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Cultural Studies: Erfahrungsberichte

Auf dieser Seite finden Sie Erfahrungsberichte zum Bachelor Cultural Studies am Leuphana College.

David Odiase: Poetischer Widerstand

©Leuphana/Tengo Tabatadze
„An der Leuphana kann ich interdisziplinär studieren, mich transdisziplinär vernetzen und meine theoretischen Kenntnisse weiter ausbauen. Wer sich einbringen möchte, bekommt an der Leuphana den Raum dafür“, erklärt David Odiase.

You should know this poisoned river still quenches thirst,
You should know that this wounded fraction of a people has healed into whole numbers,
You should know
Benin mawu, Benin we na Tuwa.
that Benin did not die, and She sends her regards.

Wenn David Odiase diese Zeilen aus seiner Feder vorträgt, wirken sie wie ein poetischer Widerstand gegen das Vergessen. Der Bachelor-Student muss oft erklären: „Die Benin-Bronzen stammen nicht aus Benin, sondern aus Nigeria – genauer aus der Stadt Benin City im Süden des Landes.“ Das historische Königreich Benin entstand um das Jahr 1000 und wurde 1897 durch britische Invasoren zerstört. Bis dahin galt Benin City als eine der beeindruckendsten Städte Afrikas. 

In seiner Heimat Nigeria hat David Odiase bereits Media Studies studiert. „Dann hörte ich über Freunde von der Leuphana und der Möglichkeit dort Cultural Studies und den Minor Museums Studies zu belegen“, erinnert er sich. Tausende Kunstwerke wurden aus seiner Heimat geplündert und gelangten in europäische Museen – unter anderem nach Hamburg und Berlin. Viele Kunstwerke aus Benin City stehen noch in westlichen Museen – teils als offizielle Leihgabe, teils aufgrund verweigerter Rückgabe. „Es ist höchste Zeit für den Westen sich mit dem kulturellen Erbe Afrikas und dem Raub durch die Europäer auseinanderzusetzen. Aber es ist genauso Zeit, aufeinander zuzugehen“, sagt er. 

David Odiase ist selbst Künstler. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Performance, Video und Poesie: Sein Film Benin Did Not Die, She Sends Her Regards etwa setzt sich mit der Restitution geraubter Kulturgüter auseinander. Der Film Open Line, Finalist beim International Young Creative Award der Emmys 2023, inszeniert ein symbolisches Gespräch mit dem British Museum und versteht sich als künstlerisches Plädoyer für Gerechtigkeit und Rückgabe.

Besonders wegen des Minor Museum Studies ist er an die Leuphana gekommen: „Das Denken hier ist modern. Und ich habe eine Stimme im Studium. Dozent*innen hören auch mir zu, nicht nur umgekehrt. Aber genauso lerne ich wichtige Methoden und wissenschaftliche Diskurse zu Provenienzstudien kennen“, erklärt er.

Bereits in Nigeria war er als Künstler tätig, ist aber längst auch in Deutschland aktiv: Im Kunstraum etwa präsentierte er eine interaktive Medienperformance über Blackness, Zeitlichkeit und afrikanische Kosmologien unter dem Titel „Ẹ̀dùmarè, When Am I?“

Sein Projekt My Grandmother the Astronaut Sings to Me from Beyond the Stars beispielsweise setzt sich mit seinen Ahnen und deren Zeitlosigkeit auseinander: „Ich stehe auf den Schultern von Riesen“, sagt er und denkt dabei an zahlreiche nigerianische Freiheitskämpfer*innen.

Internationale Aufmerksamkeit erhielt David Odiase unter anderem durch Präsentationen an der Akademie der Künste, dem Haus der Kulturen der Welt und beim ZEBRA Poetry Film Festival. Zudem war er Artist-in-Residence im Studio-Quantum-Programm des Goethe-Institut.

Und er hat noch vielmehr kreative und wissenschaftliche Ideen im Kopf, um Kulturen und Menschen zusammen zu bringen: „An der Leuphana kann ich interdisziplinär studieren, mich transdisziplinär vernetzen und meine theoretischen Kenntnisse weiter ausbauen. Wer sich einbringen möchte, bekommt an der Leuphana den Raum dafür“, erklärt David Odiase.

Silang Mera: Ein Super-Match

©Leuphana/Phillip Bachmann
„Mich überzeugt besonders die Verbindung von Kultur, Organisation und politischen Aspekten. Für mich ist das Studium ein Super-Match“, sagt Silang Mera.

Die Geschichte beginnt mit einer Dragqueen: „Nicht die Talentiertesten schaffen es in der Kunstszene. Erfolgreich sind diejenigen, die die besten Anträge schreiben“, sagte sie nach ihrem Vortrag im Kunstraum an der Leuphana. Silang Mera hörte genau zu. Er verstand, dass fundiertes theoretischen Wissen tatsächlich hilfreich sein kann. Der gebürtige Mainzer hatte gerade das Abi in der Tasche und zeichnet seit seiner Jugend Comics. An dem Abend hörte er zum ersten Mal vom neuen Studienprogramm „Cultural Studies: Organization, Society, and the Arts“ am Leuphana College.

„Mich überzeugt besonders die Verbindung von Kultur, Organisation und politischen Aspekten. Für mich ist das Studium ein Super-Match“, sagt Silang Mera. Der Student jobbt selbst in der Kulturszene und in der Gastronomie: „An dem Abend im Kunstraum ging es unter anderem um Arbeitsbedingungen in der Kunst. Ein relevantes Thema“, sagt Silang Mera. Ihn interessiert ein kritischer Blick auf den Kulturbetrieb. Im Studienprogramm „Cultural Studies: Organization, Society, and the Arts“ lernen Studierende bereits im Bachelor Forschungsmethoden kennen. Silang Mera hat Interviews zum veränderten Musikkonsum geführt und plant gerade den Besuch samt Feldforschung auf einem Hamburger Festival. „Wir lesen und diskutieren viele Texte. Kombiniert mit den Forschungsaufgaben entwickle ich einen neuen Blick auf die Kulturszene und verstehe viele Abläufe besser“, sagt der Student. Dass das Programm auf Englisch angeboten wird, sieht er als Vorteil: „Ich könnte beruflich auch ins Ausland gehen, aber auch für den deutschen Betrieb hilft mir die Zweisprachigkeit: Die Szene wird immer internationaler.“

Später würde Silang Mera beispielsweise gern bei alternativen Festivals arbeiten, die auch queeres Leben thematisieren. Deswegen absolviert er im Komplementärstudium das Gender-Diversity Zertifikat. Es ist ein freiwilliges, studienintegriertes Angebot für alle Bachelor- und Masterstudierenden an der Leuphana. Das Zertifikat weist den Erwerb von Gender-Diversity-Kompetenzen aus, welche zur Reflexion und kritischen Analyse von Geschlechterverhältnissen, Zugangschancen, sozialer Ungleichheit und gesellschaftlicher Heterogenität befähigen. „Ich möchte gern etwas Positives zu unserer Gesellschaft beitragen“, sagt Silang Mera.