Promovieren: Lilith Diringer – Entscheidende Sekunden
13.04.2026 Artistik und Wissenschaft haben auf den ersten Blick wenig gemein. Mit ihrer Forschung untersucht die 26-Jährige, wie Menschen in Hochrisiko-Situationen reagieren –. Für ihren innovativen Ansatz und ihr Engagement in der Hochschulbildung wird die Doktorandin mit einem der sechs begehrten Fellowships im Future Scouts-Programm des Stifterverbands und der Reinhard-Frank-Stiftung gefördert.
©Archiv Diringer
Lilith Diringer liebt den Zirkus. Dort steht sie auf den Schultern anderer: Sie bildet die Spitze einer menschlichen Pyramide. Nicht ungefährlich, wenn jemand beispielsweise das Gleichgewicht verliert oder die Kräfte nachlassen. „Mich interessiert, wie Menschen in Hochrisikosituationen als Team entscheiden“, erklärt sie. Jeder muss sofort reagieren: Stehenbleiben? Weglaufen? Oder auffangen? Wer steht in der richtigen Position für welche Aufgabe? Oft bleiben nur Millisekunden.
Diese Dynamiken untersucht sie für ihre Doktorarbeit ethnografisch: mit Interviews, Videoanalysen und Beobachtungen direkt beim Training oder Auftritten im Zirkus und bei Cheerleadern. Lilith Diringer wird von der Organisationsforscherin Prof. Dr. Boukje Cnossen betreut. „Ich habe nach einem passenden Ort für meine Promotion gesucht und ihn an der Leuphana gefunden. Gerade das interdisziplinäre Denken und Profil der Uni passen gut zu meinem Forschungsansatz“, erklärt Lilith Diringer.
Die Doktorandin kommt gebürtig aus Baden-Württemberg und hat sich seit je her breit aufgestellt: Schon als Schülerin engagierte sie sich stark für Umwelt- und Bildungsprojekte, nahm an Wettbewerben wie „Jugend forscht“ oder dem Bundesumweltwettbewerb teil und gewann mehrere Preise. Nach dem Abitur arbeitete sie zunächst ein halbes Jahr in China als Englischlehrerin, anschließend folgten Praktika, unter anderem beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Sie studierte das interdisziplinäre Bachelor-Programm „Internationale Beziehungen“ an der TU Dresden. Direkt danach wechselte sie in die USA: An der University of Denver studierte sie Public Policy. Sie wurde mit mehreren renommierten Stipendien gefördert, darunter von der Studienstiftung des deutschen Volkes und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst.
Nie gab sie ihre Liebe zum Zirkus auf. Die praktische Erfahrung als Artistin prägt auch ihre Forschung. „Wenn man selbst Teil solcher Teams ist, versteht man die Dynamiken ganz anders“, sagt sie. Gerade im zeitgenössischen Zirkus, einer Form ohne Tiernummern, dafür mit Fokus auf Storytelling und Ensemble, sei Zusammenarbeit entscheidend. „Meine Forschungsergebnisse sind aber genauso relevant für Rettungsdienste, Feuerwehren und andere Menschen in Hochrisikosituationen“, erklärt Lilith Diringer.
Parallel zur Promotion engagiert sich die Doktorandin in der Hochschulentwicklung. Als sogenannte „Future Scout“ arbeitet sie mit dem Stifterverband daran, Forschung stärker in innovative Lehrformate einzubinden und interdisziplinär zu forschen.
Das Programm Future Scouts fördert Nachwuchsforschende, die innovative Impulse für die Hochschulbildung entwickeln, indem sie internationale Trends analysieren und praxisnahe Lösungen ableiten. Als Future Scout arbeitet sie zum Thema „Räume für Wandel“ und entwickelt Ansätze, wie Hochschulen Diversität, Zusammenhalt und psychologische Sicherheit stärken können, um ihre Innovationsfähigkeit und gesellschaftliche Wirkung zu verbessern.
Kontakt
- Prof. Dr. Boukje Cnossen