RMER-Konferenz: "Verantwortungsvolle Managementausbildung ist kein abstraktes Konzept"
Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich blickt inspiriert auf die Ergebnisse der RMER-Konferenz zurück
11.09.2026 Vom 2. bis 4. September fand an der Leuphana Universität Lüneburg die 13. Responsible Management Education Research (RMER) Konferenz der PRME-Initiative statt. Prof. Dr. Hannah Trittin-Ulbrich, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmen in der Gesellschaft, ist für die Umsetzung von PRME (Principles for Responsible Management Education) an der Leuphana verantwortlich. Wir haben sie um eine kurze Reflexion zur RMER-Konferenz gebeten, die sie im Team mit Prof. Dr. Stefanie Habersang an der Leuphana organisiert hat.
©Leuphana Universität Lüneburg
Liebe Frau Trittin-Ulbrich, das Thema der RMER-Konferenz lautete „Zurückgewinnen, Widerstand leisten, neu denken: Nachhaltigkeit und die Zukunft der verantwortungsvollen Managementausbildung“ – wie hat sich dies auf der Konferenz tatsächlich ausgeprägt?
Als Lehrende und Forschende im Bereich der verantwortungsvollen Management-Lehre an Hochschulen erleben wir aktuell große Unsicherheit. Politische Attacken, Budgetkürzungen, oder KI: Es gibt viele Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Trotzdem war diese Konferenz generell geprägt von Optimismus, intensivem kollegialen Austausch und generell einer sehr positiven Stimmung. Die Teilnehmenden haben von ihren Herausforderungen berichtet und auch viele Impulse geteilt, was es heißen kann, diese Krise der verantwortungsvollen Management-Lehre zu überwinden. Dass am Ende über 85 Teilnehmende aus aller Welt (Indien, Malaysia, Südafrika) zusammenkommen zeigt ja auch: Das Thema ist längst nicht so tot wie es erscheint!
In Bezug auf das Schlagwort „Zurückgewinnen“: Gab es ein konkretes Moment, eine Aussage oder ein Projekt auf der Konferenz, das Ihnen besonders deutlich machte, dass die Grundlagen der verantwortungsvollen Managementausbildung wieder „lebendig“ werden?
Ein besonders prägendes Moment war für mich die Keynote von Prof. Berta Martín-Lopéz, die auf die Verbindung und Bindung zwischen Menschen und Natur hingewiesen hat. Erlebnisse, Eindrücke, persönliche Verbindungen: Das alles hat einen großen Einfluss auf unser Handeln, ist aber schlecht zu bemessen oder zu messen. Das macht diese vermeidlich „weichen“ Aspekte nicht weniger wichtig. Nur, weil wir diese Dinge nicht messen und somit zählen können, heißt das nicht, dass sie keinen großen Einfluss auf unser Handeln haben. Genau so müssen wir verantwortungsvolles, nachhaltiges Handeln erlebbar machen. Besonders lebendig wurde dieser Gedanke für mich auch, als Studierende die Ergebnisse des studentischen „Design Jam“ Workshops während der Eröffnung der Konferenz anhand von selbstgebastelten Prototypen vorgestellt haben. Dieser Moment zeigte mir: Verantwortungsvolle Managementausbildung ist kein abstraktes Konzept, sondern muss gelebt, erfahren und durch reelle Impact-Projekte greifbar sein. Genau das ist der Kern von PRME – und genau das haben wir auf der RMER-Konferenz erlebt.
Wo und wie wurde Widerstand auf der Konferenz thematisiert? Was muss man sich überhaupt als Widerstand gegen verantwortungsvolle Managementausbildung vorstellen?
Wir erfahren Widerstand aktuell nicht nur in der Form von offener Ablehnung, sondern oft auch in From von Unbehagen oder Passivität. Es gibt einige typische Formen, die uns in der Hochschule begegnen und die ich hier gerne nennen möchte:
Erstens gibt es den strukturellen Widerstand, wie fehlende Anreize für nachhaltige Forschung, starre Akkreditierungsvorgaben oder die Dominanz neoklassischer Ökonomie in Lehrplänen. Dann ist der kulturelle Widerstand zu nennen: Die Annahme, dass ‚Verantwortung‘ und ‚Gewinnmaximierung‘ unvereinbar seien – oder dass Ethik in der Managementausbildung ‚zu weich‘ sei. Und letztlich der individuelle Widerstand, der sich zum einen bei Dozierende zeigen kann, die sich weigern, ihre Kurse umzustellen, oder aber auch bei Studierenden, die Nachhaltigkeitsthemen als ‚ideologisch‘ ablehnen.
In den beiden Panel-Diskussionen der Konferenz haben wir jedoch wichtige Impulse erhalten, wie wir mit institutionellen Barrieren und strukturellem Widerstand umgehen sollten, und wie ‚collective action‘ zwischen Hochschulen oder Lehrenden bspw. innerhalb der PRME Initiative oder mithilfe des UN Global Compacts aussehen kann.
In Bezug auf den Umgang mit individuellem Widerstand aus der Lehre oder der Studierendenschaft, konnten wir auf der Konferenz besonders künstlerische, kreative didaktische Ansätze, wie sie im Track 11 der Konferenz in einer großen Vielzahl vorgestellt wurden, kennenlernen. Diese Ansätze können es schaffen, kulturelle und individuelle Voreinstellungen zu überwinden und Studierende zu erreichen.
Welche neuen Ansätze, Methoden oder Lehrkonzepte zur verantwortungsvollen Managementausbildung haben Sie auf der Konferenz besonders beeindruckt – und warum?
Generell hatte ich das Gefühl, dass der Begriff der „Ko-Kreation“ in vielen präsentierten Projekten eine Rolle spielt – die partizipative Natur von verantwortungsvoller Managementausbildung wurde für mich eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Und ganz allgemein zur Konferenz: Gab es ein „Moment der Verbindung“, das Sie besonders in Erinnerung behalten?
Einen tollen Moment der Verbindung hat die Keynote von Prof. Sylvia Grewatsch der Brocks University aus Kanada uns beschert. Sie ließ die Konferenzteilnehmenden während des Konferenzdinners tischweise an einer konkreten Interventionsidee arbeiten, um das System „Managementausbildung“ zu verbessern. Die gemeinsamen Überlegungen wie eine solche systemischen Intervention konkret aussehen könnte habe mich nachträglich inspiriert. Wunderbar fand ich auch, dass sich Studierende, die an PRME-Hochschulen im deutschsprachigen Raum studieren, nun auch versuchen sich zu verknüpfen im neu gegründeten PRME Alumni Network DACH. Dieses Netzwerk wurde an der Konferenz ausgerufen und organisiert sich auf LinkedIN.
In Hinblick auf die nachhaltige Wirkung der Konferenz an der Leuphana, würde uns interessieren, inwieweit die Konferenzthemen die verantwortungsvolle Managementausbildung in der Folge hier beeinflussen und welche Impulse in die Praxis getragen werden können?
Die präsentierten Konferenzbeiträge sollten uns insoweit inspirieren, als dass sie die starke Wirkung von partizipativen, dialog- und kreativ-orientieren Lehrformaten betont. Managementausbildung ist nicht „zu weich“ nur weil sie auf neuartige Formate zurückgreift - sie macht sie damit spürbarer. Im Namen aller Organisatoren bedanke ich mich bei allen Teilnehmenden für diese wichtigen Impulse, und beim Land Niedersachsen für die finanzielle Unterstützung im Rahmen des niedersächsischen Vorabs.

























