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LüneGAL Konferenz: Kraft der Kommunikation

22.09.2026 Vom 16.-18. September 2026 fand der Jahreskongress der Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL e. V.) erstmals an der Leuphana statt. Die GAL ist eine der größten und ältesten sprachwissenschaftlichen Fachgesellschaften im deutschsprachigen Raum und bringt alle zusammen, die Kommunikationsprozesse im Alltag und in professionellen Anwendungsfeldern wissenschaftlich erforschen und an praktischen Optimierungen interessiert sind. Damit ist Sprachforschung immer auch dort gefragt, wo sich Gesellschaft verändert.

Keynote Speaker Prof. Dr. Jannis Androutsopoulos, Universität Hamburg ©Leuphana/Imke Bredehöft
Postervorstellung bei der GAL ©Leuphana/ Imke Bredehöft
PD Dr. habil. Dagmar Knorr ©Leuphana/Teresa Halbreiter
Plakat der LüneGAL ©Leuphana/Teresa Halbreiter
Prof. Dr. Matthias Schulz (Co-Präsident GAL e.V.) und Prof. Dr. Karin Birkner (Präsidentin GAL e.V.) verleihen Dr. Sam Schirm (Universität Bielefeld) den GAL-Förderpreis. ©Leuphana/ Teresa Halbreiter
Viel Austausch bei der LüneGAL ©Leuphana/ Imke Bredehöft

Wer sich durch das Programm der LüneGAL arbeitet, bekommt dann auch schnell eine Ahnung davon, wie facettenreich und hochaktuell angewandte Sprachforschung ist: Über 150 Vorträge in drei Tagen, verteilt auf 15 Sektionen. Darunter etwa Gesprächsforschung, Interkulturelle Kommunikation, Schreibwissenschaft, Mehrsprachigkeit, Medienkompetenz, Sprachdidaktik, Soziolinguistik und Übersetzungswissenschaft. Wie eng die vielfältigen Themen mit gesellschaftlichen und ganz lebenspraktischen Fragen verknüpft sind, zeigt beispielhaft das mit dem GAL-Förderpreis ausgezeichnete Forschungsprojekt von Dr. Sam Schirm von der Universität Bielefeld. Ausgangspunkt seiner Forschung ist eine konkrete gesellschaftliche Herausforderung: Angesichts der vielen Apothekenschließungen braucht es Fachkräfte aus dem Ausland. Damit professionelle Beratung als zentrales Angebot von Apotheken erhalten bleibt, kommt es auch auf die sprachliche Verständigung an. Schirm forscht zu Deutsch als Fremd- und Zweitsprache in medizinischen Berufsfeldern und untersucht in diesem Projekt Gespräche zwischen zugewanderten Apotheker:innen mit Kund:innen. Die Ergebnisse seiner Konversationsanalysen fließen direkt in den Berufssprachenunterricht ein, der auf die Fachsprachenprüfungen als Voraussetzung für die Approbation vorbereitet. Es ist nur ein Beispiel für die Wirkung von Sprache auf die unterschiedlichsten Bereiche unseres Lebens, in einer Gesellschaft, die sich auf verschiedensten Ebenen im Wandel begreift. 

Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg, fasste diese Bedeutung von Sprache in seiner Begrüßung der über 300 LüneGAL-Teilnehmenden so zusammen: „Sprache ist ein Werkzeug der Ordnung, aber auch eines, mit dem Ordnung gebrochen werden kann.“ Und er verweist auf die große Verantwortung, die damit einhergeht. Leuphana Vizepräsidentin Prof. Dr. Simone Abels lenkte den Blick auf die Bedeutung von Sprache für pädagogisches Handeln und fragt: „Wie politisch soll Sprachdidaktik sein?“. 

Ein zunehmend wichtiger Akteur, wenn es um Sprache und Kommunikation geht, ist die Künstliche Intelligenz. Entsprechend präsent war sie in den unterschiedlichsten Sektionsbeiträgen: Von der Frage wie Feedback-Loops in LLM-Mensch-Interaktionen kulturelle Stereotypen verstärken können, über Chancen und Risiken von KI-gestützten Übersetzungstools im Deutsch-als-Fremdsprachen-Unterricht bis hin zu Hybrid-Reading-Praktiken beim wissenschaftlichen Arbeiten. Der Umgang mit den neuen KI-Möglichkeiten wurde auf der Konferenz kritisch diskutiert. Konferenzteilnehmerin Prof. Eva-Maria Jakobs betonte beispielsweise die Verantwortung der universitären Lehre, Kreativität und Kritisches Denken zu fördern, angesichts der bereits eingetretenen und zu erwartenden Veränderungen durch KI: „Unsere Studierenden dürfen sich nicht dem Sog des Unaufwendigen ergeben.“

Auch Konferenz setzt neue Kommunikationsimpulse

Auch die Konferenz erlaubt sich, neue Impulse zu setzen. PD Dr. habil. Dagmar Knorr, Leiterin des Schreibzentrums / Writing Center und langjähriges Mitglied der GAL, hat die Konferenz erstmals an die Leuphana geholt und gemeinsam mit einem interdisziplinären Team organisiert: „Uns ist es wichtig, wegzukommen von dieser ganz klassischen Vortragskultur. Wir wollten Bewegung und Abwechslung in die Konferenzstruktur bringen – und dabei die besondere Architektur des Libeskind-Baus für die Kommunikation nutzen. Wenn ich mir die vielen Gespräche an den Posterständen, in den verschiedenen Sessions und Pausen anschaue, ist uns das gut gelungen.“ So gab es am Morgen der Konferenztage Yoga im Foyer des Zentralgebäudes, Aufsteller auf den Stehtischen regten zu fachlichen Diskussionen an und erstmals fand ein World-Café zum Austausch über grundsätzliche Fragen der Angewandten Linguistik statt. Prof. Dr. Matthias Schulz (Universität Würzburg) leitete bei diesem Programmpunkt gemeinsam mit Dr. Miriam Schwebler (Universität Würzburg) den Thementisch „Was sind eigentlich Anwendungen in der Angewandten Sprachwissenschaft?“. Diese Frage stellt der Co-Präsident der GAL auch, um die gesellschaftliche Rolle der Disziplin stärker zu beleuchten: „Eigentlich sind wir eine „Problemlösungswissenschaft“, denn Ausgangspunkt unserer Forschung sind immer reale Probleme, die mit Sprache zu tun haben und für die wir eine Lösungsperspektive bieten wollen.“ Dass diese Lösung auch greife, sei oft mit großem Aufwand verbunden. „Ich sehe unsere Aufgabe als GAL auch darin, diesen besonderen Einsatz zu fördern und unseren Mitglieder Anerkennung dafür zu verschaffen.“ Ein Weg dafür ist auch eine intensivere Wissenschaftskommunikation. Wie die GAL ihre Mitglieder dabei unterstützen kann, war Fokus eines weiteren Thementisches. Vorgestellt wurde hier eine aktuelle GAL-Umfrage zu den Bedarfen und Wünschen der Forschenden. 

So zeigte sich bei dieser Konferenz eine Wissenschaft, die nicht nur über ihre Forschungsgegenstände, sondern über sich selbst nachdenken und sich weiterentwickeln will – und sich vor allem der Kraft der Kommunikation bewusst ist.