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Eine Nord-Süd Verbindung: Lüneburger Studierende fahren nach Nürnberg

05.06.2026 Einblick in ein transdisziplinäres Studienprojekt der Leuphana School of Sustainability.

Jedes Sommersemester finden an der Leuphana School of Sustainability die TD- Seminare, also die TransDisziplinären Seminare, statt. In dem Projekt „Communicating Sustainability in Cities“, angeleitet von Viola Hakkarainen und Jennifer Fandrich erarbeiten Studierende im 4. Semester des Bachelorstudiengangs „Global Environmental and Sustainability Studies“ zusammen mit Praxispartner*innen der Stadt Nürnberg eigene Forschungsprojekte.  

Dieser transdisziplinäre Projektkurs untersucht, wie Kommunikation den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit im städtischen Umfeld vorantreiben kann. Städte spielen eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft, und eine effektive Kommunikation durch Kampagnen, öffentliche Veranstaltungen, digitale Instrumente und ortsbezogene Maßnahmen kann das Engagement, das Bewusstsein und das Verhalten der Öffentlichkeit maßgeblich beeinflussen. 

Im Rahmen des Seminars fand eine Exkursion nach Nürnberg Ende April 2026 statt, um vor Ort mit Praxispartner*innen der Stadt Nürnberg vor Ort zu arbeiten.  

Ziel der transdisziplinären Projekte ist die Arbeit in einem Forschungsprojekt, das von den Studierenden unter Anleitung mitkonzipiert und durchgeführt wird. Die Projekte bearbeiten Aufgabenstellungen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsfragen, in welchen ein transdisziplinärer Forschungsansatz zielführend erscheint.

Exkursion nach Nürnberg

Erster Stopp in Nürnberg: Superblocks Gostenhof

Start Lüneburg, Ziel Nürnberg – in gut 5 Stunden mit dem ICE waren wir in der Stadt, in der unsere Projektpartner*innen bei der Stadt Nürnberg sitzen. Erster Programmpunkt auf unserer Agenda war eine Stadtführung in den Superblocks, einem Entwicklungsquartier in Nürnberg, welches im August 2025 gestartet wurde und von der Stadt Nürnberg teilfinanziert ist. Elisa Schleidervom Verein Gostenhof erklärt: „Der Begriff der „Superblocks“ wurde in Barcelona entwickelt. Die Idee der Superblocks sieht eine Verkehrsführung im Stadtteil vor, die keinen Durchgangsverkehr gebietsfremder Kfz zulässt. Genau das sehen wir auch hier: es gibt Hochbeete, Tischtennisplatten, Sitzgelegenheiten - sogar eine alte Segeljolle (ohne Segel) im Viertel. Ziel ist es, dass Kinder sich wieder frei in den Fußgängerzonen bewegen können und auf der Straße spielen. Aber soweit ist es leider noch nicht – Elisa erklärt, dass immer wieder Autos durch das Gebiet fahren, die die Schilder nicht richtig lesen. Auch innerhalb des Entwicklungsgebiets trifft der Verein auf Widerstände, wie wir aus erster Hand mitbekommen, als ein Anwohner erzählt, wie schwierig es sei, inzwischen einen Parkplatz zu bekommen, seine Frau sei auf ein Auto angewiesen, da sie im Süden der Stadt arbeite und die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu lange dauern würde. In Hinblick auf Erhitzung der Städte, wenig Beschattung in Ballungsgebieten, Abgasbelastung durch Autos, sind Initiativen wie die Superblocks im Gostenhof ein vorbildhaftes Beispielprojekt, wie in Zeiten des Klimawandels einzelne Bereiche in Städten grüner und nachhaltiger gestaltet werdne können und daran auch wieder gemeinschaftlicher agieren können. Elisa erzählt vom Beispiel des Gießens der Pflanzen und Bäume in den Hochbeeten im Gebiet: Dazu mussten alle Beteiligten lernen, wie Hydranten der Stadt genutzt werden und die ersten Male kam es zu der einen oder anderen Überschwemmung. Schnell waren viele Leute zur Unterstützung dabei, sie war erstaunt, wie hilfsbereit viele Hilfe angeboten haben. Sie sagt, die superblocks tragen zur Vernetzung innerhalb des Quartiers bei, auch wenn nicht alle die Veränderung im Gostenhof mittragen.

Nächster Stopp: Ratssitzung 

Im Anschluss legte die Gruppe einen Sprint in Richtung Rathaus hin, da hier der Umweltausschuss tagte, um über eins der Projekte zu entscheiden, mit welchem sich die circularity economy Gruppe beschäftigen wird: ZIRKA, ein Secondhandkaufhaus, das in der Innenstadt von Nürnberg entstehen soll. Es soll die illegale Sperrmüllentsorgung auf den Straßen entgegenwirken, indem Bürger*innen animiert werden, ihre Kleidung, Gegenstände, Möbel zu spenden und darüber hinaus sollen Anreize für nachhaltige Dienstleistungen wie ein Repaircafe, Workshops zum nachhaltigen Konsum angeboten werden. Es war spannend, eine Ratssitzung mitzuerleben und direkt den demokratischen Prozess beizuwohnen: Ein monatelang vorbereitetes Projekt wird durch die Referentin in einer kurzen Präsentation aufgezeigt, danach dürfen alle Mitglieder des Ausschusses kommentieren, am Ende wird abgestimmt. Dem Antrag wurde mit einer Gegenstimme zugestimmt, damit kann das Projekt ZIRKA nun in Nürnberg starten. 

Der erste Exkursionstag endete mit einem Eis oder eine Brezel vor dem Schönen Brunnen und einer kurzen Zusammenfassung des ersten Tages auf dem Marktplatz.

Tag 2: Projekttreffen im Rathaus

Der zweite Tag startete um 9 Uhr erneut im Rathaus mit den Praxispartner*innen der drei Gruppen: Zirkulärwirtschaft, Klimaadaption und Klimaschutz. Die Studierenden stellten ihre vorbereiteten Fragen an die Praxispartnerinnen der Stadt Nürnberg, eine anregende Diskussion zu den Abläufen in der Verwaltung, Entscheidungsprozessen und auch der Umsetzung der entsprechenden Ideen entstand. Die Fragen waren themenbezogen einerseits in Richtung Kommunikationsstrategien wie etwa Daten zum Erfolg bestimmter Kommunikationswege und -strategien und wurden eventuell schon Punkte für Veränderung oder Verbesserung für zukünftige Kommunikation identifiziert oder auch bereits bestehende Erfahrung zu Nachhaltigkeitsstrategien.

Im Anschluss teilte sich die Gruppen in ihre Untergruppen auf und besprachen weitere Ideen für Kommunikation und Forschungsfrage bezogen auf das jeweilige Thema. Zum Abschluss des sehr produktiven Vormittags kam Professorin Beatrice Dernbach von der Ohm Universität, die im Klimabeirat, einem externen Beratungsgremium der Stadt Nürnberg ist, und teilte ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit der Stadtverwaltung. Sie hat die Forschungsprofessur für Nachhaltigkeits- und Wissenschaftskommunikation an der Ohm - Technische Hochschule Nürnberg und jahrzehntelange Erfahrung in Nachhaltigkeitskommunikation.

Im weiteren Verlauf des Semesters werden die Studierenden nun in ihren Kleingruppen zusammen mit den Praxispartnerinnen der Stadt Nürnberg eine Kommunikationsstrategie und eine Forschungsfrage, bezogen auf ihr jeweiliges Projekt, entwickeln. Hier zeigt sich, warum transdisziplinarität so wichtig ist: weil sie die Fähigkeit fördert, komplexe Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu verstehen und gemeinsam zu lösen – und das über die Grenzen einzelner Fachgebiete hinweg.

©Jennifer Fandrich
Studierende bei einer Führung im Gostenhof in Nürnberg