Zum Hauptinhalt springen

Leuphana Concert Lab: „Under Pressure“-Konzert mit Johannes Obermeier

17.07.2026 Eindrücklich gelingt es den Studierenden des Concert Labs im Sommersemester 2026 in Kooperation mit Steinway & Sons und dem Pianisten Johannes Obermeier, das Thema "Leistung und Leistungsdruck" in Konzert und Ausstellung erfahrbar zu machen.

©Phillip Bachmann/ Leuphana
Für das Concert Lab im Sommersemester 2026 konnte als Partnermusiker der Steinway Prize Winner Johannes Obermeier gewonnen werden

Auch im Sommersemester 2026 hat sich erneut eine interdisziplinäre Gruppe von Studierenden im Concert Lab-Seminar „Artistic Citizenship und neue Ansätze in der Konzertgestaltung: Ein Konzertlabor mit Steinway & Sons“ zusammengefunden. Gemeinsam wurde der Themenschwerpunkt “Leistung und Leistungsdruck” diskutiert und mit dem Steinway Prize Winner Johannes Obermeier als Partnermusiker ein interdisziplinärer Konzertabend gestaltet. Von der Dramaturgie bis zur Raumgestaltung erarbeiteten die Seminarteilnehmer*innen das Konzert und die Ausstellung „Under Pressure“. 

Wie es dem bewusst als Experiment gestaltete Abend gelungen ist, dem Publikum neue Erlebnisräume zu ermöglichen und zum Nachdenken anzuregen, ist nachfolgend zu lesen. 

Einklang

„Falten Sie einen Papierflieger nach Ihren eigenen Vorstellungen. Es gibt kein „richtig“ oder falsch“. Alles, aber nicht diese (vermeintlich) leichte Aufgabe ist zum Einklang, der Einstimmung des Konzerts auf das Thema „Under Pressure“, zu erwarten gewesen. Ein ungewöhnlicher Empfang? Nun – der Abend sollte noch ungewöhnlicher werden.

Locker im Foyer verteilte Video- und Objekt-Installationen luden zur Betrachtung ein: Deformierte PET-Flaschen, zerplatzte Ballons – wer über die zerquetschten Tomaten noch schmunzelte, begann spätestens beim Anblick der zertrümmerten Ukulele und des zerrissenen Buches zu schlucken. In Kurzvideos war der Akt der Deformation zu beobachten, deren eine auf Stress und Leistungsdruck sichtbar körperlich reagierende Person gegenübergestellt wird. Unwillkürlich kam hier die Frage auf, welche Spuren äußere Belastungen an Objekten sowie an Menschen hinterlassen können.

©Almut Schafner
©Almut Schafner
©Almut Schafner
©Almut Schafner

Konzert

Fast lane oder slow lane? Der Eintritt in den Konzertsaal unterlag einer strengen Bewertung des frischgebastelten Papierfliegers. Dieser erlitt eine Bruchlandung? Somit folgten Sie den pinken Pfeilen gewollt umständlich durch das Treppenhaus ins Auditorium – ein aus Musikboxen dröhnender und immer lauter werdender Herzschlag beschleunigte das eigene Herz.

Im Auditorium angelangt, fiel der Blick unweigerlich auf den im Zentrum der Bühne stehenden Steinway-Flügel, eingerahmt von Bannern auf denen die Worte „höher“, „schneller“, „weiter“ und „besser“ zu lesen waren. Man selbst fand sich unversehens in einer Prüfungssituation wieder: Stift und Klausur lagen bereit, mit der Aufforderung innerhalb von 90 Sekunden die erste Aufgabe – „Eröffnungsansprache für die Konzertveranstaltung“ – zu bearbeiten und (!) im Anschluss zu halten. Die Erleichterung im Saal war deutlich spürbar, als der Suchscheinwerfer „zufällig“ jemanden auswählte, der die Ansprache fließend vortragen konnte.

Wer sich nun entspannt zurücklehnen wollte, wurde enttäuscht: Weitere Aufgaben folgten zwischen den komplexen Stücken von Liszt, Skrajabin, Prokofjew und Chopin/ Godowsky, die der Pianist und Komponist Johannes Obermeier scheinbar mühelos zu spielen vermochte. Erst im zweiten Teil des Konzerts, der mit Abgabe der Prüfungsbögen begann, wurde die spannungsreiche Situation gelöst. Der Pianist bat seine Zuhörer*innen auf die Bühne, wo sie auf Stühlen, Sesseln und Sitzkissen rund um den Flügel in einer Atmosphäre gemütlicher Intimität dem weiteren Konzert folgen konnten. 

Ich lebe nur in meinen Noten, und ist das eine Werk kaum vollendet, so ist das andere schon wieder in Arbeit, wie ich jetzt schreibe, so mache ich oft drei, vier Sachen zugleich.

Dieses Zitat Beethovens stellte Obermeier dem zweiten Teil des Abends voran, in Erinnerung daran, dass ein gewisser Druck im Positiven dazu führen kann, in einen schaffensreichen Workflow zu gelangen.

Es folgten eigene Stücke Obermeiers, u.a. eine spontane Improvisation, dessen Thema „Stress und Unbehagen“ durch das Publikum vorgegeben worden war. Ein interessantes Experiment, das, wie der Komponist betonte, in einem klassischen Konzert  eher ungewöhnlich sei. Entspannung setzte mit dem Stück „Dreaming“ von Amy Beach ein, das der Pianist später selbst als sein Lieblingsstück des Abends bezeichnete.

©Phillip Bachmann/ Leuphana
©Phillip Bachmann/ Leuphana
©Almut Schafner
©Almut Schafner

Nachklang

Noch mit Johannes Obermeiers „Fledermaus-Paraphrase“ des bekannten Strauss-Stücks im Ohr, fand man im Anschluss das Foyer umgestaltet vor: Von Staffelei zu Staffelei gehend, konnte beispielsweise darüber abgestimmt werden, ob Talent wichtiger als Disziplin sei, ob die Musiklandschaft auch ohne Druck funktionieren könne oder ob Imperfektion auf die Bühne gehöre. In abgeschirmten Orten der Entspannung und Reflexion konnte das Erlebte Revue passieren, bevor mit dem Publikumsgespräch der letzte Programmpunkt des Abends begann. 

Hier war von Johannes Obermaier zu erfahren, dass er durch den Leistungssport auf das Thema „Leistungsdruck“ gekommen sei, das auch in den Wettbewerben der Musikwelt nicht unbekannt ist. Auf die Frage seines eigenen Umgangs mit Druck, verwies er auf den Kōan, einer paradoxen Fragestellung aus dem Zen-Buddhismus. Für ihn bedeute dieser, den Druck in der Meditation einfach sein zu lassen. Das Mühevolle mühelos aussehen zu lassen, sei ein Aspekt des Drucks, der auf dem Musiker liege – was Obermaier erst im Nachhinein bei der Stückauswahl im Konzert gemerkt habe. Als umso angenehmer schildert er den zweiten Teil des Konzerts, der ihn räumlich und damit auch emotional in Verbindung mit dem Publikum treten ließ. 

Seinen Dank sprach Johannes Obermeier der Projektleitung Professor Dr. Sigrid Bekmeier-Feuerhahn sowie Steinway & Sons dafür aus, am Concert Lab teilgenommen haben zu dürfen und bedankte sich noch einmal herzlich für die gemeinsame Gestaltung des Konzertabends bei Seminarleiterin Lea Jakob und den 25 Seminarteilnehmer*innen, deren abwegigen und kreativen Ideen ihn positiv überrascht hätten. Seiner Hoffnung, dass die beabsichtigte spannungsreiche Wirkung des Abends sich auf das Publikum übertragen habe, konnte nur bejaht werden.

Ein vielseitig aufregender Abend ging damit zu Ende, der zum Nachdenken anregte und als einzigartiges Erlebnis in Erinnerung bleibt.

©Almut Schafner
©Almut Schafner
©Almut Schafner
©Almut Schafner

Kurzinformation zum Konzertlabor mit Steinway & Sons

In diesem transdisziplinären Seminar kooperiert das Leuphana Concert Lab mit Steinway & Sons, um gemeinsam mit einer*m Steinway Prize Winner als Partnermusiker*in zu erforschen, wie gesellschaftliche Themen musikalisch inszeniert werden können. Im Mittelpunkt steht das Konzept des Artistic Citizenship: Es wird die Rolle und Verantwortung von Musiker*innen in der heutigen Gesellschaft hinterfragt und nach künstlerischen Wegen gesucht, um aktuelle Herausforderungen greifbar zu machen. In Kleingruppen wird die konkrete Konzertplanungen wie Dramaturgie, Publikumsinteraktion und Raumgestaltung sowie ein interdisziplinäres Begleitprogramm entwickelt und das Konzert am Ende des Semesters zweimal öffentlich aufgeführt. Das Seminar steht Studierenden aller Fachrichtungen offen und erfordert keine Vorkenntnisse. 

Weitere Informationen

Zum Concert Lab

Kontakt und Rückfragen

Prof. Dr. Sigrid Bekmeier-Feuerhahn (Projektleitung)

Lea Jakob (Projektkoordination)