Wie geht „South-South Capacity Building“? Interview mit Dr. Dula Wakassa Duguma
01.04.2026
Wie können lokale Akteur:innen gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln?
In diesem aufschlussreichen Interview berichtet Dr. Dula Duguma vom Social-Ecological Systems Institute (SESI), wie der „Süd-Süd“-Wissensaustausch einen transformativen Wandel vorantreiben kann. Durch die Vernetzung von Forschenden, Praktiker:innen und lokalen Expert:innen aus Rwanda und Äthiopien fördert das SESI gegenseitiges Lernen, stärkt lokale Kompetenzen und entwickelt gemeinsam kontextspezifische Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung. Im Mittelpunkt steht kein Top-down-Transfer von Expertise, sondern gerechte Zusammenarbeit, der Austausch von Erfahrungen und die Stärkung lokaler Handlungsspielräume. Das Interview zeigt, wie grenzüberschreitendes Peer-to-Peer-Lernen resiliente, inklusive und lokal verankerte Lösungsansätze inspirieren kann.
Interview mit Dr. Dula Duguma
Was ist Ihr Forschungsgebiet an der Leuphana?
Ich arbeite am Institut für Sozial-Ökologische Systeme (SESI) in der Fakultät für Nachhaltigkeit. Meine Forschung befasst sich mit der Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, insbesondere damit, wie sich Veränderungen in der Landnutzung auf die Biodiversität, die Ökosystemleistungen (wie Brennholz, Nahrungsmittelproduktion, Erosionsschutz, Bodenfruchtbarkeit, Klimaschutz usw.) und das menschliche Wohlbefinden auswirken. Außerdem untersuche ich, wie geschädigte Ökosysteme so wiederhergestellt werden können, dass sowohl die Natur als auch die lokalen Gemeinschaften davon profitieren.
Worum ging es bei der jüngsten Feldforschung?
Unsere jüngste Feldforschung konzentrierte sich auf den Kapazitätsaufbau, um die Aktivitäten lokaler Akteure vor Ort direkt zu unterstützen. Prof. Joern Fischer und ich organisierten eine „South-South“-Veranstaltung zum Wissensaustausch mit dem Titel „South-South Knowledge Exchange on Ecosystem Restoration: the Potential of Coffee-Agroforestry for Social-Ecological Restoration” zwischen Forschenden, Expert*innen und Praktiker*innen aus Ruanda und Äthiopien. Wir richteten uns an Akteure, die in den Kaffeeanbaugebieten beider Länder tätig sind, wo wir Forschungen zu sozialen und ökologischen Aspekten durchgeführt haben. Die Veranstaltung brachte Entscheidungsträger*innen, Forschende und Praktiker*innen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und voneinander über den Erhalt der Biodiversität und nachhaltige Kaffeeproduktion zu lernen.
Was war Ihre Aufgabe?
- Kommunikation mit den Akteuren – Ich habe Kontakt zu Akteuren aufgenommen, die in Kaffeeanbaugebieten tätig sind, sie zur Teilnahme eingeladen und nachgehakt, um sicherzustellen, dass sie bereit waren, ihre Erfahrungen zu teilen.
- Planung und Organisation der Logistik – Ich koordinierte Flüge, Transportmöglichkeiten für die Feldforschung, Unterkünfte, Workshop-Räumlichkeiten und Visumsangelegenheiten. Das war eine Herausforderung, aber dank der Unterstützung durch die Leuphana Universität, die Universität Ruanda und die Jimma-Universität haben wir dies erfolgreich gemeistert.
- Konzeption der thematischen Inhalte der Veranstaltung – Ich habe die Veranstaltung so strukturiert, dass sie ihr Ziel eines sinnvollen Wissensaustauschs erreichte. Wir begannen mit einem eintägigen Workshop, bei dem die Teilnehmenden ihre Arbeit vorstellten und in kleinen Gruppen diskutierten. Darauf folgten drei Tage mit Exkursionen in jedem Land und schließlich ein Abschlussworkshop, um die gewonnenen Erkenntnisse zusammenzufassen.
Was war die Idee hinter dem „South-South Capacity Building Event”?
Die Idee entstand aus unseren Forschungserfahrungen in diesen Landschaften. Ruanda und Äthiopien verfügen beide über afromontane Waldlandschaften, wenden jedoch unterschiedliche Praktiken beim Kaffeeanbau (z. B. weniger bewirtschaftete Kaffee-Wälder, intensiv bewirtschaftete Kaffee-Wälder, Kaffee-Agroforst, Kaffeeplantagen), bei der Wiederherstellung von Ökosystemen und beim Schutz der Biodiversität an. Anstatt unsere Beobachtungen lediglich zu veröffentlichen, wollten wir eine direkte Wirkung erzielen, indem wir lokale Akteure aus beiden Ländern miteinander vernetzten. Durch den persönlichen Austausch bewährter Praktiken konnten sie voneinander lernen und neue Ideen sofort umsetzen – beispielsweise in der Kaffee-Agroforstwirtschaft und bei Renaturierungsmaßnahmen.
Welche Auswirkungen/langfristigen Effekte erhoffen Sie sich nach der Veranstaltung?
Wir hoffen, dass die Teilnehmer*innen das Gelernte in ihrer eigenen Umgebung anwenden werden. Dazu gehören beispielsweise der Einsatz einheimischer Schattenbäume auf Kaffeefarmen, die Verbesserung der Abfallwirtschaft bei der Kaffeeverarbeitung und die Einführung nachhaltiger Anbaumethoden. Diese Praktiken können Biodiversitätskorridore stärken und das Einkommen der Bauern verbessern.
Langfristig streben wir außerdem Folgendes an:
- Zukünftige gemeinsame Forschungsprojekte, die sowohl lokalen als auch globalen Gemeinschaften zugutekommen.
- Gemeinsam erarbeitetes Wissen, das die transdisziplinäre Wissenschaft voranbringt.
- Informationsmaterialien, wie z. B. Policy Briefs, die die Arbeit von Entscheidungsträgern in beiden Ländern unterstützen.
Was sind die nächsten Schritte nach Abschluss der Exkursion?
Die nächsten Schritte sind:
- Stärkung der Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, darunter Regierungsinstitutionen, NGOs und Universitäten in den Landschaften beider Länder
- Verbreitung der Ergebnisse durch Broschüren, Policy Briefs und wissenschaftliche Artikel.
- Möglicherweise die Beantragung gemeinsamer Forschungsmittel, um diese Arbeit fortzusetzen und auszuweiten.
Was haben Sie persönlich aus dieser Zusammenarbeit mitgenommen? Was war das Besondere an dieser Reise?
Auf persönlicher Ebene war es inspirierend zu sehen, wie die Teilnehmer mit Offenheit und Neugierde zusammenkamen und vielfältige Praktiken austauschten, darunter ihre Herausforderungen und Erfolge bei der Wiederherstellung von Ökosystemen und der Kaffeeproduktion, von denen sich alle gegenseitig lernen konnten, was sowohl das wissenschaftliche Verständnis als auch die praktische Anwendung stärkte.
Der aufrichtige Dialog zwischen den Teilnehmer*innen während der Workshops und Feldbesuche, der ein produktives Umfeld für den Wissensaustausch und das gegenseitige Lernen schuf, war etwas Besonderes. Der Besuch der Landschaften, die Begegnungen und Gespräche mit Landwirten und Genossenschaften sowie die Möglichkeit, Wiederherstellungsmaßnahmen aus erster Hand zu erleben, machten die Veranstaltung greifbar und bedeutungsvoll.
Kooperationspartner*innen:
- Die Teilnehmer*innen kommen von der Universität Ruanda (https://coebiodiversity.ur.ac.rw/ ),
- CIFOR-ICRAF Ruanda (https://www.cifor-icraf.org/locations/africa/rwanda/ ),
- National Agricultural Export Development Board (https://www.naeb.gov.rw/ ),
- Kopakama Coffee (https://kopakama.yourwebsitespace.com/ ),
- Jimma University (https://ju.edu.et/agri/about-the-department/ ),
- Environment and Coffee Forest Forum (https://www.ecff.org.et/),
- Oromia Coffee Farmers Cooperatives Union (OCFCU) (https://www.oromiacoffeeunion.com/ ),
- Rainforest Alliance Ethiopia (https://www.rainforest-alliance.org/regions/ethiopia/ )
- Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF),
- Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und
- Universität Stockholm.
Das Interview wurde aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.


