Forschung

Schulen sind derzeit von einem tiefgreifenden Strukturwandel betroffen und sehen sich vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher und individueller Heterogenität mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert. Die forschungsbasierte Lehrkräftebildung hat diese Heterogenität und ihre Auswirkungen bislang nur wenig beleuchtet. Es liegen keine ausgereiften und wissenschaftlich begründeten Konzepte vor, die das Beziehungsgeflecht zwischen individueller Professionalität, gesellschaftlichen Entwicklungen und dem Umgang mit Heterogenität aufgreifen, eine darauf aufbauende theoriegeleitete Unterstützung der Unterrichtspraxis ermöglichen oder die Studierenden befähigen, ihr individuelles Qualifizierungsprofil zu entwickeln. An diesen Themen arbeiten die Forschenden im Bereich Bildung der Leuphana.

Forschungsbereiche

Empirische Bildungsforschung

A: Kompetenzforschung

Wenngleich Heterogenität kein neues Thema ist, so weisen insbesondere die Ergebnisse der internationalen Vergleichsstudien darauf hin, dass der Umgang mit Heterogenität in Deutschland nicht zufriedenstellend bewältigt wird. Auf der einen Seite unterscheiden sich Lernende in vielen für das Lernen relevanten Bedingungen, etwa in Fähigkeiten, Vorwissen, Lernstilen, motivationalen Orientierungen, Interessen, sozialen und kulturellen Merkmalen. Die Berücksichtigung dieser Heterogenität, die Forderung, jedem abhängig von individuellen Voraussetzungen die bestmöglichen Lerngelegenheiten zu bieten, stellt hohe Ansprüche an die pädagogische Professionalität von Lehrerinnen und Lehrern. Auf der anderen Seite sind auch die Lerngegenstände selbst in sich heterogen modelliert, zumal wenn man über die Grenzen der einzelnen Fachdidaktik hinausgeht.

Lehrerinnen und Lehrer brauchen neben den grundlegenden fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und pädagogisch-psychologischen Inhalten 

  • ein fächerübergreifendes, verschiedene Sichtweisen verbindendes sowie kontrastierendes Verständnis von Lerngegenständen (z.B.: Was bedeutet Unterricht in Deutsch als Zweitsprache für mathematisches Lernen?),
  • weitreichende Kenntnisse über die Wirk-Zusammenhänge dieser Heterogenitätsbedingungen in konkreten Unterrichtssituationen,
  • diagnostische Fähigkeiten bezogen auf die Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler in spezifischen Domänen und Fächern und
  • Wissen über Möglichkeiten und Techniken zur Förderung, Individualisierung und Differenzierung im Unterricht und deren Wirkung.

B: Unterrichtsforschung

Voraussetzung für eine innovative und effektive Lehrkräftebildung ist die Fundierung durch Forschung. Im Rahmen der Unterrichtsforschung greift die Lehrkräftebildung an der Leuphana das Thema Heterogenität auf und spezialisiert sich auf fachdidaktisch und bildungswissenschaftlich ausgerichtete Projekte, in denen Maßnahmen, Konzepte und Methoden zum Umgang mit Heterogenität entwickelt und auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Dabei weist sie nicht nur eine allgemeine inter- und transdisziplinäre Ausrichtung auf, sondern unterscheidet sich von anderen Initiativen durch die besondere Betonung der fachdidaktischen Perspektive.

Neben Studien zur Wirksamkeit von vorherrschenden Unterrichtsansätzen treten Lehr-Lern-Experimente und Interventionsstudien, um theoriegeleitet neue Unterrichtszugänge zu erproben. Studien und Projekte innerhalb dieses Forschungsfeldes sind fachspezifisch ausgerichtet und suchen gleichzeitig fächerverbindende Elemente einzubeziehen. Sie können ihren Fokus richten auf:

  • die fachdidaktischen Unterrichtskonzepte mit ihrer Heterogenität von Lerngegenständen,
  • die Entwicklung, Implementierung und Evaluierung von Materialien, die selbstgesteuertes, problemorientiertes und differenzierendes Lernen ermöglichen,
  • den Auf- und Ausbau diagnostischer Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern,
  • den Auf- und Ausbau adaptiver Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern durch Weiterentwicklung individualisierender und differenzierender Methoden im Unterricht,
  • die Entwicklung, Implementierung und Evaluation von Fördermaßnahmen und Trainings bei besonderen Lernschwierigkeiten inklusive der Entwicklung einer integrativen Förderkultur an Schulen,
  • schulische Organisationsformen wie Integrationsklassen, jahrgangsübergreifende Klassen, Ganztagsschulen, Gemeinschaftsschulen und deren Effektivität in Hinblick auf die Förderung individueller Lernentwicklungen.

Sozialpädagogik in diversen Gesellschaften

Als einer von wenigen Standorten in Deutschland baut die Leuphana aktuell einen Forschungsbereich Sozialpädagogik mit polyvalenter Ausrichtung auf. Dabei wird grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung sowohl mit Blick auf berufsfeldspezifische als auch ausbildungsspezifische Themen betrieben. Die dem Forschungsbereich zugeordneten Professuren forschen in interdisziplinär-sozialwissenschaftlich ansetzender Perspektive zu zahlreichen international anschlussfähigen Themen der Sozialpädagogik wie etwa Child Welfare/Child Protection; Diversity (gender, generational, ethnic); (Forced) Migration; Social Work Education; Trust and Client-Provider-Relationship; Social Inequality. Die Verankerung in wesentlichen Bezugsdisziplinen der Sozialpädagogik (Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie) und interdisziplinär ansetzende Verbundforschungsprojekte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die Forschungsthemen des Bereichs gruppieren sich sämtlich um das übergeordnete Thema „Sozialpädagogik in diversen Gesellschaften“.

Forschungsprojekte

Eine Übersicht über die an der Fakultät Bildung durchgeführten Forschungsprojekte finden Sie in unserem Forschungsinformationssystem.

Fakultät Bildung

Kontakt

Dekan

  • Prof. Dr. Michael Besser

Prodekan Forschung

  • Prof. Dr. Marcus Pietsch