Niedersachsen fördert neues Zentrum für Empirische Bildungsforschung mit 5,8 Millionen Euro

Forschung, die Schule macht

06.02.2026 Wie gelingt Unterricht, der Kinder und Jugendliche stärkt? Wie bleibt das Bildungssystem lernfähig, wenn sich gesellschaftliche Anforderungen rasant verändern? Mit der Gründung des Zentrums für Empirische Bildungsforschung (ZEB) will Niedersachsen wissenschaftlich fundierte Antworten auf diese und viele weitere Fragen geben. Das ZEB adressiert aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich und versteht sich als Brücke zwischen Bildungswissenschaft, Bildungspolitik und Bildungsadministration. Es bündelt Expertise, fördert den Austausch zentraler Akteure und liefert evidenzbasierte Grundlagen für bildungspolitische Entscheidungen.

©Janina Finkemeyer / MWK
Prof. Sascha Spoun, Kultusministerin Julia Willie Hamburg, Wissenschaftsminister Falko Mohrs, Prof. Volker Epping (v.l.n.r.)

Das neue Zentrum wird mit rund 5,8 Millionen Euro über sechs Jahre aus dem gemeinsamen Förderprogramm zukunft.niedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie der VolkswagenStiftung finanziert. Parallel hierzu fördert zukunft.niedersachsen begleitende Maßnahmen zur Empirischen Bildungsforschung in der „Forschungsallianz zur Interventions-, Implementations- und Transferforschung“ mit weiteren rund 4,1 Millionen Euro. Beteiligt hieran sind neben der Leibniz Universität Hannover die Technische Universität Braunschweig und die Universität Hildesheim.

Das ZEB am Standort Lüneburg wird gemeinsam von der Leuphana Universität Lüneburg und der Leibniz Universität Hannover getragen. Im Mittelpunkt der Forschungen stehen zunächst die Schwerpunkte Kompetenzmessung von Lernenden und Lehrpersonen, innovative Ansätze des Bildungsmonitorings sowie datenbasierte und evidenzinformierte Schulentwicklung. Darüber hinaus ist eine enge Zusammenarbeit mit weiteren Hochschulen und Forschungsverbünden auf nationaler und internationaler Ebene geplant, um die Qualität und Reichweite der Bildungsforschung in Niedersachsen weiter zu stärken. Hierzu werden insgesamt drei Professuren und bis zu zehn Stellen für Doktorandinnen und Doktoranden finanziert. Die anschließende Verstetigung der Professuren ist durch die Universitäten sichergestellt, die außerdem zwei weitere Juniorprofessuren für das ZEB schaffen. Die Initiative zur Gründung des Zentrums ging von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen (WKN) aus.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs: „Gute Bildung ist der Schlüssel für den Wohlstand von morgen. Aber was macht gute Bildung aus und wie bleibt unser Bildungssystem immer auf der Höhe der Zeit? Ich freue mich, dass wir mit der Gründung des ZEB die empirische Bildungsforschung in Niedersachsen auf noch breitere Beine stellen und hier genau diese Gegenwarts- und Zukunftsfragen beantwortet werden – wissenschaftlich fundiert, innovativ und nah am Leben der Schülerinnen und Schüler.“

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg: „Die Anforderungen an unsere Schulen sind immens – und sie wachsen weiter. Der Umgang mit Heterogenität, die Sicherung von Basiskompetenzen, der Fachkräftemangel, Inklusion, Integration und Digitalisierung sind Themen, die immer mehr an Relevanz gewinnen. Niedersachsen hat sich bereits mit vielfältigen Programmen und Initiativen auf den Weg gemacht, Lernen und Schule zeitgemäß zu gestalten. Mehr Bildungsgerechtigkeit und Bildungsqualität dürfen wir aber nicht dem Zufall überlassen. Wir müssen wissen, wie die Programme und genutzten Freiräume wirken, unter welchen Bedingungen sie erfolgreich sind und wo sie Unterstützung brauchen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die angestoßenen Innovationsprozesse systematisch in ein erweitertes Bildungsmonitoring einzubetten – mit belastbaren Daten, kontinuierlicher Beobachtung und wissenschaftlich fundierter Evaluation. Das noch junge ZEB zeigt: Politik, Wissenschaft und Praxis sind keine getrennten Welten, sondern Teil einer Verantwortungsgemeinschaft für gute Bildung. Gemeinsam gestalten wir Zukunft.“

Prof. Sascha Spoun, Präsident Leuphana Universität Lüneburg: „Gute Bildung ist essenziell – allem voran für die Demokratie, die Wirtschaft und auch die Persönlichkeitsentwicklung. Mit dem neuen Forschungszentrum wollen die beteiligten Universitäten das Land Niedersachsen dabei unterstützen, die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern auf der Basis wissenschaftlicher Daten gezielt zu verbessern. Als themenorientierte Universität fokussiert die Leuphana ihre Arbeit auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Disziplinenübergreifend und in Kooperation mit der Praxis wollen wir einen konkreten Beitrag zur Lösung von Problemen leisten. Mit der Gründung des neuen Zentrums für Bildungsforschung verfolgen wir diesen Ansatz konsequent weiter.“

Prof. Volker Epping, Präsident Leibniz Universität Hannover: „Wir danken dem Land Niedersachsen, welches unsere Universitäten im Bereich der Empirischen Bildungsforschung mit insgesamt drei Professuren unterstützt. Wir können so unsere Stärken und Potenziale in diesem Bereich gemeinsam weiter ausbauen und auf Spitzenforschungsniveau zusammenarbeiten. Mit der Stärkung unserer Forschung schaffen wir im Gegenzug wissenschaftsbasierte Erkenntnisse als Entscheidungsgrundlage für Bildungswesen, Politik und Schule und können so eine fundierte Unterstützung für die dringend notwendigen Transformationen im Bildungswesen leisten. Mit der Professur Educational Innovation & Change liegt an der LUH der Schwerpunkt darauf, den Transfer aus den empirischen Daten in die Bildungspraxis zu beforschen und damit konkrete Schulentwicklung zu ermöglichen.“

Prof. Jutta Allmendinger, Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen: „Die empirische Bildungsforschung liefert viele Hinweise, wie unser Schulsystem, die Schulverwaltung und die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler verbessert werden können. Eine Leerstelle besteht allerdings oft in der nachhaltigen Über- und Umsetzung der empirischen Forschung in den Bundesländern, in den Bildungsverwaltungen, in der Lehrerbildung und in der Situation in den Schulen vor Ort. Diese Lücke zu schließen ist zwingend. Ich bin froh, dass sich das ZEB nun an die Arbeit macht.“

Dr. Georg Schütte, Vorstand der VolkswagenStiftung: „Transformation ist eines der drei Zukunftsfelder bei zukunft.niedersachsen, um die Wissenschaft hier gezielt zu stärken. Denn auch das Wissen, das wir im Alltag brauchen, verändert sich rasant. Die Bildungsforschung liefert wissenschaftlich fundierte Antworten – und damit den Schlüssel für die Herausforderungen von morgen.“

zukunft.niedersachsen

Der überwiegende Teil der Fördermittel von zukunft.niedersachsen resultiert aus dem Gegenwert der jährlichen Dividende auf nominal 30,2 Millionen VW-Treuhandaktien des Landes Niedersachsen, die dem Gewinnabführungsanspruch an die VolkswagenStiftung unterliegen. Satzungsgemäß sind die Fördermittel an wissenschaftliche Einrichtungen im Land Niedersachsen zu vergeben. Dazu legt die Landesregierung dem Kuratorium der Stiftung zumeist im Sommer und im Herbst Verwendungsvorschläge vor. Im Berichtsjahr 2024 standen für zukunft.niedersachsen wegen Sondererträgen insgesamt 618,7 Millionen Euro zur Verfügung.