung: „Im Studium Individuale studieren wir nicht nach einem vorgegebenen Curriculum. Für mich ist die Dokumentation ein großer Mehrwert.“ 

Das Studium Individuale steht in der Tradition einer Liberal Education, wie sie seit langem in den USA und seit neuerem in Europa zu finden ist. Anspruch einer solchen Liberal Education ist die intellektuelle und persönliche Entwicklung jeder und jedes Studierenden. Lernende an der Leuphana werden dabei engmaschig begleitet durch Reflexionsgespräche, Retreats oder die Kernmodule, die für alle Teilnehmer*innen des Programms verpflichtend sind. Vincent Gewert ist wegen des Studium Individuale von Franken nach Lüneburg gezogen: „Nur an der Leuphana hatte ich die Möglichkeit, Philosophie, Soziologie, Politikwissenschaft und Sustainability Science miteinander zu kombinieren“, erklärt der Student. Neben seiner Leidenschaft für philosophische Reflexion interessieren ihn auch größere politische Zusammenhänge wie zwischen globaler Gerechtigkeit und der Klimakrise.

Deswegen engagiert er sich beim „Ozeanien-Dialog“. Die NGO möchte die Stimmen pazifischer Zivilgesellschaft im globalen Norden vervielfältigen. Vincent Gewert vertrat den Ozeanien-Dialog bei der Klimakonferenz in Dubai. „Wir können die Klimakrise nur politisch lösen und nicht, indem wir uns alle zu Hause verstecken. Dafür ist die Klimakrise viel zu tief in unseren alltäglichen gesellschaftlichen Strukturen verankert“, sagt der Student. In Dubai traf er Kooperationspartner*innen aus pazifischen Staaten und lobbyierte für sie bei der deutschen Delegation. „Auf der Klimakonferenz kann international koordiniert, eine global gerechte Lösung für die Klimakrise ausgehandelt werden. Deswegen ist es wichtig dabei zu sein, um einen tatsächlichen Unterschied zu machen“, sagt Vincent Gewert. Er empfiehlt das Studium Individuale Menschen, die organisationsfähig, vielfältig interessiert und neugierig auf diverse methodische Zugänge sind: „Ich profitiere sehr vom Studium Individuale, weil ich aktiv Brücken baue, Inhalte miteinander in Verbindung setze und die Möglichkeit habe, nur Seminare zu belegen, die mich wirklich interessieren.“

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