Musikzentrum: Mehr als eine Show
22.10.2026 Monatelange Proben und dann endlich die Premiere: Gemeinsam brachten das Musikzentrum und Studierende den Broadway-Erfolg „Dear Evan Hansen“ auf die Bühne des Zentralgebäudes. Das Musical dreht sich um mentale Gesundheit bei Jugendlichen und den Wunsch, endlich akzeptiert zu werden. Am Ende gab es Stehbeifall – und das Gefühl, dass die Botschaft des Musicals an der Leuphana nicht nur auf der Bühne ernst genommen wird.
„Lieber Evan Hansen, das wird heute ein großartiger Tag und ich sage dir auch warum.“ So beginnt der Broadway-Hit. Ein Highschool-Schüler schreibt Briefe an sich selbst. Es ist die Idee seines Therapeuten. Als sein Mitschüler Connor sich das Leben nimmt, glauben plötzlich alle, die Briefe stammten von ihm.
Für Evan geht ein Traum in Erfüllung: Der Außenseiter wird plötzlich von allen als außergewöhnlich angesehen. Um dieses Gefühl nicht zu verlieren, verstrickt sich der einsame Evan immer weiter in Lügen. So oder ähnlich wird die Zusammenfassung des Stücks in vielen Kritiken stehen. Aber an diesem Abend steht nicht der Broadway-Glamour im Mittelpunkt: Seit Beginn des Sommersemesters probt der studentische Cast, verzichtet auf freie Sonntage und sorgt dafür, dass Nachbarn die Melodien von „Dear Evan Hansen“ langsam mitpfeifen können. Herzblut ist in die Musicalproben geflossen. Es geht nicht nur um die richtigen Töne, sondern auch die intensive Auseinandersetzung mit mentalen Problemen und sogar dem Freitod.
Alle stehen mit großer Leidenschaft auf der Bühne. Es fällt schwer, einzelne Leistungen herauszupicken. Pia Malin Buschmann und Julian Schumann überzeugen mit stimmlicher Kraft und Verletzlichkeit als Connors verwaiste Eltern und zeigen die Hilflosigkeit der Erwachsenen. Tom Reckmann (Jared Kleinman) spielt auf den Punkt und sorgt mit Witz und Charme für manchen Lacher. Auch die anderen Nebenrollen sind stimmstark besetzt: Jasmina Will mit kraftvollem Pop-Sopran, Joanna Knecht mit sensiblem Spiel und Martje Lina Henkies, die mit gerade einmal 23 Jahren glaubwürdig Evans überforderte Mutter verkörpert.
Mathis Schräder (Evan Hansen) berührt besonders in den leisen Tönen, Justus Konrad Harms (Connor Murphy) mit kraftvollen Gesangspassagen und Bühnenpräsenz. Gemeinsam machen sie spürbar, wie schwer es sein kann, von anderen akzeptiert zu werden und sich selbst anzunehmen. Mentale Gesundheit bleibt an diesem Abend kein Schlagwort. Fast 15 Anlaufstellen für Menschen mit psychischen Sorgen oder einfach dem Wunsch, gehört zu werden, stellen sich im Foyer vor: unter anderem der Treff „Stövchen“; DROBS, Fachstelle für Sucht und Suchtprävention; Paritätischer Lüneburg oder die Psychosoziale Beratung des Studierendenwerks: „,Dear Evan Hansen‘ schafft Aufmerksamkeit für die Bedeutung von mentaler Gesundheit bei jungen Menschen und Studierenden. Das ist wichtig und richtig“, sagt Karina Bostelmann von der Beratungsstelle am Munstermannskamp.
Organisiert hat die Ausstellung Annika Weiß, Vorderhausleiterin und Studentin der Kulturwissenschaften. Auch hinter den Kulissen zeigt sich damit, wie viel Zeit und Engagement Studierende in den Abend gesteckt haben.
Das Live-Orchester unter der Gesamtleitung von Universitätsmusikdirektorin Rebecca Lang klingt so professionell, dass Zuschauende leicht vergessen können: Die Musik für das rhythmisch anspruchsvolle Musical „Dear Evan Hansen“ spielen Studierende der Rechtswissenschaften mit angehenden Umweltwissenschaftlern oder Lehrämtern.
Gerade die Ensemble-Nummern berühren besonders. Auf der Bühne gelingt, wonach die Figuren des Musicals sich so sehr sehnen: Gemeinschaft und Zugehörigkeit.
Und lieber Evan Hansen, genau deshalb war es ein großartiger Abend.








