Prof. Dr. Ricardo Usbeck zum KI-gesteuerten Cyberangriff
eine Einordnung
30.07.2026 Die zweite Julihälfte stand ganz im Zeichen der KI: Durch die Nachrichten geht der eigenständig ausgeführte Hackerangriff eines KI-Modells und die Leuphana meldet den Aufbau eines „Leuphana AI Campus“. Nicht unbedingt aufeinander folgend, jedoch in jedem Fall korrelierend, denn der Cyberangriff unterstreicht einmal mehr die Notwendigkeit eines reflektierten, kritischen und kompetenten Umgangs mit künstlicher Intelligenz und somit genau das, was die Leuphana mit einer umfassende AI Literacy Education erreichen möchte.
Wir haben Ricardo Usbeck, Professor für Künstliche Intelligenz und ihre Erklärbarkeit sowie Mitentwickler des „Leuphana AI Campus“, um eine Einordnung gebeten.
Wie schätzen Sie den derzeit durch die Nachrichten gehenden KI-gesteuerten Cyberangriff ein, den Open AI selbst als „beispiellosen Cyber-Vorfall“ bezeichnet?
Ricardo Usbeck: Der Cyber-Vorfall zeigt die Fähigkeiten neuer, großer KI-Modelle auf. Er ist Vorbote einer neuen Zeit für Cybersicherheit, aber eben auch mit Vorsicht zu genießen. Zum einen sind diese großen Sprachmodelle (noch) nicht freizugänglich, verbrauchen enorme Ressourcen und haben im Normalbetrieb “Guard Rails”, welche verhindern, dass solche Lücken ausgenutzt werden. Zum anderen ist der technische Bericht aus wissenschaftlicher Sicht mindestens lückenhaft. Während ich den Vorfall für real halte, sollten wir uns mit Untergangsprognosen zurückhalten und Lösungen für die Zukunft suchen.
Was müsste Ihrer Ansicht nach getan werden, um eine solche leistungsfähige KI-Software zu regulieren?
Die Regulation solcher KI-Modelle muss auf überstaatlicher Ebene erfolgen. Dazu bräuchte es entweder eine Veröffentlichungspause, um mit den Überlegungen hinterherzukommen, oder zumindest sofortiges Handeln auf internationaler Ebene. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass sogenannte “open weight”-Modelle (freie Modelle, die jede Person nutzen kann) zügig auf den Markt drängen werden und aufgrund des offenen Charakters nicht reguliert werden können. Das führt dann dazu, dass alle die gleichen Werkzeuge für Cybersicherheit (im Sinne von Angriff und Verteidigung) an die Hand bekämen. Dadurch wird es nicht mehr ein Wettkampf der Modelle, sondern der Hardware und der Menschen, die sie einsetzen.
Haben wir also zukünftig mit weiteren solcher Vorfälle zu rechnen?
Ja! Die Leistungsfähigkeit solcher Modelle ist nun bewiesen. Chinesische open-weight-Modelle wie Kimi K3 stehen in den Startlöchern, um ähnliche Fähigkeiten zu entwickeln. Darum hilft nur, eine hohe AI Literacy aufzubauen und selbst den Umgang mit solchen KI-Modellen zu erlernen.
Herzlichen Dank für Ihre Einschätzung zum Vorfall.
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- Prof. Dr. Ricardo Usbeck