Unternehmer*innengeist stärken – Ernst Eugen Esch und Hans-Christoph Seewald im Dialog mit Studierenden
10.07.2026 Die Stiftungsprofessur für Unternehmertum (in Besetzung) des Stifters Ernst Eugen Esch soll Studierende fit machen für die Unternehmensgründung. Nun trat der Unternehmer selbst gemeinsam mit Hans-Christoph Seewald, selbst Gründer einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, in den Austausch mit interessierten Studierenden. Moderiert von Professorin Pauline Reinecke, Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Strategic Entrepreneurship, diskutierten Studierende über Herausforderungen und Chancen von Gründung, die Bedeutung von Innovationen, Verantwortung sowie den Mut, unternehmerische Chancen zu ergreifen.
Ernst Eugen Esch hört aufmerksam zu, hakt gezielt nach und möchte die Idee des jungen Unternehmensgründers genau verstehen. Finn Giese ist einer von rund 30 Studierenden, die an der Leuphana die Gelegenheit haben, mit dem Unternehmer und Philanthropen ins Gespräch zu kommen. Der Student der Rechtswissenschaft und seine Kommilitonen haben ein digitales Start-up gegründet. Ihre Plattform hilft Menschen, sich in der deutschen Bürokratie besser zurechtzufinden. „Es ist eine großartige Gelegenheit für mich, mich mit einem so erfahrenen Unternehmer wie Herrn Esch auszutauschen. Wer gründet, übernimmt Verantwortung und gestaltet“, sagt Finn Giese.
Genau diese Philosophie prägte das gesamte Berufsleben von Ernst Eugen Esch: Er baute Unternehmen auf, erkannte Chancen und prägte damit gesellschaftliche Entwicklungen. Auch im Ruhestand möchte er seine Erfahrungen weitergeben und die nächste Generation dazu ermutigen, eigene Ideen zu verwirklichen. „Deshalb habe ich eine Professur für Unternehmertum an der Leuphana gestiftet“, erklärt Ernst Eugen Esch. Die Stiftungsprofessur soll künftig die Entrepreneurship-Ausbildung an der Leuphana weiter stärken und neue Möglichkeiten schaffen, Forschung und Praxis miteinander zu verbinden.
Durch den Nachmittag führten Leuphana-Präsident Sascha Spoun und Prof. Dr. Pauline Reinecke sowie Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident für Entrepreneurship, Transfer und Internationalisierung. Sie moderierten den Dialog zwischen den beiden Unternehmerpersönlichkeiten und den Studierenden und griffen dabei Themen wie Gründung, Verantwortung und Innovation auf.
Der Austausch zwischen den Generationen liegt Ernst Eugen Esch besonders am Herzen: „Unternehmertum bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und auch Risiken einzugehen. Deshalb ist es mir wichtig, dass junge Menschen die Grundlagen des Gründens umfassend erlernen: wissenschaftlich fundiert und zugleich praxisnah.“
Der gebürtige Rheinländer absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Schaufenstergestalter, studierte anschließend Industriedesign und gründete ein eigenes Designunternehmen. Während der Wirtschaftskrise Anfang der 1980er-Jahre wechselte er in die Wirtschaft und übernahm bei der Kaffeehandelskette Eduscho die Verantwortung für das Aktionsgeschäft – eine anspruchsvolle Managementaufgabe.
Auslöser war eine Gesetzesänderung in der Bundesrepublik Deutschland, die kostenlose Zugaben wie etwa einem Feuerzeug zu einem Pfund Kaffee untersagten. Eduscho reagierte mit einem grundlegenden Strategiewechsel: Statt gebündelter Angebote verkaufte das Unternehmen fortan neben Kaffee eigenständige Aktionsartikel – von Handtaschen und Eierkochern bis hin zu Fahrrädern. Das Konzept erwies sich als großer Erfolg. Unterstützt durch moderne Logistik und Fernsehwerbung entwickelte sich das Unternehmen innerhalb weniger Jahre von einem Umsatz von rund 120 Millionen auf mehr als eine Milliarde D-Mark. „Der Markt hatte das Wort“, fasste Ernst Eugen Esch zusammen.
Leuphana-Präsident Sascha Spoun griff diesen Gedanken auf und hob die unternehmerische Tragweite der Maßnahmen hervor: „Das Entscheidende ist, solche Gelegenheiten zu erkennen und das eigene Portfolio entsprechend zu verändern. Die Kombination von Ideen macht einen Unternehmer aus. Ernst Eugen Esch hat ein neues Muster von Geschäftsgestaltung erfunden. Das ist etwas Besonderes.“
Auch Berater, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Hans-Christoph Seewald kam an diesem Nachmittag mit den Studierenden ins Gespräch: „Meine Verantwortung für die Gesellschaft endet nicht mit dem Ausscheiden aus dem Unternehmen. Ich möchte weiter die Zukunft mitgestalten“, erklärt er.
Ein spannender Diskussionspunkt drehte sich um die Frage, wie innovationsfreundlich Deutschland heute tatsächlich ist. Hannah Lea Brümmer studiert an der Graduate School der Leuphana das Programm „Management and Entrepreneurship“. „Wie kann man erreichen, dass Deutschland innovationsfreundlicher wird und Innovationen – gerade auch von noch jungen Start-ups – hier gehalten werden?“, fragte sie.
Die Antwort fiel deutlich aus: Deutschland sei durch Regulierung und etablierte Marktstrukturen geprägt. „International ist der Markteintritt leichter“, bedauerte Ernst Eugen Esch. Hans-Christoph Seewald pointierte: „Mit radikal neuen Produkten hat man im deutschen Markt kaum Chancen. Dann sind alle Innovationsblockaden da.“
Ein zentrales Thema war auch die Frage, wie Unternehmer mit Unsicherheit umgehen. Die Antwort der beiden Gäste fiel eindeutig aus: Begeisterung für die eigene Idee und die Bereitschaft, kontinuierlich zu lernen, seien entscheidende Voraussetzungen. Gleichzeitig brauche es ein stabiles persönliches Umfeld, um mit Belastungen umgehen zu können. „Aber wenn man sieht, wie sich die eigenen Ideen entwickeln und einen guten Verlauf nehmen, motiviert das enorm“, berichtete Ernst Eugen Esch. Mit der Stiftungsprofessur möchte er genau diesen Unternehmergeist fördern. Sein Appell an die Studierenden und jungen Gründer*innen lautete deshalb: „Nutzen Sie die Möglichkeiten, die Sie haben, und seien Sie stark und engagiert!“
Die Leuphana zählt in Forschung und Lehre zu den führenden Universitäten im Bereich Entrepreneurship und gehört zu den gründungsfreundlichsten Universitäten Deutschlands. Ihre Aktivitäten in der Gründungsförderung wurden vielfach ausgezeichnet. Seit vielen Jahren begleitet die Universität erfolgreich unternehmerische Vorhaben; vielversprechende Start-ups und Entwicklungen etablierter Unternehmen haben hier ihre Wurzeln. Darüber hinaus ist Entrepreneurship als Forschungsfeld an der Leuphana breit aufgestellt: Es umfasst Schwerpunkte wie Social, Sustainable, Cultural und Digital Entrepreneurship bis hin zu Entrepreneurship an Schulen und ist mit vielfältigen konzeptionellen Ansätzen sowie methodischen Zugängen vertreten.
Kontakt
- Prof. Dr. Pauline Reinecke
- Prof. Dr. Markus Reihlen






