Gesundheitsförderung und Bildung im Kontext nachhaltiger Entwicklung neu verknüpft
Erfolg für fakultätsübergreifendes Projekt
13.05.2026 Wie lässt sich psychische Gesundheit in der Arbeitswelt nachhaltigkeitsorientiert fördern? Die Antwort des Leuphana-Projekts „More“ überzeugte den wissenschaftlichen Beirat des Förderprogramms „Forschung zur Gesundheit in der Arbeitswelt“ (FoGA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Die Idee, bereits in der Ausbildung anzusetzen und zukünftige Berufsschullehrkräfte als Multiplikator*innen für Auszubildende zu qualifizieren, setzte sich gegen mehr als 100 Mitbewerbende durch. Als eines von drei Vorhaben erhält es die Förderung einer Nachwuchsforschungsgruppe für insgesamt drei Jahre an der Fakultät Bildung, der Fakultät Management & Technologie und der Fakultät Nachhaltigkeit.
Initiator*innen des Projekts
©Leuphana/Brinkhoff/Mögenburg
©Brinkhoff-Moegenburg/Leuphana
©Brinkhoff-Moegenburg/Leuphana
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Unsere mentale Gesundheit ist eine unserer stärksten Ressourcen für unser Erwerbsleben. Gleichzeitig hängt ein erfülltes Arbeitsleben davon ab, wie achtsam wir mit dieser Ressource umgehen. Einflussfaktoren auf unsere Gesundheit sind beispielsweise Schlaf, Bewegung oder das frühe Erkennen psychischer Belastungen. Um das eigene Verhalten, aber auch gesundheitsbelastende Verhältnisse reflektieren und verändern zu können, braucht es gesundheitsbezogene Gestaltungskompetenzen. Diese werden zwar immer zentraler in der Arbeitswelt, deren Förderung findet in der berufsbezogenen Bildung jedoch noch wenig statt. Dieses ungenutzte Potenzial greift nun dieNachwuchsforschungsgruppe „More - Motiviert und resilient in der Arbeitswelt durch Berufsbildung“ auf.
Projektleiter Professor Harald Hantke vom Institut für Sozialwissenschaftliche Bildung sieht darin eine besondere Chance: „In dem wir Auszubildende adressieren, setzen wir nicht nur früh im Erwerbsleben an, sondern erreichen zugleich eine Gruppe, die selten mit entsprechend resilienzfördernden oder befähigenden Angeboten in Berührung kommt. Die Nachwuchsforschungsgruppe wird daher die Ausgestaltung gesundheitlicher Präventionsmaßnahmen erforschen, die zentral auch Fragen der Gesundheitsgerechtigkeit im Kontext nachhaltiger Entwicklung berühren.“ Konkret wirkt das Projekt mit dieser Ausrichtung auf die UN-Nachhaltigkeitsziele „Gesundheit und Wohlergehen (3)“, „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum (8)“ und „Hochwertige Bildung (4)“ ein. Nicht zuletzt deshalb wird die Nachwuchsforschungsgruppe auch am UNESCO-Lehrstuhl „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ angesiedelt sein, deren Co-Lehrstuhlinhaber Harald Hantke seit letztem Jahr ist.
Interdisziplinärer Ansatz mit doppelter Wirkung
Die Mehrschichtigkeit des Projekts spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit der beteiligten Disziplinen wider. Antragstellend sind Professor Harald Hantke (Fakultät Bildung und Fakultät Nachhaltigkeit), Professorin Lea Böcker und Professorin Franziska Kößler (Fakultät Management & Technologie) sowie Professor Dirk Lehr (Fakultät Nachhaltigkeit), die methodisch ihre Disziplinen neu verknüpfen: Um Gesundheitskompetenzen gleich auf mehreren Ebenen zu fördern, wird die Nachwuchsforschungsgruppe auf den Ansatz des „didaktischen Doppeldeckers“ zurückgreifen, der in der Bildungsforschung zwar bewährt, im Kontext gesundheitspsychologischer Interventionen jedoch als neu angesehen werden kann. Um die Auszubildenden zu befähigen, präventiv auf gesundheitsbezogene Verhaltensweisen und Verhältnisse einzuwirken, werden zunächst zukünftige Berufsschullehrkräfte im Studium und im Referendariat als Multiplikator*innen qualifiziert – die damit zugleich selbst ihre gesundheitsbezogenen Gestaltungkompetenzen fördern.
Von der Forschung in die Unterrichtspraxis
Welche Interventionen sich am besten eignen, entwickelt, erprobt, evaluiert und optimiert das Team der Nachwuchsforschungsgruppe in einem designbasierten Forschungsansatz über die gesamte Förderphase. Die Präventionsmaßnahmen werden dafür sowohl in beiden Phasen der Lehrkräftebildung als auch in der Berufsschule implementiert. Professor Harald Hantke betont: „Gesundheitsförderung ist über sogenannte Standardberufsbildpositionen bereits als Querschnittsaufgabe in der gesamten Ausbildungszeit angelegt – bislang fehlen überwiegend jedoch passende Ansätze für die konkrete Umsetzung. Mit dem Projekt wollen wir diese Lücke schließen und übertragbare Best-Practice-Modelle entwickeln.“ Unter anderem mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und dem Bundesinstitut für Berufsbildung sind hierfür relevante Kooperationspartner eingebunden.
Bundesförderung zur Etablierung von Forschungsstrukturen
Das Förderprogramm „Forschung zur Gesundheit in der Arbeitswelt“ befindet sich derzeit in seiner zweiten Förderphase und ist ein zentrales Förderinstrument des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), um Forschungsstrukturen im Bereich der arbeitsbezogenen Gesundheitsforschung weiterzuentwickeln und insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs zu stärken. Gefördert werden Projekte, Nachwuchsforschungsgruppen und Stiftungsprofessuren in mehreren Handlungsfeldern, darunter die präventive Gestaltung von Erwerbsverläufen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Vulnerabilitäten in einer vielfältigen Erwerbsbevölkerung. Mit seiner Verknüpfung von Bildung, Gesundheit und Arbeitswelt und dem Fokus sowohl auf das Verhalten als auch die äußeren Verhältnisse verfolg das Leuphana-Projekt einen einzigartigen Ansatz im Rahmen des FoGA-Programms.
Die interdisziplinäre Nachwuchsforschsungruppe startet im Juni 2026.
Rückfragen und Kontakt
- Prof. Dr. Harald Hantke