Ethik im Gespräch: „KI-Kompetenzen müssen in der Breite entwickelt werden“

Über Künstliche Intelligenz als Herausforderung im Bildungsbereich

20.06.2024 Bei der dritten Session der Reihe „Ethik im Gespräch“ im Sommersemester diskutierten Prof. Dr. Ulf Brefeld (Professor für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Machine Learning) und Prof. Dr. Dana-Kristin Mah (Juniorprofessorin für Digitales Lehren und Lernen) sowie der schulfachliche Dezernent des Regionalen Landesamtes für Schule und Bildung in Lüneburg, LRSD Wolfgang Broy zum Thema „Lehramtsstudium und / oder Künstliche Intelligenz? Ethische Herausforderungen in Bildung durch Technik“. Die Reihe wird von Privatdozent Dr. Thomas Kück vom Institut für Ethik und Theologie organisiert und moderiert.

Ethik im Gespräch „KI-Kompetenzen müssen in der Breite entwickelt werden © Leuphana
Ethik im Gespräch „KI-Kompetenzen müssen in der Breite entwickelt werden © Leuphana
Ethik im Gespräch „KI-Kompetenzen müssen in der Breite entwickelt werden © Leuphana

„KI-Kompetenzen müssen in der Breite entwickelt werden!“, positionierte sich gleich zu Beginn Professorin Mah: Das sei jetzt noch nicht der Fall, aber das Ziel. Noch gäbe es große Unterschiede. In Ihrer Forschung und Lehre nehme sie wahr, wie das Interesse an Künstlicher Intelligenz größer werde. Das sei hilfreich, wenngleich diese neue Thematik mit ihrer Komplexität auch Verunsicherung und Orientierungslosigkeit mit sich bringe. Durch Thematisierung, Diskussion und Reflexion sollen die großen Potenziale, aber auch die Herausforderungen von Künstlicher Intelligenz für die Lehre und das Lehramt für einen informierten, verantwortungsvollen und souveränen Umgang mit KI erkannt werden.

Dazu trägt auch die Grundlagenforschung durch Prof. Dr. Ulf Brefeld bei. Seine Arbeit zielt auf die Entwicklung von Methoden und Tools wie beispielsweise die Koordination von Spieler*innen auf einem Fußballplatz. „Die Leistungsfähigkeit dieser KI-Modelle ist krass“, so Brefeld. Dass dadurch auch Befürchtungen geweckt werden, verwundert ihn nicht. Um diesen wirksam zu begegnen, empfiehlt Wolfgang Broy den Lehramtsstudierenden, „selbst das zu leisten, was man von der Schülerschaft erwartet, nämlich offen zu sein und die Methoden in das pädagogische Repertoire Eingang finden lassen“.

Was bedeutet das für Bildungsgerechtigkeit? Welche sachliche Ausstattung finden Schülerinnen und Schüler an ihren Schulen vor? Und welche Voraussetzungen bringen sie von zu Hause mit? Mah stellte zwei Aspekte besonders heraus. Zum einen gehe es um Lizenzen, um das Verfügbarmachen von Technologien für alle – „Digital Divide“ ist nicht nur ein globales Problem, es findet sich genauso an unseren Universitäten und Schulen. Zum anderen spielten die KI-Kompetenzen eine wichtige Rolle, und zwar von Lehrenden und Lernenden, um die Technologien sinnvoll und lernwirksam nutzen zu können. Brefeld ergänzte, dass der Bildungsarbeit mit KI die Verankerung grundlegender IT-Kompetenzen in der Gesellschaft vorgeschaltet sein müsse. Das Spektrum zwischen beiden Extremen sei ungerecht groß, und dem müsse in der Schule didaktisch begegnet werden, so Brefeld.

Von der Bildungsgerechtigkeit leitete Thomas Kück zu Prüfungsfragen über. „Liegen hier nicht auch Gefahren, wenn ChatGPT künftig die Hausarbeiten schreibt?“ Das habe es doch schon immer gegeben, dass bei den Hausaufgaben zu Hause geholfen wurde, erwiderte Wolfgang Broy. Dana-Kristin Mah ging hier in eine andere Richtung und fragte, ob die angesprochene Ungewissheit nicht auch die Chance berge, die aktuelle Prüfungskultur zu reflektieren. Ein Hindenken zu stärker kompetenzorientierten Prüfungsformen, mehr Personalisierung, mehr kollaborativem Lernen und prozessorientierter Projektarbeit bieten Potenziale, das Lernen und Lehren lernwirksamer zu gestalten. Dem stellte Wolfgang Broy von der Schulaufsicht allerdings die Notwendigkeit an die Seite, dass es auch weiterhin individuelle und qualifizierte Zeugnisse geben müsse. Das werde auch von Schülerinnen und Schülern so erwartet. Hinzu komme die Bedeutung der (inter-) nationalen Anerkennung von Abschlüssen.

„Ich freue mich, dass wir mit Events wie der Podiumsdiskussion ein bisschen dazu beitragen können, dass Barrieren abgebaut und das kritische Interesse an Künstlicher Intelligenz im Lehramtsstudium verstärkt wird“, sagt Thomas Kück, „es ist eine pädagogisches und eine informationstechnische Herausforderung, aber es ist eben auch eine ethische. Wie nutzen wir KI in der Schule richtig?“

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  • PD Dr. Thomas Kück