Doctoral Days: Inken Köhler – Wenn Promotion Schule macht

12.01.2026 Während viele Lehramtsstudierende vor allem das Klassenzimmer im Blick haben, entschied sich die 24-jährige Mathematikdidaktikerin früh für einen Weg in die Forschung. Während ihres Masterstudiums im Grundschullehramt stieg sie in den sogenannten Doctoral Track ein – eine Möglichkeit, bereits vor dem Masterabschluss die Promotion zu beginnen. Über diesen und weitere Wege in die Promotion können Interessierte sich bei den Doctoral Days der Graduate School ab dem 19. Januar 2026 informieren.

©Dr. Marietta Hülsmann
„Wir leben in Zeiten von KI und Big Data. Kinder sollten früh lernen, mit Daten umzugehen", sagt Inken Köhler.

Inken Köhler merkte schon früh im Studium, dass sie nicht allein gutes Unterrichten reizte. Besonders im Sachunterricht und in der Mathematikdidaktik entdeckte sie ihre Freude an Literaturarbeit, theoretischem Denken und daran, sich immer wieder neu in Themen einzuarbeiten: „Mich hat fasziniert, was eigentlich in den Köpfen der Kinder vorgeht, wenn sie lernen – und wie man das erforschen kann“, erklärt sie.

Der konkrete Wunsch zu promovieren entstand im letzten Jahr ihres Masterstudiums. Über eine Informationsveranstaltung wurde sie auf den Doctoral Track aufmerksam. Schnell wurde klar: „Mich bereits im Masterstudium mit der Promotion auseinanderzusetzen, ist für mich genau der richtige Weg.“ Rückmeldungen aus dem Institut für Mathematik und ihre Didaktik bestärkten sie, diesen Weg zu gehen. Im dritten Mastersemester bewarb sich Inken Köhler für das Programm. 

Ein zentrales Motiv für den Doctoral Track war für sie die Planungsperspektive. „Ich wusste schon vor dem Abschluss, wie es weitergeht und verlor keine Zeit.“ Statt eines abrupten Endes des Studierendenstatus und nachfolgender Suche nach einem Promotionsthema bietet der Doctoral Track einen fließenden Übergang – fachlich, organisatorisch und persönlich: Ihre Masterarbeit war von Beginn an auf die spätere Promotion ausgerichtet. Sie erstellte bei Prof. Dr. Silke Ruwisch ein umfangreiches Literatur-Review zum Thema „statistisches Denken in der Grundschule“ – ein Bereich, der in Deutschland bislang nur wenig erforscht ist. „Der Doctoral Track hat mir ermöglicht, dieses Thema früh zu schärfen und die Masterarbeit nicht nur als Abschluss, sondern als Startpunkt zu begreifen.“

Vor allem die Teilnahme am Research Forum des Leuphana Promotionsstudiums bekräftigte Inken Köhlers Entscheidung für die Promotion: Bereits als Masterkandidatin lernte sie dort andere Doktorand*innen kennen, hörte Projektvorstellungen, bekam Einblicke in Arbeitsweisen, Zeitdimensionen und Herausforderungen wissenschaftlicher Karrieren: „Man bekommt ein realistisches Bild davon, was eine Promotion bedeutet“, berichtet sie. 

Auf Basis der Masterarbeit entsteht nun ihr erstes wissenschaftliches Paper, das sie bei einer internationalen Fachzeitschrift für statistische Bildung einreichen möchte. Dass Statistik bereits in der Grundschule eine wichtige Rolle spielen sollte, ist für sie mehr als ein theoretisches Interesse. Mit den neuen Bildungsstandards ist der kritische Umgang mit Daten offiziell im Curriculum verankert. „Kinder begegnen ständig Daten: in Medien, in ihrem Alltag. Sie können viel früher, als wir denken, lernen, diese zu hinterfragen.“ Einfache Übungen zur Erhebung von Daten könnten sogar schon im Kindergarten umgesetzt werden, etwa zu den Lieblingsfarben in der Gruppe: „Wir leben in Zeiten von KI und Big Data. Kinder sollten früh lernen, mit Daten umzugehen“, ordnet Inken Köhler ein. 

Parallel zur eigenen Forschung lehrt die Doktorandin nun auch in der Mathematikdidaktik: „Plötzlich steht man vorne und unterrichtet Studierende, die zum Teil älter sind als man selbst.“ Auch für diese Herausforderung erwies sich die frühe Einbindung in die akademische Welt als Vorteil: „Ich habe viele Kontakte knüpfen können. Ein Netzwerk hilft bei Fragen und Herausforderungen.“

Gleichzeitig erfährt sie eine engmaschige, fachliche Beratung in ihrer Arbeitsgruppe: „Die Betreuung ist sogar noch engmaschiger als in der Masterarbeit. Jede größere Entscheidung wird fundiert diskutiert“, berichtet Inken Köhler. 

Und was würde die rückblickend anders machen? „Wenn ich es noch einmal entscheiden könnte, würde ich noch früher mit dem Doctoral Track beginnen“, sagt sie. 

Inken Köhler startete im zweiten Masterjahr. Ein früherer Einstieg ermöglicht es, das gesamte Masterstudium gezielt auf eine spätere Promotion auszurichten. Themen für Hausarbeiten, Projekte und insbesondere die Masterarbeit können von Anfang an so gewählt werden, dass sie als Bausteine für das Dissertationsprojekt dienen. Dadurch fließen viele Leistungen inhaltlich in die Promotion ein. Gleichzeitig haben Studierende mehr Zeit, ihr Forschungsthema zu schärfen, theoretisch zu fundieren und methodische Kompetenzen systematisch aufzubauen. Für Masterstudierende der Leuphana M.A., M.Sc.- und LL.M.-Programme bietet die inhaltliche Verzahnung zwischen Master Komplementär- und Promotionsstudium im Doctoral Track außerdem die Möglichkeit, bis zu 3 Module im Promotionsstudium im Master zu besuchen und diese für das Komplementärstudium anerkennen zu lassen.