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Innovatives Format fürs Lehramtstudium: Lernreise zu guten Schulen

26.10.2026 Was macht gute Schulen aus? Haltung! Diese Antwort fällt nach dem Besuch von acht Schulen in Deutschland innerhalb von nur zwei Wochen eindeutig aus. Neben dieser Erkenntnis haben die teilnehmenden Studierenden der Lernreise viel Lust auf ihren zukünftigen Beruf bekommen und theoretische Grundlagen aus dem Studium in der Praxis wiedergefunden – und manchmal auch vermisst, was sie im Studium schon gelernt haben. Für die Studierenden steht fest: Ein solches Format hat sich bewährt und sollte unbedingt zum Lehramtsstudium dazugehören.

Die Reisegruppe setzte sich aus Bachelor- und Masterstudierenden für das Lehramt für die Grundschule oder für die Sekundarstufe I zusammen.
Die Reisegruppe ©privat
Großes Interesse am Abschlussevent: u.a.Pascal Mennen (Vorsitzender des Kulturausschusses im Niedersächsischen Landtag), Professor*innen der Leuphana, Schulvertreter*innen aus Lüneburg und einer der besuchten Schulen kamen zusammen, um gemeinsam mit der Reisegruppe über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Abschlussevent Lernreise ©Milena Riedel / Leuphana
Acht Schulen und ein Architekturbüro für räumliche Schulentwicklung in nur 14 Tagen: Die Studierenden reisten mit der Bahn durch verschiedene Bundesländer.
Reiseroute der Lernreise ©Milena Riedel / Leuphana

„Ohne diese Lernreise hätte ich bis ich als Lehrerin arbeite drei oder vier Schulen kennengelernt. Jetzt waren es acht innerhalb von zwei Wochen. Je mehr Schulen man kennenlernt, desto mehr festigt sich die Meinung, was gute Bildung eigentlich braucht.“ Ein Erfahrungsschatz, den Anne Marie Steinicke nicht mehr missen möchte. Gemeinsam mit zwölf Kommiliton*innen war sie Mitte September für 14 Tage auf Lernreise von Berlin  über Bremerhaven bis nach Rügen. Eigenständig geplant und organisiert, mit dem Ziel, die Vielfalt von guter Schule kennenzulernen. Ein Format, das der Verein Kreidestaub e.V. ins Leben gerufen hat und im letzten Semester erstmals an der Leuphana im Rahmen eines fächer- und schoolübergreifenden Projektseminars angeboten wurde. 

Die Studierenden wählten die Schulen nach zukunftsorientierten, innovativen Konzepten aus. Viele der Schulen haben bereits den Deutschen Schulpreis gewonnen oder waren dafür nominiert. „Was die Schulen anders macht, lässt sich gar nicht pauschal beantworten, da sie so unterschiedlich waren. Aber jede der Schulen hat sich irgendwie getraut, aus dem, was man für eine Erwartungshaltung an Schule hat, auszubrechen und unabhängig davon zu schauen, was wollen wir denn überhaupt für eine Schule sein, mit welchem Ziel?“, erzählt Kyra von der Wense, die aktuell Grundschullehramt im Master an der Leuphana studiert. 

Neben dieser grundsätzlichen Haltung waren es vor allem konkrete Ideen, die die Studierenden beeindruckten. Sei es das Konzept von der „Schule ohne Gepäck“, bei dem Lehrmittel wie Stifte, Scheren oder Tuschkästen für alle verfügbar sind; ein von ehrenamtlichen Senior*innen aus der Region organisiertes Frühstückangebot; innovative, bedürfnisorientierte Raumkonzepte mit Funktionsräumen oder -bereichen für unterschiedliche Lerntypen – oder der Bauspielplatz „Baui“ als ein in den Schulalltag integrierter Lernort für eigenständiges und selbstbestimmtes Lernen. „Obwohl Geldmangel bei vielen Schulen ein Thema war, waren das oft Umsetzungsideen, die nicht viel gekostet haben – oder aber die Schulleitungen hatten sich Kapazitäten und Know-How aufgebaut, Fördergelder vom Land oder Bund zu erhalten“, so Kyra von der Wense. 

Um diese Eindrücke einzuordnen und auch mit den eigenen Erkenntnissen aus dem bisherigen Studium in Verbindung zu bringen, reflektierten die Studierenden nach jedem Schulbesuch noch einmal, was ihnen gut und auch nicht so gut gefallen hat. Kyra von der Wense:  „Für mich war auch das eine tolle Erkenntnis, festzustellen, was wir selbst schon für einen Wissensstand aus dem Studium mitbringen und unsere Ausgangsfrage der Reise, was gute Schule ausmacht, auch mit einer eigenen Meinung vertreten und vor allem gut begründen können.“ 

Anne Marie Steinicke, Masterstudentin für das Grundschullehramt ergänzt: „Während das Studium teilweise sehr problemorientiert ist und uns für die Herausforderungen des Lehrberufes sensibilisiert, hat mir der Blick in die Praxis nun viele Lösungen gezeigt. Die ganze Reise, die Eindrücke, die Menschen, mit denen wir gesprochen haben, das war alles wirklich sehr motivierend und macht mir große Lust, an Schule mitzuwirken.“ Auch Ida Lotte Müller, die Lehramt für die Sekundarstufe I im Master studiert und an der Reise teilgenommen hat bestätigt diese neue Begeisterung auf den zukünftigen Beruf: „Für mich war es auf jeden Fall nochmal ein großer Motivationsschub.“


Das Prinzip LERNREISE
Studierende machen sich auf eine Hospitationsreise zu gelingenden Schulen. Dieses Prinzip LERNREISE ist ein Projekt des Vereins Kreidestaub e.V., der sich als pädagogisches Labor für innovative Lern- und Lehrformate für die Lehramtsausbildung versteht. Erstmals an die Leuphana geholt haben diese Idee Milena Riedel und Prof. Dr. Poldi Kuhl, beide aus dem Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie. Das Angebot richtete sich an Lehramtsstudierende aller Fächer und Lehramtstypen, die sich für das Seminar bewerben konnten. In den 14-tägigen Seminarsitzungen setzten sich die Studierenden zur Vorbereitung mit unterschiedlichen Schulkonzepten auseinander. Die Lernreise selbst haben die Studierenden eigenständig organisiert: von der Auswahl und Ansprache der Schulen, über die Buchung der Unterkünfte und der Bahntickets bis hin zur Kommunikation über die Lernreise auf einem eigenen Instagram-Kanal sowie der Organisation des Abschlussevents. 

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