Staatswissenschaftliches Kolloquium: Prof. Steven Dean (Boston University School of Law)
30. Juni
Die Fakultät Staatswissenschaften lädt während der Vorlesungszeit regelmäßig sowohl externe Gäste als auch Mitglieder der Universität zum staatswissenschaftlichen Kolloquium ein, in dem aktuelle Forschungsarbeiten aus der Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre vorgestellt werden. Das Kolloquium dient dem interdisziplinären Austausch und der Vernetzung über die Fächer hinweg. Interessierte sind herzlich zu den Vorträgen eingeladen! Organisiert wird das Staatswissenschaftliche Kolloquium vom Prodekan für Forschung, Prof. Dr. Mario Mechtel.
Staatswissenschaftliches Kolloquium mit
Prof. Steven Dean (Boston University School of Law)
“Racial Capitalism and International Tax Law: The Story of Global Jim Crow”
am Dienstag, 30. Juni von 16:15-17:45 Uhr im Hörsaal 3
Die globale Steuerpolitik bestimmt seit Langem, welche Staaten Zugang zu den Ressourcen bekommen, die sie zum Gedeihen benötigen. Heute fällt es selbst den reichsten Staaten schwer, wohlhabende Einzelpersonen und multinationale Konzerne angemessen zu besteuern. Gleichzeitig hat antischwarzer Rassismus wohlhabende Staaten auf Kosten marginalisierter Länder bereichert und die Steuerhoheit aller Nationen untergraben.
In einer fesselnden Erzählung, die mit persönlichen Erfahrungen verwoben ist, verbindet „Racial Capitalism and International Tax Law: The Story of Global Jim Crow“ Martin Luther Kings Jr. Metapher des „faulen Schecks“ – der die unerfüllten Versprechen von Freiheit und Gleichheit für Schwarze Amerikaner:innen symbolisiert – mit heutigen globalen Steuerpolitiken, die von antischwarzem Rassismus geprägt sind. Das Buch deckt vergessene Zusammenhänge auf, etwa zwischen Edwin Seligman, einem Architekten des globalen Steuersystems, und der Dunning School, die die ideologische Grundlage für die Jim-Crow-Gesetze lieferte, sowie zwischen Stanley Surrey, einem Harvard-Professor und Berater von Präsident John F. Kennedy, und zentralen Momenten des Kalten Krieges.
Darüber hinaus nimmt das Buch eine globale Perspektive ein und zeigt, wie die rassistische Panik angesichts der afrikanischen Dekolonisation einem exklusiven Club weißer Länder ermöglichte, neu souveränen Staaten wie Kenia und Nigeria einen zweiten „faulen Scheck“ auszustellen. Indem sie das inklusive „Ein Land, eine Stimme“-Prinzip der Vereinten Nationen umgingen, demontierten die OECD und ihre Doppelbesteuerungsabkommen die großzügigen Regelungen, die Europa nach beiden Weltkriegen den Wiederaufbau ermöglicht hatten.
„Racial Capitalism and International Tax Law“ enthüllt die überraschende Rolle, die antischwarzer Rassismus bei der Gestaltung eines internationalen Steuersystems spielte, das Milliardäre begünstigt – auf Kosten von Milliarden Menschen. Diese aufrüttelnde Darstellung fordert die Leser:innen heraus, das globale Steuersystem neu zu denken und dessen tiefgreifende Auswirkungen auf rassische und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu hinterfragen.
Rückfragen und Kontakt
- Prof. Dr. Lukas Hakelberg
- Prof. Dr. Mario Mechtel