Leuphana-Studie zu Schulausfällen: Note 2,7 für das Management an den Schulen

Befragung von Eltern zu Angeboten von Schulen während witterungsbedingter Schulschließungen

27.02.2026 Lüneburg. „Schulen bleiben zu“, „Heute fällt die Schule aus“ titelten die Zeitungen im Januar 2026. Für solche Ausnahmetage regeln die Verwaltungsvorschriften, dass die Schulen eine Notbetreuung sicherstellen müssen. Auch Distanzunterricht ist eine Option – aber noch keine Pflicht. Das Niedersächsische Kultusministerium erklärte im Nachgang, es habe den Eindruck gewonnen, Angebote der Schulen hätten reichlich bestanden und seien gut angenommen worden. Doch wie haben die Eltern die Situation tatsächlich erlebt? Eine Umfrage des Instituts für Bildungswissenschaft der Leuphana Universität Lüneburg gemeinsam mit dem Kreiselternratsvorsitzenden in Lüneburg und der Landeselternratsvorsitzenden in Niedersachsen hat sich damit beschäftigt, wie Eltern die Schulschließung Anfang Januar wahrgenommen haben. Dazu wurden rund 3.250 Eltern in Niedersachsen im Rahmen einer Stichprobe online befragt. Die Kinder der Befragten besuchen in etwa der Hälfte der Fälle (50,46%) ein Gymnasium, 25% eine Grundschule.

Es war schulfrei, Angebote gab es teilweise, sie wurden aber wenig in Anspruch genommen.

Für die Kinder von ca. 90% der Befragten fiel der Unterricht am 9. und 12. Januar aus. Wenige Schulen (ca. 20%) boten Distanzunterricht an, den die Kinder in den meisten Fällen nutzten. Bei der Notbetreuung verhielt es sich anders. Sie wurde der Hälfte der Befragten angeboten, allerdings von den Eltern sehr wenig genutzt (1,5%). Ein möglicher Grund: Viele Befragte konnten ihr Kind nach eigenen Angaben an diesen Tagen im familiären Umfeld oder während des Home-Office betreuen. Insgesamt geben die befragten Eltern den Schulen für ihr Krisenmanagement im Durchschnitt die Schulnote 2,7.

Die bisherigen Ergebnisse scheinen darauf hinzudeuten, dass einige Schulen eine Notbetreuung zwar anbieten, die Eltern diese jedoch nicht als attraktiv empfinden. Eine erste Sichtung von Freitextantworten in der Befragung ergab, dass die Betreuung teilweise nicht lang genug gewesen wäre, oder Schulen darum gebeten hätten, diese Möglichkeit nicht wahrzunehmen.

Marc Kleinknecht, Professor für Schulpädagogik und Schulentwicklung zieht eine erste Bilanz: „So positiv, wie das Ministerium das Krisenmanagement der Schulen bei Schulschließungen dargestellt hat, haben es die Eltern nicht wahrgenommen. Allerdings scheinen die Eltern mit dem minimalen Programm noch ganz zufrieden zu sein und sich damit arrangiert zu haben.“ Seinem Team ging es bei der Erhebung aber nicht nur um ein Stimmungsbild, sondern auch darum, die Beweggründe für die Einschätzungen zu erfahren. „Bildungsgerechtigkeit ist maßgeblich davon abhängig, dass Unterricht verlässlich an jedem Schultag stattfindet und von professionellen Lehrkräften verantwortet wird. Die Qualität von Schule zeigt sich unter anderem darin, wie ernst ein Bildungs- und Betreuungsangebot auch in Ausnahmesituationen genommen wird“, sagt Kleinknecht.