Zum Hauptinhalt springen

Erfahrungsberichte - Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte

Auf dieser Seite finden Sie Erfahrungsberichte von Studierenden und Ehemaligen zum Master Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte an der Leuphana Graduate School.

Nikolas berichtet

17.08.2026 Der Übergang in den Beruf verläuft für Nikolas Geier nahtlos: In den kommenden Wochen gibt er seine Masterarbeit ab und arbeitet bereits in Vollzeit als Assistenzkurator im Kunstverein Harburger Bahnhof.

©Privat
"Ich suchte einen Raum für Diskurse und gleichzeitig mehr Platz, um tatsächlich in der Tiefe lernen zu können."

Nikolas Geier ist im Moment nur schwer zu erwischen. Seine Masterarbeit und der neue Job fordern ihn zeitlich heraus. Dabei hatte er kaum damit gerechnet den begehrten Job als Assistenzkurator beim Kunstverein Harburg zu bekommen: „Ich war ehrlich überrascht, dass gleich die erste Bewerbung funktioniert hat,“ sagt er.

Aber vielleicht liegt der berufliche Erfolg auch an der guten Mischung aus Praxiserfahrung und Theoriewissen, die Nikolas Geier mitbringt: Bereits während seines Studiums der Kunstgeschichte und Philosophie mischte er in der Kunstszene mit, organisierte Ausstellungen, betreute Künstler*innen oder kuratierte Ausstellungen. Doch irgendwann fühlte er sich von der Schnelllebigkeit der Berliner Kunstszene weniger angesprochen: „Ich hatte manchmal den Eindruck, dass in der Hauptstadt-Szene so viel passiert und produziert wird, dass für eine vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mitunter wenig Raum bleibt.“

Auch ein begonnener Philosophie-Master und dessen disziplinäre Enge reizte ihn nicht mehr. „Ich suchte einen Raum für Diskurse und gleichzeitig mehr Platz, um tatsächlich in der Tiefe lernen zu können.“ Nikolas Geier ging auf die Suche und fand den Studiengang Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart

„Ich schaute mich auch bewusst, nach einem kleineren Kontext um. In Lüneburg hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, in Ruhe studieren zu können. Die Wege sind kurz. Ich habe viel Zeit in der Bibliothek verbracht und mich in Büchern vertieft.“ In den kleinen Lerngruppen entwickelten sich oft spannende und intensive Diskussionen: „Auch der Austausch mit den Lehrenden war eng. Meine Dozent*innen waren immer ansprechbar. Auf dem Campus der Leuphana gibt es einen anderen Begegnungsmodus als in Berlin“, beschreibt Nikolas Geier.

Im Studium hat er sich mit aktuellen Diskursen zu zeitgenössischer Kunst beschäftigt, ebenso mit klassischer Kunstgeschichte, postkolonialen Theorien als auch marxistischen Ansätzen: „Ich liebe theoretisches Arbeiten. Während meines Masterstudiums hat sich für mich ein neues Netzwerk an Gedanken ergeben. Ich verstehe nun viel besser die Bedeutung universitärer Forschung für die Kunstwelt.“

Nun schlägt er selbst diese Brücke: In einem kleinen Team organisiert der junge Assistenzkurator Ausstellungen, betreut Künstler*innen, recherchiert, verfasst Förderanträge und kümmert sich ebenso um organisatorische Aufgaben wie Transport oder Ausstellungsaufbau. Wenn Nikolas Geier in den kommenden Tagen seine Masterarbeit einreicht, wird es wieder etwas ruhiger für ihn. Er blickt positiv auf die vergangenen Jahre zurück: „Während der vier Semester habe ich zunehmend verstanden, wie sich Arbeit in der Kunstwelt anfühlt und wie sie funktioniert – und zwar auf einer intellektuellen und inhaltlichen Ebene.“ Dieses feste theoretische Fundament unterstützt ihn nun beim reibungslosen Übergang in den Beruf: „Ich spreche mit meinen Kolleg*innen die gleiche Sprache“, sagt Nikolas Geier.

Linn berichtet

09.07.2026 Linn Felgendreher ist wissenschaftliche Volontärin beim Museum für Moderne Kunst (MMK) Frankfurt. Dass die 26-Jährige die begehrte Stelle erhalten hat, führt sie nicht nur auf ihren Studienabschluss zurück: „Noten sind wichtig, aber am Ende zählen auch die Erfahrungen, die man gesammelt hat.“ Die Leuphana hat ihr dafür zahlreiche Möglichkeiten eröffnet.

©Linn Felgendreher
"Ich wollte mich fachlich neu orientieren. An der Leuphana hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven miteinander zu verbinden."

„Ich hatte das Gefühl, dass ich ab der Leuphana nicht nur studiert habe, sondern auch ausprobieren konnte, was mich interessiert“, sagt Linn Felgendreher über ihre Studienzeit in Lüneburg. Eine besonders prägende Erfahrung war ihre Tätigkeit am Leuphana Institute for Advanced Studies (LIAS). Dort betreute sie internationale Wissenschaftler*innen und Künstler*innen während ihres Forschungsaufenthalts. Die Fellows kommen aus der ganzen Welt. „Ich habe beim Einleben unterstützt als auch Vorträge und Konferenzen mitorganisiert. Dadurch habe ich gelernt, wie wissenschaftliche Arbeit organisiert wird und wie viel Planung hinter internationalen Forschungsprojekten steckt.“

„Ich profitiere jetzt sehr von den Erfahrungen“, sagt Linn Felgendreher. Als wissenschaftliche Volontärin im MMK Frankfurt arbeitet sie in der Abteilung Sammlung und Ausstellungen. Dort ist sie unter anderem an der Inventarisierung von Kunstwerken, der Organisation internationaler Leihgaben und der Vorbereitung von Ausstellungen beteiligt. Besonders spannend findet sie die unmittelbare Arbeit mit den Kunstwerken selbst. „Man beschäftigt sich nicht nur mit den Objekten, sondern auch mit den großen Fragen dahinter: Wie dokumentiert man eine Performance? Wie bewertet man ein Kunstwerk, das aus einer Idee und nicht nur aus einem materiellen Objekt besteht?“

Nach dem Abitur in Erlangen zog sie nach Rom, wo sie Kommunikationswissenschaften studierte. Doch trotz einzelner kulturwissenschaftlicher und filmbezogener Inhalte blieb das Gefühl, noch nicht das Richtige gefunden zu haben. „Mir wurde klar, dass ich weder ins Marketing noch in klassische Medienberufe gehen wollte. Mich interessierten eher philosophische und künstlerische Fragestellungen“, erklärt sie und suchte nach einem passenden Studienprogramm: Besonders überzeugte sie die Interdisziplinarität des Masters Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart an der Leuphana Universität Lüneburg. „Ich wollte mich fachlich neu orientieren. An der Leuphana hatte ich die Möglichkeit, verschiedene Perspektiven miteinander zu verbinden.“ Mit dem Fokus auf „Künste, Theorie und Geschichte“ als zentrale kulturwissenschaftliche Perspektivierungen verbindet der Master Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte mit der Analyse künstlerischer Produktionen unter historischen Perspektiven und einer Kulturgeschichte des Wissens.

Überzeugt von den Inhalten zog Linn Felgendreher von Italien nach Norddeutschland: „Ich habe mich bewusst für eine Wohnung in Lüneburg entschieden, damit ich möglichst viel am Universitätsleben teilhaben kann.“ Sie engagierte sich in der studentischen Initiative ArchipelagoLab, arbeitete als studentische Hilfskraft nicht nur beim LIAS, sondern auch beim Center for Critical Studies (CCS) und verbrachte unzählige Stunden in der Universitätsbibliothek.

Auch im Bereich der zeitgenössischen Kunst sammelte sie früh praktische Erfahrungen. Gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Sophie McCuen-Koytek kuratierte sie im Rahmen des Peer-to-Peer-Programms des Kunstraums der Leuphana die Ausstellung SapphicEntanglements. Die Ausstellung präsentierte Arbeiten junger Künstler*innen und setzte sich mit Fragen von Geschlecht, Identität und Beziehungen auseinander.

Über das International Center der Leuphana absolvierte sie ein Auslandssemester an der American University of Beirut im Libanon. „Beirut hat eine unglaublich lebendige Kulturszene. Die Stadt hat mich sehr beeindruckt.“

Weitere internationale Erfahrungen sammelte Linn Felgendreher bei einer vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Summer School in Aserbaidschan sowie bei einem dreimonatigen Praktikum am Goethe-Institut in Dakar im Senegal. „Ich habe einfach versucht, möglichst viele Möglichkeiten zu nutzen. Jede dieser Erfahrungen hat meinen Blick erweitert.“

Die theoretischen Grundlagen legte ihr Master: „Ich habe gefunden, was ich gesucht hatte. Die theoretische Breite des Studiums war für mich ein großer Gewinn. Ich konnte verschiedene Ansätze zusammen denken: von Kunstgeschichte über Philosophie bis hin zu postkolonialen und kulturwissenschaftlichen Perspektiven. Die Erfahrungen, die ich während meines Studiums sammeln konnte durch Auslandsaufenthalte, Projekte und die Arbeit an der Universität, haben mir viele Türen geöffnet.“

Nike berichtet

12.05.2023 Nike Mattheis befindet sich bereits in den letzten Zügen des Masters. Die Zeit an der Leuphana hat Mattheis bisher ausgiebig genutzt und die eigene akademische und künstlerische Praxis vertieft, die Angebote des Hochschulsports genutzt sowie als wissenschaftliche Hilfskraft gearbeitet. Vor allem aber hat Mattheis großen Gefallen am transdisziplinären Ansatz hier gefunden. 

©Ciara Burgess/Leuphana
"Ich würde nicht mehr monodisziplinär arbeiten wollen!"

Warum haben Sie sich für das Studienprogramm Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte an der Leuphana Graduate School entschieden?

Nach meinem Bachelor suchte ich ein Studium, in dem verschiedene Projekte zeitgenössischer Kritik vereint werden. Länger überlegte ich, politische Theorie oder Gesellschaftstheorie zu studieren. Letztlich aber erschienen mir die Kulturwissenschaften an der Leuphana in ihrer transdisziplinären Kombination von philosophischen, historischen und kunstnahen Ansätzen einzigartig positioniert.

Was haben Sie vor Ihrem jetzigen Master studiert und wo konnten Sie an dieses Studium anknüpfen?

Vor Kritik der Gegenwart (KdG) habe ich Philosophie und Volkswirtschaftslehre studiert. Anknüpfen konnte ich im Master an den Versuch – jenseits disziplinärer Silos – Problematiken der Gegenwart zu adressieren. Theorie- und Begriffsarbeit blieben auch bei KdG zentral. Aber anders als in der analytischen und neoklassischen Orientierung meines Bachelors wurden im Master nun konstant Fragen von Macht und Geschichtlichkeit mitgedacht.

Inwiefern ist die kulturwissenschaftliche Perspektive des Programms bereichernd gegenüber einem rein kunstwissenschaftlichen Studium?

Die Kulturwissenschaften an der Leuphana interessieren sich durchweg für Materialitäten, Medialitäten, Ästhetiken und Kanonisierungen. Aber ihre Objekte und Ansätze sind breiter gefasst als dies in einem rein kunstwissenschaftlichen Studium möglich wäre. An diversen kulturellen Spuren lassen sich hier Problemstellungen aus diversen Feldern adressieren und zusammenbringen, von philosophischer Anthropologie über Affektgeschichte bis zu den Wirkweisen von Plattformökonomien. Die Frage des Materials und Zugangs ist also entscheidend: betrachtet werden Objekte jenseits der (institutionalisierten) Kunstsphäre und gleichzeitig – in Abgrenzung zu klassischen Sozialwissenschaften – mit Sensibilität für Ästhetik, ontologisch-epistemologische Fragen und Machtverhältnisse. Knapp gesagt arbeiten wir hier in der Tradition der „ersten Kulturwissenschaften“ und British cultural studies mit einer historisch-philosophischen Methode: transdisziplinär versuchen wir in Bezug auf die historisch gewordene Gegenwart interventionsfähig zu werden.

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Kunst für eine Kritik der Gegenwart? Fallen Ihnen Beispiele dafür ein?

Akademische Bezüge erschöpfen nicht die Modi, der Gegenwart kritisch zu begegnen. Treffsicherer und packender sind neben aktivistischen oft künstlerische Bezüge: Praktiken, die sich „der Kunst“ in einem (post-)konzeptuellen und multimedialen Moment zuordnen lassen, können oft spannende ästhetisch-materielle Verschiebungen erzeugen. Zum Beispiel liefern die Videoarbeiten von Karrabin Film Collective – dem ich zum ersten Mal im Kontext eines Seminars zu Kapitalismus und Kolonialität aus dem Kernbereich von KdG begegnet bin – einzigartig verstörende, satirische, „unsettling“ Perspektiven auf koloniale Kontinuitäten und Extraktion im Anthropozän. Im Vergleich zur „Theorie“ hat „die Kunst“ auch andere Publika. Und auch wenn diese oft ähnlich selektiv sind, ist in der Kunst auch die Tradition der Institutionskritik (z.B. in der Folge von Andrea Fraser, deren Arbeit wir in einem weiteren Seminar aus dem Kernbereich diskutiert haben) offensiver und Begriffe der Öffentlichkeit werden konstant verhandelt.

Der kulturwissenschaftliche Integrationsbereich bringt Studierende aus allen Masterstudienprogrammen an der Fakultät Kulturwissenschaften zusammen. Wie haben sie diese Teile des Studiums erlebt?

Zugegebenermaßen habe ich diese Teile des Studiums nur während der Onlinelehre erlebt. Inhaltlich waren die Einführungen in die Geschichte der (ambivalenten) Vorläufer der Kulturwissenschaften im deutschsprachigen Raum sowie zum epochenmachenden Konzept der Biopolitik aber äußerst anregend – letztere hat mich insbesondere gut auf einen Auslandsaufenthalt in Paris vorbereitet. Das Format der Ringvorlesung ist wohl Geschmacksache – mir hat es gut getaugt, ein „Panorama“ von Dozierenden und Forschungsinteressen kennenzulernen, aber ich kann auch das Begehren nach systematischeren, konzentrierteren Vorlesungen nachvollziehen.

Die Leuphana versteht sich als eine inter- und transdisziplinäre Universität. Auch die Ausrichtung Ihres Studienprogramms ist interdisziplinär. Wie nehmen Sie dies wahr?

Diese Ausrichtung war für mich ein zentrales Entscheidungskriterium: Ich bin überzeugt, dass Einzeldisziplinen nur begrenzt gewappnet sind, Gegenwartsdiagnosen zu stellen. Das ist zwar keine neue Überzeugung (ist die Infragestellung der „zwei Kulturen“ der Natur- und Kulturwissenschaften doch zunehmend dringlicher Standard), aber kaum wo scheint mir der Versuch der Transdisziplinarität tatsächlich so engagiert und kreativ. Das Verbinden verschiedener Ansätze war bei KdG selten Selbstzweck, sondern stets vorsichtig kuratiert (z.B. in einem Seminar zu Globalisierung, das politische Ökonomie in den Dialog mit decolonial studies und Queertheorie gebracht hat). Gleichzeitig ist dieses Experiment natürlich auch fordernd; manchmal entsteht das Gefühl, sich zu verzetteln, insbesondere da keine einheitliche Methode gelehrt wird. Es macht aber auch süchtig: Ich würde nicht mehr monodisziplinär arbeiten wollen!

Was beschäftigt Sie neben Ihrem Studium?

Seit meinem Bachelorstudium habe ich regelmäßig an der Uni gearbeitet; in der Zeit an der Leuphana z.B. als Rechercheassistenz an einem Soziologielehrstuhl. Eigene Kunstpraxis ist während meiner Zeit an der Leuphana auch wichtiger geworden und ich habe zunehmend an Literaturwerkstätten und Publikationskollektiven teilgenommen. Verbunden mit KdG-Schwerpunkten bin ich klimapolitisch engagiert; hierfür bieten Lüneburg und Umgebung ebenfalls gute Anknüpfungspunkte. Und auch das Hochschulsportangebot hat mir viel gegeben, von Rennradfahren im Sommer bis zu ersten Balletterfahrungen.

Haben Sie bereits eine Idee, in welche Richtung Ihre Masterarbeit gehen könnte?

Seit meinem Bachelor interessiere ich mich für Konzepten von Kindheit und generationale Machtverhältnisse, welche selbst in vielen kritischen Projekten vernachlässigt werden. Während KdG hat sich dieses Interesse darauf fokussiert, wie verschiedene Entwicklungsebenen miteinander ins Verhältnis gesetzt werden. Meine Masterarbeit konzentriert sich auf den Begriff der Entwicklung bei Frantz Fanon und untersucht, wie dieser in den black studies ausbuchstabiert wird.

Welche Pläne haben Sie nach Ihrem Masterstudium?

Aktuell könnte ich mir gut vorstellen, eine kulturwissenschaftliche oder wissensgeschichtliche Promotion anzustreben, insbesondere zu Konzepten der Entwicklung zwischen Evolutionsbiologie und marxistischer Theorie. Dafür wäre die Leuphana auch wieder ein attraktiver Standort. Zusammenhängend mit meinen akademischen Interessen möchte ich gerne meine Kunstpraxis verstärken, transmedial und in kollektiven Strukturen.

Wem würden Sie ihren Master an der Leuphana Graduate School empfehlen?

Personen aus allen Fachrichtungen, die sich vertieft mit kritischer Theoriebildung unterschiedlicher Prägung auseinandersetzen wollen. Insbesondere, wenn sie an politischen Implikationen, ungeklärten Disziplinenverhältnissen, künstlerischen Bezügen und bewegenden Begegnungen interessiert sind.

Interviewer: Jonas Kernein

Chiara berichtet

03.04.2023 Chiara Welter hatte es für das Masterstudium bereits nach Amsterdam verschlagen, bevor sie sich für das Programm Kritik der Gegenwart an der Graduate School beworben hat. Hier hat sie nun die Ausrichtung der Kulturwissenschaften gefunden, die ebendiese für sie ausmachen: Interdisziplinär, kritisch und undogmatisch.

©Ciara Burgess/Leuphana
"Ich mag es sehr, dass die Leuphana an dieser Stelle nicht versucht, ein dogmatisches Programm "ihrer" Kulturwissenschaften zu vertreten, sondern vielmehr die disziplinäre Offenheit selbst programmatisch ist."

Warum haben Sie sich für das Studienprogramm Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte an der Leuphana Graduate School entschieden?

Bereits vor zwei Jahren spielte ich mit dem Gedanken, an die Leuphana Graduate School zu gehen. Als ich dann ein Vollstipendium für einen Master im Ausland erhielt, zog ich zunächst nach Amsterdam, um dort einen Research Master in Kulturanalyse mit Schwerpunkt auf Kunst & Kultur zu studieren. Ich merkte an der Universität von Amsterdam aber sehr schnell, dass ich mich an der Amsterdam School for Cultural Analysis mit ihrer angloamerikanischen Ausrichtung und dem literaturwissenschaftlichen Hintergrund disziplinär nicht zuhause fühlte. Für mich bedeutet Kulturwissenschaften studieren, immer auch soziologische, philosophische und politische Fragen miteinzubeziehen. Als eine Professorin bei der Vorstellung eines Themas zu mir meinte, meine Fragestellungen seien für sie nicht kulturanalytisch, weil ich einen „realen Gegenstand“, keine Filmszene oder Kunstwerk analysieren wollte, wusste ich, dass es für mich Zeit ist, etwas anderes zu suchen. So bin ich zurück nach Deutschland gezogen und habe mich erneut auf einen Platz an der Leuphana beworben. Es war nicht einfach, das Studium in Amsterdam zu beenden und wegzuziehen, aber diese Entscheidung hat sich glücklicherweise als genau richtig erwiesen.

Was haben Sie vor Ihrem jetzigen Master studiert und wo konnten Sie an dieses Studium anknüpfen?

Nach einem kulturwissenschaftlichen Bachelor mit ähnlicher Ausrichtung wie hier an der Leuphana hatte ich die Sorge, dass sich die Inhalte wiederholen könnten, aber das ist gar nicht so. Der Master war von Anfang an stets inhaltlich fordernd und ich konnte bereits in den ersten Seminaren viele neue Dinge lernen. Gleichzeitig war es mir nach dem ersten Masterstudium besonders wichtig, mein vorhandenes Wissen einbringen zu können. Die Theorien und Methodiken, die ich im Bachelorstudium kennengelernt habe, werden in Kritik der Gegenwart in zentralen Diskursen gebündelt und so auch deutlich stärker angewandt. Das merkt man auch in den Diskussionen. Der Bachelor hat mir Spaß gemacht, aber ich fragte mich immer auch: Was mache ich damit eigentlich? Ich habe einen wilden Mix aus theoretischen Schulen und Themen kennengelernt und kann dieses Vorwissen nun im Master zusammenführen und damit meine Themenschwerpunkte weiterentwickeln.

Inwiefern ist die kulturwissenschaftliche Perspektive des Programms bereichernd gegenüber einem rein kunstwissenschaftlichen Studium?

Für mich sind kulturwissenschaftliche Fragestellungen aus dem Selbstverständnis der Disziplin heraus immer schon interdisziplinär angelegt. Es gibt nicht die eine richtige Perspektive, man muss sich vielmehr für einen spezifischen Zugang entscheiden und diese Entscheidung legitimieren können. Dieses Spiel aus verschiedensten Herangehensweisen finde ich ungemein spannend und bringt die schreibende und forschende Person in eine viel aktivere Rolle, in der die eigenen Erkenntnisbedingungen reflektiert werden müssen. Letztlich ist die kulturwissenschaftliche Perspektive vor allem auch eine Frage gesellschaftlicher Relevanz: Ich möchte feministische und dekoloniale Themen in den Vordergrund rücken und fragen, wie sich Ungleichheiten und gesellschaftliche Entwicklungen auf Kunst und Kultur auswirken, wie sie hier ihren Ausdruck finden und verhandelt werden können. Ein kunstwissenschaftliches Studium bleibt meist deutlich näher am Gegenstand und behandelt solche Fragen daher lange nicht so zentral wie es Kritik der Gegenwart ermöglicht.

Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Kunst für eine Kritik der Gegenwart? Fallen Ihnen Beispiele dafür ein?

Kunst kann einen qualitativ völlig anderen Zugang zu kritischen Themen bieten, den Nachrichten, Theorien oder andere textliche Verarbeitungen nicht erreichen können. Die Auseinandersetzung mit Kunst ist immer auch eine Erfahrung, ein emotionales Erlebnis und daher unvorhersehbar, ergebnisoffen und mit einem größeren transformativen Potenzial verbunden. So kann ich beispielsweise einen Text lesen, der anprangert, dass viele zeitgenössische Weiblichkeitsbilder auch weiterhin sexistisch sind, in dem ganz klar formuliert ist, was an diesen Vorstellungen von Weiblichkeit sexistisch ist und welche negativen Folgen das hat. Wenn ich aber eine Ausstellung zu dem Thema besuche, sagen wir zumindest eine in diesem Sinne gelungene Ausstellung, dann ist hier alles weniger artikuliert und ich werde als Besucherin ganz anders adressiert. Ich kann wahrnehmen, wie die Kunstwerke auf mich wirken, kann so affektive und emotionale Reaktionen beobachten und meine eigenen Schlüsse ziehen. Letztlich kann ich Kritik in Form von Kunst am eigenen Leib erfahren und in dieser Erfahrung steckt ein sehr produktives Potenzial – es entsteht immer auch etwas Neues. Gerade in Bezug auf dieses Potenzial finde ich das Zusammenspiel aus Kunst und Theorie sehr spannend.

Der kulturwissenschaftliche Integrationsbereich bringt Studierende aus allen Masterstudienprogrammen an der Fakultät Kulturwissenschaften zusammen. Wie haben Sie diese Teile des Studiums erlebt?

Im ersten Semester haben wir eine historische Perspektive auf die Entstehungsbedingungen der Kulturwissenschaften geworfen. Insbesondere seit Amsterdam weiß ich, wie unterschiedlich kulturwissenschaftliche Zugänge verstanden werden. „Die“ Kulturwissenschaft im Singular, mit festem Kanon, gibt es nicht. Diese Ausgangslage und die hiermit verbundene Schwierigkeit, dennoch einen gemeinsamen Boden zu finden, vielmehr als Möglichkeit zu sehen, dafür fand ich die Ringvorlesung super. Im kulturwissenschaftlichen Integrationsbereich haben wir von verschiedenen Dozierenden Einblick in ihren spezifischen Zugang zu Kulturwissenschaften erhalten. Ich mag es sehr, dass die Leuphana an dieser Stelle nicht versucht, ein dogmatisches Programm "ihrer" Kulturwissenschaften zu vertreten, sondern vielmehr die disziplinäre Offenheit selbst programmatisch ist.

Was beschäftigt Sie neben Ihrem Studium?

Ich arbeite bei Prof. Beate Söntgen als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Kunstgeschichte und mag es sehr, wie ich hier das Wissen aus den Seminaren mit meinem Arbeiten verknüpfen kann. Ansonsten habe ich weniger des universitären Programms wahrgenommen, als ich anfangs erwartet oder mir vorgenommen hatte. Das Studium ist recht zeitintensiv, vor allem wenn man es in Regelstudienzeit zu absolvieren versucht. Die kommenden Semester möchte ich mir nun auch wieder mehr Zeit für Initiativenarbeit und Co. nehmen.

Wie halten Sie von Lüneburg als Studienstadt? Was sollte jede*r in oder um Lüneburg mal gemacht haben?

Da ich regelmäßig nach Berlin fahre, habe ich eine gute Abwechslung zwischen kleiner süßer Studistadt und Großstadt. Ich mag Lüneburg mit seiner Natur, den Cafés und Bars, gehe hier gerne Rennradfahren, Joggen, Spazieren. Außerdem kann man mit dem Studiticket kostenlos nach Hamburg fahren und dort das große kulturelle Angebot wahrnehmen, was ich jeder Person nur empfehlen kann! Lüneburg ist ein optimaler Studienstandort, für alle, die die Großstadt nicht jeden Tag direkt vor der Haustüre brauchen.

Welche Pläne haben Sie nach Ihrem Masterstudium?

An den Research Master in Amsterdam wollte ich direkt mit einem PhD anzuknüpfen. Jetzt haben sich meine Pläne verändert und ich werde sehen, was sich in den kommenden Semestern ergeben wird. Ich habe weiterhin Lust auf einen PhD, bekomme aber unter anderem durch die Ausrichtung des Masters auch wieder zunehmend Lust auf eine Tätigkeit im Museum.

Wem würden Sie ihren Master an der Leuphana Graduate School empfehlen?

Meiner Meinung nach ist Kritik der Gegenwart genau der richtige Master für alle, die Kulturwissenschaften im Plural verstehen, die Lust auf Theorie haben und darauf, in diesem vielfältigen Bereich ihre eigene Position zu finden. Wer in diesem Studium so richtig auf seine Kosten kommen will, muss auch Textarbeit mögen. Also ist vielleicht auch eine kleine Prise Nerdigkeit von Vorteil.

Interviewer: Jonas Kernein

Simone berichtet

21.02.2022 Simone Curaj ist fest im Feld der Künste verhaftet. Am Master Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte schätzt sie aber besonders die Möglichkeiten, neue Akzente zu setzen und die Perspektive zu wechseln.

©Privat
"Das Studium heißt deshalb auch, sich auf etwas Neues einzulassen und auch aushalten zu können, etwas noch nicht zu verstehen und neue Blickpunkte zu entwerfen."

Was haben Sie studiert bevor Sie Ihren Master an der Leuphana Graduate School begonnen haben?
Ich habe vorher Kunstgeschichte und Soziologie studiert.

Warum haben Sie sich für das Studienprogramm Kritik der Gegenwart entschieden?
Interdisziplinäres Arbeiten, Perspektive, die Aussicht auf Denken und wissenschaftliche Praktiken. Das eigene Feld verlassen wollen und nicht auf das Kunstfeld und den Betrieb limitiert zu sein. Die Lehrenden waren mir aus meiner eigenen Forschung bekannt und ich fand die Schwerpunkte interessant. Auch die Nähe des Studiengangs zum Graduiertenkolleg Kulturen der Kritik und die legacy des Kunstraums der Leuphana in den 1990ern haben mich gereizt.

Inwiefern bereichert das Programm eine rein kunstwissenschaftliche Perspektive und was können Sie daraus mitnehmen?
Es bereichert die Perspektive um zahlreiche Akzente aus der philosophischen und politischen Theorie. Umfasst nicht immer direkt einen Gegenstand und den kunstwissenschaftlichen Diskurs und ermöglicht mir deshalb, mich nicht auf das künstlerische Feld zu beschränken. Die kunstwissenschaftliche Perspektive ist ohnehin durchdrungen von anderen Disziplinen und so hilft die disziplinäre Öffnung, kritische Perspektive zu gewinnen.

Sie haben im Studium die Möglichkeit zwischen verschiedenen Modulen zu wählen und selbst Schwerpunkte zu setzen. Für welche Module haben Sie sich entschieden? Was kann man sich darunter vorstellen?
Bisher habe ich mich für das Modul Kritik und Aufklärung entschlossen. Jedes Jahr werden die Module und Kurse von neuen Lehrenden besetzt, weshalb sich die inhaltlichen Rahmungen doch unterscheiden. Deshalb ist es schwer zu sagen, inwieweit die Vorstellung grundsätzlich passt. Jedoch kann man sagen, dass Texte und Autor*innen der Kritischen Theorie ­– Klassiker, aber auch aktuelle Debatten – diskutiert werden und teileweise in Verbindung mit literarischen und künstlerischen Arbeiten gelesen werden.

Was beschäftigt Sie neben Ihrem Studium?
Ich bin kuratorische Assistenz in der Halle für Kunst Lüneburg und arbeite in einer Hamburger Kunstgalerie.

Wem würden Sie den Master Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte empfehlen?
Ich empfehle das Studium an alle, die gern eine theoretisch-wissenschaftliche Perspektive einnehmen. Das bedeutet nicht, dass man eben selbst eine andere Art und Weise zu arbeiten verfolgen muss, diese Akzente aber in seinen eigenen Arbeiten vermengen möchte. Das Studium ist interdisziplinär gestaltet, was aber natürlich auch heißt, dass Akzentuierungen mal mehr hier oder dort gesetzt werden, es also an einem selbst liegt seine eignen Interessen in den Hausarbeiten oder Prüfungen mit den Themen des Seminars zu verknüpfen – also eigentlich wie immer. Das Studium heißt deshalb auch, sich auf etwas Neues einzulassen und auch aushalten zu können, etwas noch nicht zu verstehen und neue Blickpunkte zu entwerfen. Der Austausch mit den Kommiliton*innen kann dann aber umso mehr bereichern und bereitet Freude.

Interviewer: Jonas Kernein

Benedikt berichtet

20.12.2021 Der 27-Jährige gehört zu den ersten Studierenden des Masterprogramms „Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart – Künste, Theorie, Geschichte“ an der Leuphana Graduate School. Durch einen breiteren Blick auf die Philosophie gewinnt der Student tiefere Erkenntnisse.

©Leuphana/Marie Meyer
"Die Erweiterung meines disziplinären Horizonts erfahre ich als riesige Bereicherung und fühle mich wohl in den kritischen Kulturwissenschaften."

Benedikt Kuhn hat zwei Standbeine: ein künstlerisches und ein akademisches. Der 27-Jährige studierte an der Universität Leipzig die beiden Bachelor-Studiengänge Literarisches Schreiben und Philosophie. Nachdem er beide Programme abgeschlossen hatte, stand für ihn fest, dass er gern noch mehr in Theorie und Wissenschaft eintauchen möchte: „Literarisches Schreiben ist ein künstlerisches Studium und ich werde auch weiter schreiben. Aber nach meinen Bachelor-Abschlüssen waren für mich vor allem noch viele philosophische Fragen offen.“

Über eine Freundin hörte er von der Leuphana. „Sie absolvierte damals das Programm Studium Individuale“, erinnert sich Benedikt Kuhn. Er stieß auf den Studiengang „Kulturwissenschaften: Kritik der Gegenwart - Künste, Theorie, Geschichte“. Nach Benedikt Kuhns Meinung öffnet das Programm die Philosophie gegenüber anderen Disziplinen, etwa Medientheorie, Queer Studies oder kritischer Wissenschaftstheorie: Wie können wir heute über Körper und Sexualität nachdenken? Wie verändert sich unsere Wahrnehmung im Digitalen? Was bedeutet eine Kritik der Naturwissenschaften aus geisteswissenschaftlicher Perspektive und in welcher Beziehung stehen diese Fragen zueinander? „Ich habe beispielsweise einen neuen Blick auf Marx gewonnen insbesondere in Bezug auf Fragen von Geschlecht und Reproduktionsarbeit, die in seiner Theorie unterbelichtet bleiben. Viele Lehrende in unserem Studiengang betreiben eine intersektionale Kritik politischer Ökonomie, indem sie beispielsweise zeigen, wie die soziale Kategorie der Klasse sich in Beziehung zu anderen Kategorien wie etwa Geschlecht, „Race“ oder Behinderung verstehen lässt.“ Der interdisziplinäre Blick bereichert sein Studium, fordert ihn aber auch: „Die Breite ruft mich immer wieder auf, mich auf den Kern meines Interesses, philosophischen Fragen, zu fokussieren. Trotzdem erfahre ich die Erweiterung meines disziplinären Horizonts als riesige Bereicherung und fühle mich wohl in den kritischen Kulturwissenschaften.“

Benedikt Kuhn kann sich vorstellen nach dem Masterabschluss weiter wissenschaftlich zu arbeiten. Mit seinem Wunsch zu promovieren, stößt er bei den Lehrenden auf offene Ohren: „Wer nach dem Studium gern eine Doktorarbeit schreiben möchte, wird sehr unterstützt“, berichtet er. Im Studium überzeugen ihn die kleinen Arbeitsgruppen und das enge Betreuungsverhältnis. Benedikt Kuhn bringt mit, was das Studium für ihn fordert: eine Begeisterung für zeitgenössische kulturelle, ästhetische und politische Fragen sowie ein überdurchschnittliches Interesse an Theorie.

Autorin: Dr. Marietta Hülsmann

Kontakt

Erste Anlaufstelle

Das Infoportal ist Ihre Anlaufstelle für

  •  allgemeine Informationen zum Bewerbungsprocedere
  •  erste Fragen zum Studienangebot der Leuphana

Infoportal

Zentraler Campus
Gebäude 8, Erd­ge­schoss
Fon +49.4131.677-2277 studierendenservice@leuphana.de
Öffnungszeiten
Mo-Do
9:00 - 16:00 Uhr 
Freitag    
9:00 –12:00 Uhr

Studienberatung für den Master

Terminierte Beratung:

Bitte vereinbaren Sie dafür über das Terminbuchungstool auf der Website der Studienberatung einen Termin mit unseren Studienberater*innen. Die Beratungen finden telefonisch, per Videokonferenz (Zoom) oder persönlich statt.