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Promovieren über Grenzen hinweg

22.09.2026 Im Rahmen einer Cotutelle-Promotion zwischen der Leuphana Universität Lüneburg und der University of the Aegean forschte Dr. Theano Examilioti in zwei unterschiedlichen akademischen Umfeldern und baute ein internationales Netzwerk auf. Im Interview berichtet sie von den Chancen und Herausforderungen dieser Erfahrung – und davon, warum sie sich jederzeit wieder für diesen Weg entscheiden würde.

Portrait Dr. Theano Examilioti ©Dr. Theano Examilioti
Dr. Theano Examilioti forschte im Rahmen einer Cotutelle-Promotion an der Leuphana sowie an der University of the Aegean in Griechenland

Welche internationalen Erfahrungen haben Sie während Ihrer Promotion gemacht?

Während meiner Promotion hatte ich die Möglichkeit, im Rahmen einer Cotutelle-Promotion zwischen der University of the Aegean und der Leuphana Universität Lüneburg sowohl in Griechenland als auch in Deutschland zu arbeiten. Ich habe in beiden Ländern geforscht und Experimente durchgeführt, mit Forschenden und Kolleg:innen aus verschiedenen Ländern zusammengearbeitet, internationale Konferenzen und spezialisierte Seminare besucht und meine Forschung einem internationalen wissenschaftlichen Publikum präsentiert. Dadurch konnte ich unterschiedliche akademische und wissenschaftliche Umfelder kennenlernen und ein internationales Netzwerk aus Kolleg:innen und Freund:innen aufbauen, mit vielen von ihnen stehe ich bis heute in Kontakt.

Was hat besonders gut funktioniert?

Einer der größten Vorteile war für mich, die Expertise und Ressourcen zweier unterschiedlicher akademischer Umfelder miteinander verbinden zu können. Ich hatte Zugang zu zusätzlichen Einrichtungen und Geräten, die für meine Forschung wichtig waren, ebenso wie zu spezialisierten Seminaren und Weiterbildungsangeboten, die mich sowohl wissenschaftlich als auch beruflich weitergebracht haben. Besonders geschätzt habe ich außerdem die Zusammenarbeit mit Forschenden mit unterschiedlichen fachlichen und kulturellen Hintergründen und die Möglichkeit, von ihren Perspektiven und Arbeitsweisen zu lernen.

Welche Herausforderungen sind Ihnen begegnet?

Natürlich brachte die Arbeit in zwei unterschiedlichen akademischen Systemen auch einige Herausforderungen mit sich. Ich hatte zwei Betreuer, jeweils einen an jeder Universität, die zum Teil unterschiedliche Herangehensweisen oder Erwartungen hatten. Die Anforderungen beider Universitäten miteinander in Einklang zu bringen, erforderte Flexibilität, gute Kommunikation und ein hohes Maß an Selbstständigkeit. Rückblickend sehe ich gerade das jedoch als einen sehr wertvollen Teil der Erfahrung, weil ich gelernt habe, mich auf unterschiedliche Perspektiven und Arbeitsweisen einzustellen.

Was haben Sie aus dieser Erfahrung persönlich und wissenschaftlich mitgenommen?

Insgesamt hat mich diese Erfahrung sowohl wissenschaftlich als auch persönlich stark geprägt. Sie hat mir ermöglicht, meine Forschung aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und von Infrastrukturen, Expertise und Möglichkeiten zu profitieren, die meine Promotion bereichert haben.

Auch über meine eigentliche Forschung hinaus konnte ich wichtige Kompetenzen entwickeln, etwa durch internationale Konferenzen, spezialisierte Weiterbildungen und die Arbeit in unterschiedlichen akademischen Umfeldern. Ein besonderer Höhepunkt war die Auszeichnung mit dem ESIS–Elsevier Young Scientists Award auf einer der Konferenzen, an denen ich teilgenommen habe. Ich sehe diese Auszeichnung nicht nur als persönliche Leistung, sondern auch als Ergebnis der Teamarbeit und Zusammenarbeit, die hinter meiner Forschung standen.

Auch persönlich hat die Erfahrung meinen Horizont auf eine Weise erweitert, die ich vorher nicht erwartet hätte. Ich habe Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennengelernt, Freundschaften geschlossen und berufliche Kontakte aufgebaut, die bis heute bestehen.

Außerdem hat mir diese Zeit mehr Selbstvertrauen gegeben, meine Komfortzone zu verlassen, mich auf neue Umgebungen einzustellen und neue Möglichkeiten für meine Zukunft zu erkennen.

Welchen Rat würden Sie anderen Promovierenden geben, die über einen ähnlichen Schritt nachdenken?

Ich würde anderen Promovierenden auf jeden Fall empfehlen, eine Cotutelle-Promotion in Betracht zu ziehen. Sie kann mitunter herausfordernd sein, insbesondere wenn man die Anforderungen zweier Universitäten miteinander vereinbaren muss. Die Chancen und Erfahrungen, die sich daraus ergeben, sind es meiner Ansicht nach jedoch absolut wert. Mein Rat wäre, offen für neue Erfahrungen zu sein, keine Angst davor zu haben, die eigene Komfortzone zu verlassen, und die Menschen, das Wissen und die Möglichkeiten im jeweiligen Umfeld bestmöglich zu nutzen. Rückblickend würde ich mich ohne Zögern wieder genauso entscheiden.

Eine Cotutelle-Promotion ist eine Promotion, die gemeinsam von zwei Universitäten in unterschiedlichen Ländern betreut und durchgeführt wird. Promovierende forschen in der Regel an beiden Hochschulen und werden von Betreuenden beider Universitäten begleitet. Die Rahmenbedingungen – etwa zu Betreuung, Forschungsaufenthalten, Prüfung und Abschluss – werden für jedes Promotionsvorhaben in einer individuellen Vereinbarung festgelegt. Nach erfolgreichem Abschluss wird ein gemeinsam verantworteter binationaler Doktorgrad verliehen.