„Wie lässt sich ein gerechter Frieden herstellen?“

Podiumsdiskussion

30.11.2022 „Wie lässt sich ein gerechter Frieden herstellen?“ Diese Frage diskutierten der Ethiker Prof. Dr. Wolfgang Huber aus Berlin und die Friedensforscherin Prof. Dr. Ursula Schröder vom Institut für Friedensforschung in Hamburg. Die Veranstaltung stand im Rahmen der Reihe „Ethik im Gespräch“, die vom Präsidium der Leuphana gemeinsam mit PD Dr. Thomas Kück vom Institut für Ethik und Theologie organisiert wird. Der Präsident der Leuphana, Prof. Dr. Sascha Spoun, eröffnete die Podiumsdiskussion, die von dem Lüneburger Politikwissenschaftler Prof. Dr. Tobias Lenz moderiert wurde. Im gut besuchten Hörsaal 4 waren Interessierte aus dem Hochschulleben und der Stadtöffentlichkeit zu einer Stunde aktueller und tiefgründiger Diskussion zusammen gekommen.

„Wie lässt sich ein gerechter Frieden herstellen?“ Podiumsdiskussion ©Marie Meyer
„Wie lässt sich ein gerechter Frieden herstellen?“ Podiumsdiskussion ©Marie Meyer
„Wie lässt sich ein gerechter Frieden herstellen?“ Podiumsdiskussion ©Marie Meyer

Als früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland wurde Wolfgang Huber auf deren Friedensdenkschrift aus dem Jahr 2007 angesprochen. Den darin thematisierten Begriff vom „gerechten Frieden“ unterstrich Huber auch jetzt: Neben dem Schutz vor Gewalt und der Förderung von Freiheit gehe es auch um die Überwindung von Not und die Anerkennung kultureller Vielfalt. Von einer solchen Friedensperspektive sei die Situation in der Ukraine im Moment leider noch weit entfernt.

Auch Ursula Schröder bezweifelte einen zeitnahen Friedensabschluss. Solange eine Seite noch die Aussicht auf militärische Gewinne habe, werde die Gewalt nicht dauerhaft ruhen. Darüber hinaus berge ein zu schnell vereinbarter Waffenstillstand – so wünschenswert er für die Bevölkerung auch sei – die Gefahr eines zeitlich und inhaltlich instabilen Friedens. Der erneute Ausbruch von Gewalt sei dann sehr wahrscheinlich, wie die Konfliktforschung global gezeigt habe.

„Müssten nicht auch die berechtigten Interessen Russlands international stärker berücksichtigt werden?“ So fragte ein Teilnehmer aus dem Publikum. Darauf gingen Huber und Schröder einerseits mit Verständnis ein, zeigten andererseits aber auch deutlich, dass die Ukraine das angegriffene Land sei, das ein Recht auf Selbstverteidigung habe. Und da könne niemand von außen zusehen, sondern müsse helfen und unterstützen, so Huber. Er bekannte sich klar zu einer Unterstützung der Ukraine durch Waffenlieferungen.

Und wie verhält sich diese Haltung zum Pazifismus? Darauf antwortete der ehemalige Bischof von Berlin, dass Pazifismus nicht nur der Verzicht auf Gewalt und Waffen sei. Das sei über lange Zeit zu eng gedacht worden. Brücken für den Frieden zu bauen und vielfältig für den Frieden zu arbeiten, das alles sei für ihn auch Pazifismus.

Kontakt

  • Dr. Thomas Kück