Coding Provenance Workshop: KI in der Provenienzforschung
18.02.2026 Die Wege von Kunstwerken von ihrer Entstehung bis heute zu rekonstruieren ist dringlich – und zugleich komplex. Die Aktivitäten von Händlern, Sammlern und Institutionen eröffnen Einblicke in oft verschlungene Vergangenheiten. Aber was passiert, wenn wir nicht nur ein einzelnes Objekt verfolgen, sondern gleich Tausende? Diese Frage gab den Anstoß für den ersten internationalen Workshop für Museums- und Provenienzfachleute zum Thema „Computational Provenance“ – eine Kooperation zwischen dem Provenance Lab der Leuphana Universität Lüneburg und dem Getty Provenance Index des Getty Research Institute in Los Angeles.
Das Provenance Lab an der Leuphana Universität Lüneburg unter der Leitung der Kunsthistorikerin und Provenienzspezialistin Prof. Dr. Lynn Rother verbindet Provenienzforschung mit computergestützten Methoden. Prof. Rother und ihr Team haben einen erheblichen Bedarf in der Provenienz-Community festgestellt, computergestützte Methoden zu erlernen und anzuwenden. Infolgedessen kooperierte das Provenance Lab mit dem Getty Provenance Index und dessen Leiterin, Dr. Sandra van Ginhoven, um den ersten internationalen Workshop dazu durchzuführen.
Der Coding Provenance Workshop, der vom 18. bis 21. Dezember 2025 in Lüneburg stattfand, wurde von Dr. Bárbara Romero Ferrón (Leuphana) und Dr. Giulia Taurino (Getty Research Institute) geleitet und war speziell für die Fachwelt der Provenienzforschung konzipiert. Die Eigenheiten von Provenienzen – ihre Lücken, Unsicherheiten und die oft fehlende historische Evidenz – prägen sowohl die Forschungsfragen als auch die angewandten Techniken und Methoden. Insgesamt brachte der Workshop 20 Provenienzexpert*innen aus 11 Ländern zusammen. Unter den vertretenen Institutionen waren etwa das British Museum in London, das Musée du Quai Branly - Jacques Chirac in Paris, das Van Gogh Museum in Amsterdam und die National Gallery of Art in Washington, D.C. Die Teilnehmenden lernten, digitale Ontologien, Anwendungen der künstlichen Intelligenz, Programmier-Workflows, Netzwerkanalysen und Datenvisualisierungen zu nutzen und zu entwickeln, um sie für die Provenienzforschung nutzbar zu machen. Dabei konnten die Teilnehmenden auch mit ihren eigenen Daten arbeiten.
Der Workshop war nicht nur praxisorientiert. Er stieß auch kritische Diskussionen an und verdeutlichte das gemeinsame Gefühl, dass eine internationale Arbeitsgruppe für den Austausch über neue Herausforderungen und Möglichkeiten benötigt wird. Die Teilnehmenden beschrieben eine „großartige“ Kolleg*innen-Gruppe, eine „intensive“ Workshop-Erfahrung und die einzigartige Gelegenheit, in kurzer Zeit „viel zu lernen“. Die Dringlichkeit des Coding Provenance Workshops wurde durch die Resonanz bestätigt: Fast 200 Bewerbungen aus 40 Ländern gingen für die nur 20 Plätze ein. Dieses Interesse bestätigt nicht nur die Mission und Vision des Provenance Lab, sondern unterstreicht auch den Bedarf an weiteren interdisziplinären und internationalen Programmen dieser Art im akademischen und musealen Bereich. Eine weitere Ausgabe des Workshops ist für Ende 2026 am Getty in Los Angeles geplant.