Erfahrungsbericht Laura Wenzel

Kolleg Sozialpädagogik in diversen Gesellschaften

13.09.2024 Laura Wenzel hat in diesem Sommer Ihre Dissertation zur Flucht-Familien-Forschung verteidigt. Im Interview berichtet sie von den Herausforderungen einer kumulativen Promotion und der Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie.

©Leuphana / Tengo Tabatadze
Laura Wenzel / Research Group Social Pedagogy in Diverse Societies

Du hast kürzlich Deine Dissertation verteidigt, Zeit für einen Rückblick. Wie bist Du an die Leuphana gekommen?

Mein Wechsel an die Leuphana war themengetrieben: Meinen Master habe ich in Soziologie und Sozialforschung absolviert und danach an einem außeruniversitären Forschungsinstitut zu transnationalen Familien im Fluchtkontext gearbeitet. Das Projekt „Integration durch Vertrauen“, das sich mit fluchterfahrenen Familien und ihren Zugängen zu frühpädagogischen Angeboten beschäftigte, hat mich sofort angesprochen: Zum einen die thematischen Anknüpfungsmöglichkeiten an meine bisherige Arbeit und zum anderen die Kombination aus Grundlagenforschung, Praxisrelevanz und Transfer.

Für mich war es sehr hilfreich, meine Promotion im fachübergreifend zusammengesetzten Projekt zu schreiben und im sehr wertschätzenden und interdisziplinären Promotionskolleg meinen Platz als Soziologin in sozialpädagogischen Arbeits- und Forschungszusammenhängen zu finden.

Promovieren erfordert einiges an Durchhaltevermögen. Was waren die größten Herausforderungen für Dich?

Der Start der Erhebungsphase meiner Forschung fiel in den ersten Corona-Lockdown. Das war zunächst ein Schock, und wir mussten sehr flexibel sein, damit wir unsere Forschung weiterführen konnten. Ich bin sehr froh, dass wir an der Uni schnell neue Wege der Zusammenarbeit ausprobiert und die Promotionskurse und das Kolleg im Online-Modus weitergeführt haben. Das war ein wichtiger Support, um gut durch diese herausfordernde Zeit zu kommen.

Sehr wichtig war für mich während meiner Promotion auch das Mentoring-Programm der Leuphana. Dort habe ich viele promovierende Frauen* aus anderen Disziplinen kennengelernt und sehr von dem Austausch profitiert – auch in Bezug auf meine persönlich größte Herausforderung: Ich habe während der Promotion meine Tochter bekommen. Promovieren mit Kind stellte mich noch einmal vor ganz andere Fragen, z.B. hinsichtlich des eigenen Zeit- und Ressourcenmanagements. Gerade in der Wissenschaft ist es leider oft noch nicht einfach, Elternschaft mit Qualifikationsvorhaben zu vereinbaren. Hier habe ich wirklich positive Erfahrungen gesammelt und viel Support durch meinen Erstbetreuer, das Promotionskolleg und meine Kolleg*innen erhalten.

Du hast eine kumulative Dissertation vorgelegt, was ist das Besondere an diesem Weg?

Eine kumulative Dissertation, bei der mehrere thematisch zusammenhängende wissenschaftliche Artikel erarbeitet werden, erfordert durch die Parallelität von Forschung, Schreiben und Management des Publikationsprozesses ein hohes Maß an Organisation. Es kann lange dauern, bis die Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Zugleich erhöht die frühzeitige Veröffentlichung die Sichtbarkeit der eigenen Forschung. Ich konnte bereits während der Promotion zahlreiche Erfahrungen sammeln, z.B. in Bezug auf Peer-Review-Verfahren und kollaborative Schreibprozesse mit Kolleginnen, die nun sehr hilfreich für mich sind. Das Gute ist, dass ich das alles nicht alleine bewältigen musste, sondern durch die Inhalte zum Thema „akademisches Schreiben“ im Promotionsstudium und das fortwährende Feedback durch die Promotionsbetreuer*innen und Kolleg*innen Unterstützung erhalten habe. Gleichzeitig hatte ich genügend Freiraum, um meinen eigenen Weg und Stil zu finden.

Herzlichen Glückwunsch zur Promotion. Wie geht es jetzt für Dich weiter?

Danke! Zunächst einmal kurz durchatmen. Und, was ich auf zahlreichen wissenschaftlichen Konferenzen gelernt habe:Man muss nicht auf alle Fragen sofort eine Antwort haben, sondern darf auch mal laut überlegen. Das gilt im übertragenen Sinne auch für meine jetzige Phase. Zurzeit teile ich mir als Tandem mit einer Kollegin eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Parallel beginne ich nun, Ideen für weitergehende Forschungsanträge zu entwickeln, indem ich mich viel austausche und Konferenzen besuche. Außerdem mache ich eine Weiterbildung zur systemischen Beraterin, um mir gegebenenfalls auch weitere Arbeitsfelder zu erschließen.