Zum Hauptinhalt springen

Opening Days 2026: Von der Macht guter Fragen

07.10.2026 Rund 800 neue Masterstudierende und Promovierende starten mit den Opening Days gemeinsam in ihr Studium und ihre Promotion an der Graduate School. Über sieben Tage tauschen sie sich intensiv zum diesjährigen Thema „Research >> In::Security“ aus. Prof. Dr. Magda Osman (Cambridge/Leeds) diskutierte mit den neuen Studierenden und Promovierenden über gute Wissenschaft, Zweifel und fehlende Gewissheit.

Opening Days 2026: Von der Macht guter Fragen ©Leuphana/Tengo Tabatadze
Opening Days 2026: Von der Macht guter Fragen ©Leuphana/Tengo Tabatadze
Opening Days 2026: Von der Macht guter Fragen ©Leuphana/Tengo Tabatadze

Was bedeutet es, Wissen in einer Welt zu generieren, in der Gewissheit selten absolut ist? Magda Osman kam dazu mit den neuen Graduate Students ins Gespräch. „You said that security is a fluid concept. So, for us as researchers in the field of security, what aspects or elements of a research question can be turned into a true security question?“, fragte eine Teilnehmerin der Opening Ceremony.

Die Psychologin und Professorin für Entscheidungsforschung empfahl, zunächst den Begriff selbst einzugrenzen. Für Forschende reiche es nicht aus, einen Begriff wie „Sicherheit“ vorauszusetzen. Sie müssten offenlegen, was sie darunter verstehen und wie sich dieses Verständnis im jeweiligen Forschungskontext messen lasse – eine sogenannte „operational definition“.

In der Diskussion mit den Studierenden und Promovierenden wurde deutlich: Unsicherheit beginnt in der Wissenschaft nicht erst dort, wo Beweise fehlen. Sie kann bereits bei den Begriffen entstehen, mit denen wir ein Phänomen beschreiben. Was zunächst eindeutig klingt, kann bei näherer Betrachtung unterschiedliche Bedeutungen haben.

„What do we actually mean when we call something secure? Secure for whom, from what, and who decides?“, fragte auch Vizepräsidentin Prof. Dr. Simone Abels bei ihrer Begrüßung und Eröffnung des akademischen Teils der Graduate School Opening Days, die in 2026 gemeinsam mit dem Leuphana College unter dem Leitthema „In::Security“ stehen.

Fragen nach Sicherheit und Unsicherheit seien heute zunehmend Teil unseres Alltags und auch der Wissenschaft, betonte die Vizepräsidentin in ihrer Eröffnungsrede. „Security is something we all seek at a personal and societal level, but it can mean very different things.“

Forschung könne zeigen, wo Unsicherheit entsteht, wen sie betrifft und welche Formen bisher übersehen wurden. Zugleich könne sie bestehende Vorstellungen von Sicherheit hinterfragen. Dabei müsse wissenschaftliche Arbeit nicht immer einfache Antworten liefern. „As researchers, your role is not necessarily to provide simple answers to complex problems“, gab Simone Abels den neuen Graduate Students mit. 

Insbesondere der interdisziplinäre Austausch sei deshalb wichtig: „What initially appears to be a question of security can look very different when viewed from another perspective.“ Ein zentraler Bestandteil des akademischen Programms während der Graduate School Opening Days sind deshalb die sogenannten Thematic Workshops, in denen sich Studierende und Promovierende aller Fachrichtungen aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Thema Unsicherheit auseinandersetzen. Eine einheitliche Definition von „(In)Security“ gibt es dabei bewusst nicht. Konzipiert und durchgeführt von Postdocs und fortgeschrittenen Promovierenden der Leuphana und anderer Universitäten reichen die Workshops von Fragen rund um Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit bis hin zu wissenschaftlicher Evidenz, Vertrauen, Fairness oder Accountability. Die neuen Graduate Students erhalten so die Möglichkeit, über die Grenzen ihrer eigenen Disziplin hinauszublicken und in den überfachlichen Diskurs zu treten.

Magda Osman ging in ihrem Vortrag noch einen Schritt weiter und fragte, was passiert, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse zur Grundlage politischer Entscheidungen werden. Dabei hob sie einen grundlegenden Widerspruch hervor: Politische Entscheidungsträger*innen benötigen häufig klare Antworten, während wissenschaftliche Forschung komplexe, vorläufige und revidierbare Erkenntnisse liefert.

Für Magda Osman ist Unsicherheit deshalb keine Schwäche der Wissenschaft. Im Gegenteil: Das Hinterfragen dessen, was wir zu wissen glauben, ist ein wesentlicher Bestandteil der Gewinnung verlässlicher Erkenntnisse. „Research doesn’t become stronger because we eliminate every uncertainty“, argumentierte sie. Vielmehr werde Forschung dann stärker, wenn Wissenschaftler*innen ihre Annahmen kritisch hinterfragen und offen dafür bleiben, ihr Verständnis zu verändern.

Simone Abels ermutigte die Masterstudierenden und Promovierenden, Fragen zu stellen, neugierig zu bleiben und vermeintliche Gewissheiten immer wieder neu zu betrachten: „Never underestimate the power of a good question.“

Opening Days 2026: Von der Macht guter Fragen ©Leuphana/Tengo Tabatadze
Opening Days 2026: Von der Macht guter Fragen ©Leuphana/Tengo Tabatadze
Opening Days 2026: Von der Macht guter Fragen ©Leuphana/Tengo Tabatadze